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„March for Science“: Weltweit Demos für die Forschung

Wissenschaftler gegen Trump „March for Science“: Weltweit Demos für die Forschung

Fakten statt Fake: Um die Anerkennung wissenschaftlicher Ergebnisse ging es den Demonstranten des „March for Science“ - und um die Freiheit der Forschung. Selbst auf Helgoland gingen dafür Menschen auf die Straße.

„Doktorhut statt Aluhut!“ - gesehen beim „March for Science“ in Freiburg.

Quelle: Patrick Seeger

Washington. Zehntausende Menschen haben in mehr als 600 Städten weltweit für die Bedeutung von Wissenschaft und eine faktenbasierte Politik demonstriert. Allein 37.000 Teilnehmer gab es bei den mehr als 20 Veranstaltungen in Deutschland, wie die Koordinatoren des „March for Science“ mitteilten.

Der Hauptprotestzug zog am Weißen Haus in Washington vorbei. Die Organisatoren - eine Gruppe von Wissenschaftlern - erwarteten auch in den USA Zehntausende Teilnehmer.

In Berlin kamen nach Angaben der Veranstalter unter dem Motto „Wissenschaft ist keine Meinung, alternative Fakten sind Lügen“ rund 11.000 Menschen zusammen. Vor allem in den Universitätsstädten gab es große Demonstrationen. Selbst Helgoland beteiligte sich: 50 Menschen seien auf der Nordseeinsel für die Wissenschaft auf die Straße gegangen, hieß es von den deutschen „March for Science“-Koordinatoren.

„Wir können nicht akzeptieren, dass in Zeiten, in denen der Mensch diesen Planeten verändert wie nie zuvor in der Geschichte, Entscheidungen getroffen werden, ohne auf wissenschaftliche Fakten zurückzugreifen“, sagte der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Martin Stratmann, beim „March for Science“ in München. „Wir dürfen uns nicht dümmer stellen, als wir sind.“ Rund 3000 Menschen gingen in München nach Polizeiangaben auf die Straße. „Forschen statt Faken“ und „Make Science Great Again“ hieß es auf Transparenten - in Anspielung auf den Slogan von US-Präsident Donald Trump „Make America Great Again“.

Viele Wissenschaftler sind derzeit besorgt wegen der Zurückweisung wissenschaftlicher Erkenntnisse etwa zum Klimawandel und zur Sicherheit von Impfstoffen durch Politiker, aber auch in Teilen der Gesellschaft. Ihnen geht es aber auch darum, die Freiheit wissenschaftlicher Forschung zu erhalten.

Die Märsche für die Wissenschaft hatten sich aus dem Frauenmarsch auf Washington am Tag nach der Vereidigung von Donald Trump zum US-Präsidenten in diesem Januar entwickelt. Der 22. April ist der Tag der Erde (engl.: Earth Day). Zu den ersten Demonstranten hatten Wissenschaftler und ihre Unterstützer in Neuseeland gezählt. Vor allem der Klimaschutz war ein großes Thema bei den Teilnehmern in Wellington, Dunedin und anderen Städten.

Der Forschungsleiter am Deutschen Museum in München, Helmuth Trischler, sagte: „Wenn das Leugnen des Klimawandels mehrheitsfähig geworden ist und Fakten Alternativen bekommen, genügt es nicht mehr, wenn Wissenschaftler im Wesentlichen nur unter sich selbst kommunizieren.“

Das deutsche Organisationsteam betonte, die Demonstrationen seien keine Anti-Trump-Veranstaltung. Das Leugnen gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse sei ein weltweites Problem. „Autokraten haben ein Interesse an einer unaufgeklärten Öffentlichkeit“, sagte der Greifswalder Philosophieprofessor Micha Werner bei der dortigen Veranstaltung. Angst, Zweifel und Unsicherheit seien dort am wirksamsten, wo sie nicht durch Fakten begrenzt würden. 

In Berlin gab es am Mittag eine erste Kundgebung an der Humboldt-Universität am Boulevard Unter den Linden. Anschließend zogen die Demonstranten vor das Brandenburger Tor. Auf Transparenten und Schildern war unter anderem zu lesen: „Alternative Fakten zählen nicht im OP“ und „Es gibt keinen Planet B“.

Auf einem Transparent in Freiburg stand „Für Fakten gibt es keine Alternative“. „Wissenschaft ist keine Meinung“ hieß es auf einem Plakat in Frankfurt. Redner mahnten dort, Forscher müssten stärker den gesellschaftlichen Dialog suchen, um über Sinn und Zweck ihrer Arbeit zu berichten. „Wir Wissenschaftler sind viel zu sehr unter uns“, sagte der Informatik-Professor Ronald Moore von der Hochschule Darmstadt.

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, sagte, es sei kein Zufall, dass die Klimaforschung zuerst angegriffen werde. „Die menschengemachte Erderwärmung wie auch die Politik zu ihrer Begrenzung sind naturgemäß global - für Nationalisten einfach unerträglich.“

Auch in Australien demonstrierten Tausende. Slogans wie „Schützt die Stimme der unabhängigen Forschung“ waren auf den Transparenten zu lesen. „Wir rufen die Politiker dazu auf, Gesetze zu machen, die auf wissenschaftlichen Beweisen basieren“, sagte der Wissenschaftler Stuart Khan, der die Demonstration in Sydney mitorganisiert hatte.

dpa

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