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Neue Suche nach Carles Puigdemont

Anklage wegen Rebellion Neue Suche nach Carles Puigdemont

Der ehemalige Katalanen-Präsident Carles Puigdemont will von Brüssel aus für die Unabhängigkeit der Region kämpfen. Aber eine Vorladung vor Gericht bringt ihn unter Druck. Einige seiner Mitstreiter kehren am Abend nach Barcelona zurück, doch er nicht. Wo ist Puigdemont?

Carles Puigdemont am 27. Oktober bei einer Plenarsitzung der katalanischen Regionalregierung.

Quelle: Quique Garcia

Barcelona/Brüssel. Das Katz- und Maus-Spiel des angeklagten katalanischen Ex-Regionalpräsidenten Carles Puigdemont geht weiter: Einige seiner separatistischen Mitstreiter kehrten in der Nacht von Brüssel nach Barcelona zurück, darunter der ehemalige katalanische Innenminister Joaquim Forn.

Puigdemont tauchte am Flughafen in der katalanischen Stadt dagegen nicht auf. Die Zeitung „La Vanguardia“ hatte berichtet, dass auch der Ex-Regionalchef auf dem Weg nach Barcelona sei. Andere Medien schrieben dagegen lediglich, dass andere angeklagte Mitarbeiter auf dem Rückweg seien, Puigdemont dagegen in Brüssel geblieben sei.

Puigdemont und andere katalanische Politiker sind in Spanien unter anderem wegen Rebellion angeklagt. Dann setzten sie sich nach Belgien ab. Der Staatsgerichtshof in Madrid lud Puigdemont und weitere Angeklagte am Dienstag für diesen Donnerstag und Freitag vor. In Brüssel hatte Puigdemont erklärt, er werde nur nach Spanien zurückkehren, wenn ihm Garantien für ein faires Verfahren gegeben werden. Gegenüber Journalisten sagte er am Abend in Brüssel, er habe von der Vorladung vor Gericht nur aus den Medien erfahren.

Damit gerät Puigdemonts Plan, vorerst von Belgien aus die Unabhängigkeit Kataloniens voranzutreiben, ins Wanken. Denn folgen er und die anderen 13 Angeklagten nicht der Vorladung, können Haftbefehle folgen, die auch von belgischen Behörden ausgeführt werden müssten. Die Angeklagten sollen zudem binnen drei Tagen den Betrag von über 6,2 Millionen Euro hinterlegen, wie Richterin Carmen Lamela mitteilte. Das sind die geschätzten Kosten des für illegal erklärten Unabhängigkeits-Referendums vom 1. Oktober.

Puigdemont und anderen Angeklagten werden unter anderem Auflehnung gegen die Staatsgewalt, Rebellion und Unterschlagung öffentlicher Gelder vorgeworfen. Dafür drohen bis zu 30 Jahre Haft.

Puigdemont hatte zuvor in Brüssel erklärt, er suche in Belgien kein politisches Asyl und verstecke sich auch nicht vor der spanischen Justiz - wolle aber erst zurückkehren, wenn er „Garantien“ für eine faire Behandlung bekomme. „Ich bin hier, um in Freiheit und Sicherheit zu handeln.“

Puigdemont war zusammen mit mehreren seiner separatistischen Mitstreiter heimlich nach Belgien ausgereist. Er sprach von insgesamt neun seiner Leute in Belgien. Die Staatsanwaltschaft in Spanien hatte am Montag Anklage gegen Puigdemont und weitere Mitglieder der abgesetzten Regionalregierung erhoben.

Lamela, Richterin beim spanischen Nationalgericht, ließ die Anklage zu. Die Angeklagten sollen bei den Terminen am Donnerstag und Freitag Erklärungen abgeben und zudem solle dabei über „vorsorgliche Maßnahmen persönlicher Art“ entschieden werden.

„Wir haben uns nach Brüssel verlegt, um das katalanische Problem im institutionellen Herzen Europas zu erläutern und (...) um der Welt das schwerwiegende demokratische Defizit zu zeigen, das es im spanischen Staat gibt“, sagte Puigdemont in Brüssel. Zudem habe er „jede Art von Konfrontation“ vermeiden wollen, die bei seinem Verbleib in Katalonien hätte drohen können. Wie lange er in Belgien bleibe, sei noch unklar. Das komme auf die Umstände an, sagte Puigdemont. „Wir wollen nicht vor unserer Verantwortung vor der Justiz fliehen.“

Die wirtschaftsstarke Region Katalonien steht derzeit unter Zwangsverwaltung aus Madrid, nachdem die Separatisten am Freitag im Parlament einseitig eine Unabhängigkeitserklärung abgegeben hatten. Diese setzte das Verfassungsgericht am Dienstag aus. Derweil ließ der Oberste Gerichtshof die Klage gegen die Ex-Präsidentin des katalanischen Parlaments, Carme Forcadell, und fünf weitere Mitglieder des Parlaments zu.

Belgiens Ministerpräsident Charles Michel sagte nach Angaben der Agentur Belga, Puigdemont sei weder auf Einladung noch auf Initiative seiner Regierung in Belgien. Im grenzfreien Schengen-Raum sei es ihm möglich, ohne weitere Formalitäten in Belgien zu sein. Bei der EU-Kommission hieß es, man habe keinen Kontakt mit Puigdemont gehabt.

Die Krise in Katalonien hatte Anfang Oktober mit einem Unabhängigkeitsreferendum an Fahrt aufgenommen, das das Verfassungsgericht eigentlich verboten hatte. Die konservative spanische Regierung von Mariano Rajoy hat mittlerweile in der Region im Nordosten Spaniens Neuwahlen für den 21. Dezember ausgerufen. Er wolle die Ergebnisse der Wahl respektieren, sagte Puigdemont.

Nach einer Umfrage würden die Unabhängigkeitsbefürworter wieder gewinnen. Die Koalition Junts pel Sì, der auch die Partei von Puigdemont angehörte, käme auf zwischen 60 und 63 Abgeordnete (von 135) im Parlament in Barcelona, geht aus einer Umfrage des katalanischen Meinungsforschungsinstituts Centre d'Estudis de Opinió de la Generalitat hervor, die unter anderen die Zeitung „El País“ am Dienstag veröffentlichte. Bei den Wahlen in Katalonien im Jahr 2015 kam die Koalition auf 62 Abgeordnete.

Zudem sprachen sich nach der Umfrage jetzt mehr Menschen für eine Unabhängigkeit aus, als noch vor dem umstrittenen Referendum. 48,7 Prozent seien nun für eine Unabhängigkeit von Spanien, das seien 7,6 Prozentpunkte mehr als noch bei der letzten Befragung im Juni.

Der Cava-Spezialist Freixenet behält unterdessen nach der Wende in dem Konflikt doch seinen Firmensitz in der Region. Für die Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität in Spanien und Katalonien sei es richtig, nicht mit den Umzugsüberlegungen fortzufahren, erklärte Freixenet nach einer Sitzung der Firmenführung am Dienstag. Der Hersteller der traditionellen Schaumwein-Art hat seine Sektkellerei in Sant Sadurní d’Anoia, rund 50 Kilometer von Barcelona entfernt. Freixenet war eines der bekannteren von mehreren Dutzend Unternehmen, die nach dem Referendum zum Umzug aus Katalonien ansetzten.

Die katalanische Sprache ist für die Unabhängigkeitsbewegung ein zentrales Mittel, um sich von Spanien abzusetzen. Sie ist nicht nur Amtssprache in der Region um Barcelona, sondern auch von großer Bedeutung für das Selbstbewusstsein der Katalanen.

Allerdings betrachten sich nicht alle Bewohner von Katalonien auch als Katalanen - vor allem durch Zuwanderung hat die Bevölkerung der wirtschaftsstarken Region seit Beginn des Jahrhunderts stetig zugenommen, von 6,3 auf 7,5 Millionen. Etwa ein Drittel der Bevölkerung gibt Katalanisch als Muttersprache an, für mehr als die Hälfte ist Spanisch die Hauptsprache.

Katalanisch gehört zu den romanischen Sprachen und wird oft als Brückensprache zwischen Spanisch und Französisch betrachtet. Katalanisch wird unter anderem auch in Andorra, auf den Balearen, im Nordwesten von Sardinien sowie in der französischen Region Roussillon gesprochen. Es wird geschätzt, dass insgesamt mehr als zehn Millionen Menschen Katalanisch sprechen.

dpa

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