Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Brennpunkte Indonesien beklagt Hunderte Tote
Nachrichten Brennpunkte Indonesien beklagt Hunderte Tote
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:52 30.09.2018
Menschen stehen in Palu in Zentral-Sulawesi inmitten von Trümmern. Quelle: Tatan Syuflana/ap
Jakarta

Bei der Tsunami-Katastrophe in Indonesien sind vermutlich mehr als tausend Menschen ums Leben gekommen. Nach der jüngsten Zwischenbilanz der Behörden von Sonntag gab es auf der Insel Sulawesi mindestens 832 Tote.

Die Regierung fürchtet, dass die Zahl der Todesopfer durch die Flutwelle und die vorigen Erdbeben in die Tausende geht. Zunehmend gibt es Kritik, weil das bestehende Tsunami-Warnsystem nicht funktioniert haben soll.

Nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde starben allein in Palu, der größten Stadt an der Westküste von Indonesiens viertgrößter Insel, mindestens 821 Menschen. Mehr als 500 wurden schwer verletzt. Dutzende werden noch vermisst. Darunter sind mehrere Ausländer, auch drei Franzosen. Die Suche nach Überlebenden wird immer mehr zu einem verzweifelten Wettlauf gegen die Zeit.

Hinweise auf deutsche Opfer hat das Auswärtige Amt nicht. Auf Sulawesi sind - im Unterschied zu Indonesiens beliebtester Insel Bali - verhältnismäßig wenig ausländische Touristen unterwegs. Ein Deutscher, der in der Gemeinde Donggala Tauchurlaub machte, ist nach Angaben der lokalen Behörden wohlauf.

An der Westküste gibt es noch viele Orte, wo die Menschen größtenteils von der Fischerei leben. Insgesamt ist ein Küstenstreifen von etwa 300 Kilometern betroffen. Möglicherweise sieht es in Gebieten weiter im Norden - näher am Zentrum des Bebens - noch schlimmer aus. Wegen zerstörter Straßen und Kommunikationsleitungen ist es schwer, dort hinzukommen.

Mehr als 48 Stunden nach der Katastrophe gab es nur aus Palu - einer Stadt mit mehr als 350.000 Einwohnern - ein einigermaßen klares Bild der Lage. Von dort stammt auch eine Handy-Aufnahme des Tsunami, die sich übers Internet weltweit verbreitete. Zu sehen ist, wie eine mächtige Welle auf die Küste zurollt und dann Menschen, Boote, Autos und ganze Häuser mit sich reißt. Auch eine 250 Meter lange Brücke steht nicht mehr.

Viele Bewohner wurden am Strand von dem Tsunami überrascht. Dort sollte am Abend ein Festival stattfinden. Grund für die hohen Opferzahlen ist möglicherweise auch, dass das Warnsystem nicht richtig funktionierte. Der Sprecher von Indonesiens Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Nugroho, bestätigte: „Es gab keine Sirene. Viele Menschen waren sich der Gefahr nicht bewusst.“

Das nationale Zentrum für Meteorologie und Geophysik hatte nach dem schlimmsten Beben der Stärke 7,4 am Freitagabend zwar eine Tsunami-Warnung ausgegeben, hob sie nach nur einer halben Stunde aber wieder auf - aus Sicht von Kritikern viel zu früh. Die Behörde verteidigte sich mit dem Hinweis, dass das Wasser zu diesem Moment schon weder auf dem Rückzug gewesen sei.

Am Sonntag machte sich auch Indonesiens Präsident Joko Widodo in Palu ein Bild der Lage. Er appellierte an seine Landsleute, Geduld zu haben. Aus dem Ausland trafen zahlreiche Hilfsangebote ein. Zuspruch kam unter anderem von Papst Franziskus und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Indonesien liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Für die mehr als 260 Millionen Einwohner sind Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche keine neue Erfahrung. Beim Tsunami an Weihnachten 2004 starben dort mehr als 160.000 Menschen, so viele wie in keinem anderen Land der Region. Insgesamt kamen damals in den östlichen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans etwa 230.000 Menschen ums Leben.

Nach einem heftigen Erdbeben entwickelte sich im März 2011 auch in Japan ein Tsunami. Mehr als 18.000 Menschen kamen durch die Flutwelle ums Leben oder werden bis heute vermisst. In der Folge kam es außerdem zum Atomunfall von Fukushima.

Ein Tsunami (japanisch: Hafenwelle) wird meist durch starke Erdbeben unter dem Meer ausgelöst. Die Tsunami-Wellen breiten sich mit großer Geschwindigkeit aus. Ihre Höhe hängt von der Wassertiefe ab. Auf hoher See wird die Woge von Schiffen oft nicht bemerkt. In flachen Küstengewässern und engen Buchten können sich die Wassermassen dann zehn Meter und höher auftürmen. Die Wellen können in flachen Gebieten kilometerweit ins Hinterland fließen und schwere Schäden anrichten.

Tsunamis gibt es am häufigsten im Pazifik, grundsätzlich aber auch in anderen Ozeanen. Ende 2004 kamen am Indischen Ozean bei einem Erdbeben der Stärke 9,1 und dem folgenden Tsunami mehr als 230 000 Menschen um. Im März 2011 rissen ein Beben der Stärke 9,0 und der folgende Tsunami in Japan fast 19 000 Menschen in den Tod und zerstörten das Atomkraftwerk Fukushima.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei der Tsunami-Katastrophe in Indonesien sind vermutlich mehr als tausend Menschen ums Leben gekommen. Nach der jüngsten Zwischenbilanz der Behörden gab es auf der Insel Sulawesi mindestens 832 Tote.

30.09.2018

Dramatisches Ende eines Wiesnbesuchs: Im Streit geraten auf dem Münchner Oktoberfest zwei Männer aneinander, der eine streckt den anderen nieder. Zufällig anwesende Ärzte reagieren sofort, können das Opfer aber nicht mehr retten.

30.09.2018
Brennpunkte Junge Fußgängerin stirbt - Notarztauto kracht in Taxi

Wenn Notärzte gerufen werden, sollen sie helfen - am besten gar Menschenleben retten. Eine solche Rettungsfahrt nahm in Bonn ein tödliches Ende für eine 26-Jährige.

30.09.2018