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Musterschülerin mit Makel

Hannover/Berlin Musterschülerin mit Makel

Fehler, aber keine Täuschung: So lautet das Urteil der Medizinischen Hochschule Hannover über die Doktorarbeit von Ursula von der Leyen. Es kratzt am Image der Verteidigungsministerin. Der politische Schaden dürfte sich aber in Grenzen halten.

Hannover/Berlin. Die Protagonistin ist nicht anwesend als um kurz nach 18.00 Uhr im „Hörsaal F“ der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die Entscheidung im Plagiatsverfahren zur Doktorarbeit von Ursula von der Leyen verkündet wird.

Die Bundesverteidigungsministerin ist gerade auf dem Weg von Washington nach San Francisco. Dort will die CDU-Politikerin einen Vortrag an der renommierten Stanford Universität halten, wo sie 1993 Gasthörerin an der Medizinischen Fakultät war. Ihren Doktortitel hatte sie damals gerade erst erworben.

Jetzt geht es darum, ob sie ihn behalten darf. Eine schwere Entscheidung für die Hochschule, denn von der Leyen ist nicht nur prominent und ihr Fall seit Monaten in den Schlagzeilen. Für die Hochschule geht es auch um die eigene Glaubwürdigkeit, um den Wert der Wissenschaft.

„Wir haben sorgfältig, objektiv und ohne Ansehen der Person geprüft“, betont Christopher Baum, Präsident der MHH. Dieser Satz ist auch von Bedeutung, weil die Familie von der Leyen bis heute enge Beziehungen zur Hochschule pflegt. Die Arbeit wurde deshalb von externen Gutachtern geprüft. Die Entscheidung ist eindeutig. „Der Senat entschied vor etwa einer halben Stunde mit 7:1, den Titel nicht abzuerkennen“, sagt Baum.

Ein Persilschein für die siebenfache Mutter, Top-Abiturientin und stetige Musterschülerin ist die Entscheidung aber nicht. Denn die 1990 mit der Note 1,0 bewertete Arbeit enthält Mängel und auch Plagiate, im wesentlichen in der Einleitung. „Das sind Fehler, für die Frau von der Leyen als Autorin verantwortlich ist“, betont Baum.

Dass von der Leyen anders als einst Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) oder Annette Schavan (CDU) auch künftig auf ihrer Vistenkarte einen Doktortitel stehen hat, liegt daran, dass ihr keine böse Absicht attestiert wird. „Das Muster spricht nicht für eine Täuschungsabsicht“, sagt Baum. „Es geht um Fehler, nicht um Fehlverhalten, das ist ein Unterschied.“

Dieser Satz wird sicher noch für Diskussionen in der Wissenschaftsszene sorgen. Sind die Fehler wirklich nur auf Unachtsamkeit oder Unfähigkeit zurückzuführen? War alles nur ein Versehen?

Die Internet-Plattform „Vroniplag Wiki“ hat auf 27 von 62 Seiten Textstellen gefunden, die aus fremder wissenschaftlicher Feder stammen sollen. Insgesamt handelt es sich um 47 Passagen. Die Hochschule sagt jetzt, dass 15 davon keine Plagiate seien. Bleiben aber immer noch 32 Stellen, an denen nicht korrekt zitiert wurde - auf 62 Seiten.

Von der Leyen reagiert auf die Entscheidung mit einer Mischung aus Erleichterung und Selbstkritik. Sie sei froh über das Votum, aber: „Teile meiner damaligen Arbeit entsprechen nicht den Maßstäben, die ich an mich selber stelle.“

Ehrgeizig, diszipliniert, zielstrebig und auch hart mit sich selbst: Das ist das Image, das von der Leyen gerne selbst von sich zeichnet. Das hat nun einen deutlichen Kratzer erhalten. Trotzdem dürfte sich der politische Schaden für sie in Grenzen halten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erteilte ihr schon vor der Entscheidung in Hannover eine Absolution. Auf die Frage, ob die Ministerin auch ohne Doktortitel noch das Vertrauen der Kanzlerin habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert: „Selbstverständlich. Die Ministerin ist eine hervorragende Verteidigungsministerin, was man gerade in diesen Tagen wieder beim Zustandekommen der Nato-Aktivitäten in der Ägäis gesehen hat.“

Merkel dürfte ein großes Interesse daran haben, die Plagiatsaffäre schnell abzuhaken. Von der Leyen gehört zu ihren stärksten Leuten, bei einer sehr dünnen Personaldecke der CDU im Spitzenbereich. Ein entzogener Doktortitel kurz vor den wichtigen Landtagswahlen am Wochenende hätte ihr gerade noch gefehlt.

Von der Leyen kann damit angeschlagen, aber einigermaßen erhobenen Hauptes und vor allem mit Doktortitel nach Stanford zurückkehren. Und auch im Kreis der Kandidaten für die Merkel-Nachfolge dürfte sie weiterhin vertreten bleiben.

dpa

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