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Machtkampf in Ägypten spitzt sich zu

Kairo Machtkampf in Ägypten spitzt sich zu

Offener Machtkampf am Nil: Nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi liefern sich Anhänger und Gegner des Islamisten blutige Straßenschlachten mit vielen Toten und Verletzten.

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Auch in Kairo kam es zu Straßenschlachten und Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Es gab Tote und Verletzte. Foto: Khaled Elfiqi

Kairo. Offener Machtkampf am Nil: Nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi liefern sich Anhänger und Gegner des Islamisten blutige Straßenschlachten mit vielen Toten und Verletzten.

Bei den Massenprotesten nach den Freitagsgebeten starben nach Angaben des staatlichen Ambulanzdienstes vom Samstag mindestens 36 Menschen, davon 16 durch Schüsse. Mehr als 1100 weitere wurden am Abend oder in der Nacht zum Samstag verletzt.

Der vom Militär ernannte vorläufige Nachfolger Mursis, Adli Mansur, zog am Samstag in den Präsidentenpalast im Kairoer Außenbezirk Heliopolis ein. Mursis Anhänger wollen nach eigenem Bekunden so lange mobil machen, bis ihr gestürzter Präsident wieder im Amt ist. Eine Beteiligung an einer künftigen, von Mansur zu bildenden Übergangsregierung lehnen sie ab.

Der von den Islamisten ausgerufene „Freitag der Ablehnung“ gipfelte in landesweiten Massendemonstrationen mit Zehntausenden Teilnehmern. Der Protesttag gegen den „Militärputsch“ hatte ein chaotisches Nachspiel. In der Nähe des zentralen Tahrir-Platzes in Kairo prallten in den Abendstunden Mursis Anhänger und Gegner aufeinander, um sich heftige Straßenschlachten zu liefern. Sie bewarfen sich mit Pflastersteinen und gingen mit Stöcken, Brandsätzen und Feuerwerkskörpern aufeinander los. Die Sicherheitsleute griffen nicht ein. Zu Zusammenstößen kam es auch in Alexandria, Suez und in Al-Arisch auf dem Sinai.

Im Norden des Sinai entglitt den Behörden die Kontrolle. Hunderte Islamisten stürmten in der Nacht zum Samstag den Sitz des Gouverneurs in Al-Arisch. Dutzende von ihnen hielten das Gebäude auch am Tag danach noch besetzt. Bewaffnete Extremisten erschossen in der Stadt einen koptisch-orthodoxen Priester. In der Nähe der oberägyptischen Stadt Luxor starben bei religiös motivierten Zusammenstößen vier Christen und ein Muslim.

Die Muslimbrüder, aus deren Reihen Mursi stammt, riefen die Menge am Freitagabend bei ihrer Hauptkundgebung in Kairo auf, so lange auf der Straße zu bleiben, bis dieser wieder an der Macht sei. „Wir werden ihn (Mursi) auf unseren Schultern tragend (ins Amt) zurückbringen“, rief ihr Führer Mohammed Badia Zehntausenden zu. „Wir werden für ihn unsere Seelen opfern.“

Die Armeeführung hatte Mursi am Mittwoch nach tagelangen, teils blutigen Massenprotesten gegen seine Herrschaft aus dem Amt entfernt. Sie setzte am Tag darauf den bisherigen Präsidenten des Verfassungsgerichts, Adli Mansur, als Interimspräsidenten ein. Er soll das wirtschaftlich angeschlagene Land zu Neuwahlen führen. Mit einer seiner ersten Weisungen löste er das Parlament auf.

Am Samstag zog Mansur formell in den Präsidentenpalast in Heliopolis ein. Er traf sich zu Beratungen mit Armeekommandant Abdel Fattah al-Sisi und Innenminister Mohammed Ibrahim. Nach seiner Vereidigung hatte Mansur angekündigt, die Islamisten an der Regierung zu beteiligen. Dies schlossen die religiösen Kräfte jedoch kategorisch aus. Mursi selbst bezeichnete seine Entmachtung als „klaren Militärputsch“.

In Kairo nahmen Sicherheitsleute in der Nacht zum Samstag den stellvertretenden Führer und Hauptfinanzier der Muslimbruderschaft, Chairat al-Schater, fest. Ihm wird Anstachelung zur Gewalt vorgeworfen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief indes die ägyptischen Sicherheitsleute auf, die Demonstranten zu schützen. Polizei und Militär müssten alle gewaltsamen Zusammenstöße vermeiden, erklärte Ban am Samstag in New York. Zugleich rief er das ägyptische Volk auf, „sein Recht auf Demonstrationen ausschließlich friedlich auszuüben“.

Bundespräsident Joachim Gauck forderte, zu einer Regierung zurückzukehren, die demokratischen Standards entspreche. Am Rande seines Besuchs in Finnland äußerte er zugleich Verständnis dafür, dass „in einer Situation, in der ein Bürgerkrieg droht, außergewöhnliche Maßnahmen ergriffen werden“.

dpa

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