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Brennpunkte Mindestens 36 Tote nach Anschlag auf Istanbuler Flughafen
Nachrichten Brennpunkte Mindestens 36 Tote nach Anschlag auf Istanbuler Flughafen
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12:25 29.06.2016
Am Istanbuler Flughafen Atatürk gab es offenbar zwei Explosionen und Schüsse. Mindestens zehn Menschen sind tot, viele sind verletzt. Quelle: Sedat Suna/dpa
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Istanbul

Selbstmordattentäter haben eines der wichtigsten Drehkreuze des internationalen Luftverkehrs ins Visier genommen und dabei Dutzende Menschen getötet. Mindestens 36 Menschen starben, als die drei Täter am Dienstagabend am Istanbuler Atatürk-Flughafen um sich schossen und sich dann selbst in die Luft sprengten, wie die türkische Regierung mitteilte. Sie vermutete die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hinter dem Anschlag. Unter den Toten sind mindestens 13 Ausländer. Die 23 anderen Todesopfer seien türkische Staatsbürger, hieß es aus Regierungskreisen in Ankara.

Der Airport der türkischen Millionenmetropole ist am Dienstagabend von zwei Selbstmordanschlägen erschüttert worden. Mindestens zehn Menschen sind ums Leben gekommen, es soll mehr als 60 Verletzte geben.

Ministerpräsident Binali Yildirim schilderte bei einem Besuch am Anschlagsort den Hergang der Ereignisse: Die drei Attentäter seien mit dem Taxi am Flughafen angekommen, hätten Maschinengewehre gezogen und um sich geschossen. Danach hätten sie sich selbst in die Luft gesprengt. Unter den Opfern seien auch Ausländer. Dem Auswärtigen Amt in Berlin lagen nach Angaben einer Sprecherin keine Hinweise auf deutsche Opfer vor. Justizminister Bekir Bozdag gab die Zahl der Verletzten in der Nacht mit 147 an.

Filmaufnahmen von Überwachungskameras dokumentierten dramatische Szenen: Die im türkischen Fernsehen ausgestrahlten Aufnahmen zeigten einen der Attentäter, der im Terminalgebäude zu Boden ging - offenbar getroffen vom Schuss eines Polizisten. Am Boden liegend zündete der Attentäter einen Sprengsatz.

Die Bilder einer anderen Kamera zeigten einen massiven Feuerball am Eingang zu dem Terminal; die Detonation ließ Flughafenbesucher in Panik davonlaufen. An dem Gebäude entstand beträchtlicher Sachschaden. Der Flugverkehr wurde nach dem Anschlag zeitweise ausgesetzt. Eine Augenzeugin berichtete, der Attentäter habe plötzlich eine Waffe aus der Jacke gezogen. „Dann hat er angefangen, auf Leute zu schießen.“ Dabei sei er mit Ruhe vorgegangen und „wie ein Prophet“ durch die Halle gelaufen.

Die türkische Behörden vermuten den IS hinter mindestens fünf Attentaten in der Türkei; die Miliz bekannte sich bislang zu keiner dieser Taten. Präsident Recep Tayyip Erdogan rief die internationale Gemeinschaft zu einem gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus auf. In einer in der Nacht veröffentlichten Erklärung des Präsidenten hieß es: „Wenn es den Staaten und der Menschheit insgesamt nicht gelingt, ihre Kräfte zu bündeln und einen gemeinsamen Kampf gegen Terrorgruppen zu führen, dann werden all die Szenarien, vor denen wir uns fürchten, eines Tages Wirklichkeit werden.“

Erdogan rief „insbesondere die Staaten des Westens“ auf, „eine harte Haltung gegen den Terror einzunehmen“. Die Türkei werde „ihren Kampf gegen den Terror bis zum Ende führen“, auch wenn sie dafür einen „hohen Preis“ zu zahlen habe. International wurde der Anschlag einhellig verurteilt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich „entsetzt“ über die Nachrichten aus Istanbul. „Noch sind die Hintergründe unklar, aber alles deutet darauf hin, dass Terroristen erneut in der türkischen Metropole zugeschlagen haben.“ Ähnliche Äußerungen kamen von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Frankreichs Präsident François Hollande und der US-Regierung.

Die Konsulate der USA und Frankreichs in Istanbul riefen ihre Bürger auf, dem Flughafen zunächst fernzubleiben. Das Auswärtige Amt riet deutschen Reisenden in Istanbul, Kontakt zu ihrem Reiseveranstalter aufzunehmen und die Berichterstattung in den Medien zu verfolgen. Der Flughafen von Istanbul ist mit einem jährlichen Passagieraufkommen von rund 60 Millionen Menschen der elftgrößte der Welt. Er ist ein wichtiges Drehkreuz für den interkontinentalen Luftverkehr zwischen Europa, Asien und Afrika.

Bombenanschläge in Istanbul: Ein Überblick

Mal kurdische Extremisten, mal die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) - die türkische Metropole Istanbul war seit Jahresbeginn wiederholt das Ziel von Bombenattentaten, wie jetzt am Atatürk-Flughafen. Andere Beispiele:

Juni 2016: Die Explosion einer ferngezündeten Autobombe tötet im Zentrum Istanbuls sechs Polizisten und fünf Passanten, 36 Menschen werden verletzt. Die TAK, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, bekennt sich zu der Tat.

März 2016: Ein Attentäter sprengt sich auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal in die Luft und reißt vier Menschen mit in den Tod, 39 werden verletzt. Drei der Todesopfer sind Israelis, eines ist aus dem Iran. Laut türkischer Regierung hatte der Attentäter Verbindungen zur sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Januar 2016: Bei einem Anschlag im historischen Zentrum Istanbuls werden zwölf Deutsche getötet. Der Angreifer sprengt sich mitten in einer Reisegruppe in der Nähe der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der Attentäter gehörte nach Angaben der türkischen Regierung der Terrormiliz IS an.

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