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Möglicherweise drei Tote bei BASF-Unglück

Taucher bergen weitere Leiche Möglicherweise drei Tote bei BASF-Unglück

In einem Hafenbecken der BASF finden Polizeitaucher einen Toten - es könnte das dritte Opfer der Explosion vom Montag sein. Von den heruntergefahrenen Anlagen sollen einige wieder in Betrieb gehen.

Ludwigshafen. Die Zahl der Todesopfer der verheerenden Explosion bei der BASF in Ludwigshafen hat sich möglicherweise auf drei erhöht. Polizeitaucher bargen in einem Hafenbecken am Explosionsort die Leiche eines Mannes.

Nun wird geprüft, ob es sich bei ihm um einen seit dem Unglück vermissten Matrosen eines Tankschiffes handelt. „Ob es der Vermisste ist, wissen wir noch nicht“, sagte eine Polizeisprecherin. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal ordnete die Obduktion an. Das Ergebnis liegt möglicherweise erst in einigen Tagen vor.

„Leider müssen wir davon ausgehen, dass unsere Befürchtungen traurige Gewissheit werden und wir ein drittes Todesopfer zu beklagen haben“, sagte BASF-Vorstandsmitglied Margret Suckale. Bei der Explosion und nachfolgenden Bränden im Landeshafen Nord waren am Montag zwei Männer der BASF-Werksfeuerwehr getötet worden. Mehr als 20 Menschen wurden verletzt, viele schwer.

Luft- und Wassertests ergaben nach Informationen des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums, dass keine Grenzwerte überschritten wurden. Insgesamt waren noch 24 Anlagen komplett heruntergefahren.

Der Chemiekonzern will wichtige Anlagen nun wieder anfahren. Die beiden sogenannten Steamcracker sollten in den kommenden Tagen schrittweise ihren Betrieb wieder aufnehmen, teilte BASF am Mittwochabend mit. An diesem Donnerstagmorgen und in den folgenden Tagen würden deshalb voraussichtlich Fackeln zu sehen sein und es komme zu Geräuschentwicklung. Die Anlagen gelten als das Herzstück des Werks. Dort wird mit Hilfe von Dampf (englisch: steam) Rohbenzin aufgespalten (englisch: to crack).

Derzeit würden Aktionen geprüft, um den Einfluss des Unglücks auf Kundenlieferungen so gering wie möglich zu halten. Der Konzern gab sogenannte Force-Majeure-Erklärungen - Regelungen bei höherer Gewalt - für die Abnahme einiger Produkte wie Ethylen heraus. Medienberichte, wonach Teile der Produktion möglicherweise für Wochen lahmgelegt sind, konnte eine Sprecherin weder bestätigen noch dementieren.

Die Ermittler haben nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Hubert Ströber inzwischen „gewisse Teilerkenntnisse“ zur Ursache der Explosion. Sie gingen auf eine Zeugenvernehmung zurück und müssten erhärtet werden. Der bereits vernommene Zeuge sei Mitarbeiter einer auf dem Gelände eingesetzten Fremdfirma und „im Bereich der Sicherung“ tätig gewesen, sagte Ströber. Seine Angaben würden nun ausgewertet und bei den weiteren Untersuchungen berücksichtigt.

Der Oberstaatsanwalt kündigte weitere Zeugenbefragungen und Untersuchungen an, über die er aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen könne. Der Explosionsort sei inzwischen begehbar, sagte Ströber. Polizisten und Sachverständige seien vor Ort. Die Behörde ermittelt von Amts wegen in der Sache wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und fahrlässiger Körperverletzung gegen unbekannt.

Nach dem vermissten Matrosen hatten am Mittwoch 17 Taucher von Polizei und Feuerwehr gesucht. Gegen 12.30 Uhr bargen Polizeitaucher der technischen Einsatzeinheit Mainz die Leiche eines Mannes. Die Belegschaft gedachte der Opfer in einer Schweigeminute. Zudem wehten die Fahnen im Betrieb auf halbmast, und es wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt. Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft reagierte mit Bestürzung auf das Schicksal ihrer Kollegen und richtete für die Familien der Feuerwehrleute ein Spendenkonto ein.

Landesumweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) teilte mit, die Luftüberwachungsstationen des Landesamtes für Umwelt hätten in Ludwigshafen während des Brandes und danach keine Überschreitung der Grenzwerte ermittelt. Auch die Daten der Stationen Speyer, Worms und Frankenthal zeigten keine Auffälligkeiten. Auch die Wasseruntersuchungen der Rheingütestation Worms zeigten nach Angaben des Ministeriums keine auffälligen Ergebnisse. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd habe außerdem die Analyseergebnisse von Rheinwasserproben der BASF erhalten. „Die Bewertung hat ergeben, dass nicht von einer Umweltgefährdung auszugehen ist.“

Die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) forderte im „Mannheimer Morgen“ eine rückhaltlose Aufklärung der Vorgänge und gegebenenfalls Konsequenzen. Die Koalitionsfraktionen von SPD, FDP und Grünen im rheinland-pfälzischen Landtag planen für Donnerstag kommender Woche eine Sondersitzung dreier Ausschüsse zu dem Thema.

dpa

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