Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Brennpunkte Minister: Behördenpanne in Arnschwang kein Systemfehler
Nachrichten Brennpunkte Minister: Behördenpanne in Arnschwang kein Systemfehler
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:22 09.06.2017
Ein regenbogenfarbenes Herz mit der Aufschrift „Samir“ während der Andacht für den getöteten Fünfjährigen. Quelle: Timm Schamberger
Anzeige
München

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sieht in der Behördenpanne um einen Flüchtling in Arnschwang einen Einzelfall. „Es ist kein Systemfehler“, sagte Herrmann in München.

Das Verwaltungsgericht München hatte den 41-jährigen Mann, der in Arnschwang in der Oberpfalz einen fünfjährigen Jungen erstach, bereits 2014 als gemeingefährlich eingestuft. Die Regierung der Oberpfalz kannte dieses Urteil aber nicht, als der Mann aus Afghanistan in der Flüchtlingsunterkunft aufgenommen wurde. Die Menschen in der Gemeinde im Landkreis Cham nahmen mit einem Gottesdienst Abschied von dem Jungen.

Herrmann sagte, er könne zwar den Ablauf in dem konkreten Fall nicht beurteilen. Die Regel sei jedoch: „Jedes Urteil, das einen Asylbewerber betrifft, egal in welchem Verfahren, ist in seine Ausländerakte aufzunehmen. Damit hat jede weitere Behörde, die später mit dem Ausländer zu tun hat, automatisch alle entsprechenden Vorgänge in den Akten.“

Herrmann ergänzte: Wieso das Urteil nicht in der Akte gewesen sei, die die Regierung in der Oberpfalz gehabt habe, könne er nicht beurteilen. Das müssten nun die betroffenen Stellen und Mitarbeiter nachvollziehen.

Der 41-jährige Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in Arnschwang hatte das Kind am vergangenen Samstag getötet und dessen Mutter schwer verletzt. Der sechsjährige Bruder erlitt einen Schock. Motiv für die Tat war wohl, dass sich der Mann durch die Kinder in seiner Ruhe gestört fühlte. Die Polizei erschoss den Mann.

In der Pfarrkirche St. Martin versammelten sich am Freitag die Kindergartenfreunde des getöteten Jungen zur Andacht. Begleitet wurden sie von Eltern, Kindergärtnerinnen und weiteren Gemeindemitgliedern. Auch Bürgermeister Michael Multerer sowie Vertreter von Polizei und Rotem Kreuz nahmen teil.

„Es wäre gelogen, wenn wir sagen würden: Alles wird wieder gut!“, sagte Pfarrer Joseph Kata. „Unser Leben ist jetzt anders. Samir wird uns unendlich fehlen.“ Die Kinder legten bunte Blumen vor dem Altar nieder.

Die Hilflosigkeit in dem Ort ist angesichts der schrecklichen Tat groß. „Es ist eine absolute Tragödie“, sagte eine Frau. „Man weiß gar nicht, was man da tun kann“, ergänzte eine andere. Bürgermeister Multerer forderte eine Aufarbeitung. Der Fall sei inzwischen ein Politikum. „Aber heute steht die Trauer im Vordergrund.“

Als verurteilter Straftäter hätte der 41-Jährige nach Afghanistan abgeschoben werden sollen. Doch er hatte sich als Konvertit, der vom Islam zum Christentum übergetreten war, rechtlich dagegen gewehrt, so dass 2014 ein Abschiebeverbot ausgesprochen worden war. Weil für den Mann ein Kontaktverbot zu seiner Ex-Frau bestand, musste er eine elektronische Fußfessel tragen.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vor den Augen der Nachbarn hat ein Mann in Brandenburg seine Ehefrau getötet. Der 32-Jährige muss dafür lange Jahre ins Gefängnis.

09.06.2017

Theresa May versprach den Briten eine „starke und stabile Führung“ für die Brexit-Verhandlungen. Doch sie konnte damit nicht überzeugen. Die britischen Wähler gaben ihr dafür die Quittung.

09.06.2017

Der Müll an deutschen Küsten ist nicht weniger geworden - das schreibt das Umweltbundesamt in einem aktuellen Faktenpapier. Umweltschützer überrascht das wenig.

09.06.2017
Anzeige