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Noch größere Terrorserie womöglich nur knapp verhindert

Brüssel Noch größere Terrorserie womöglich nur knapp verhindert

Das Terrorkommando von Brüssel war anscheinend größer als bisher gedacht - und das Ausmaß ihrer geplanten Anschlagserie auch. Die Behörden hatten die Täter teils schon seit Monaten auf dem Radar.

Brüssel. Die Brüsseler Terrorserie mit Hunderten Opfern war möglicherweise noch verheerender angelegt als bislang bekannt. Nach unbestätigten Medienberichten wollten drei weitere Täter nach dem Vorbild der Pariser November-Anschläge auch mit Sturmgewehren um sich schießen.

Zwei mutmaßliche Terroristen sollen weiter flüchtig sein. Polizei-Großaufgebote kontrollierten Züge, Flughäfen und Grenzen.

Wie die öffentlichen Sender VRT und RTBF berichteten, wollten der inzwischen inhaftierte Terrorverdächtige Salah Abdeslam, der vergangene Woche bei einer Polizeirazzia erschossene Mohamed Belkaid sowie ein dritter Mann mit Sturmgewehren ein noch größeres Blutbad anrichten.

Abdeslam wird vorgeworfen, schon die Pariser Anschlagsserie maßgeblich vorbereitet zu haben, bei der Killer unter anderem in Restaurants und einer Konzerthalle um sich geschossen hatten. Insgesamt wurden damals 130 Menschen getötet.

In Brüssel wurden am Dienstag bei Explosionen am Flughafen und in der U-Bahn-Station Maelbeek mindestens 31 Menschen getötet und rund 300 verletzt. Der Attentäter in der Metro, Khalid El Bakraoui, war dabei offenkundig nicht allein, wie belgische und französische Medien berichteten. Bilder einer Überwachungskamera zeigten demnach einen zweiten Mann mit einer großen Tasche. Es sei wenig wahrscheinlich, dass dieser Mann bei der Explosion getötet wurde.

Zudem fahndet die Polizei weiter nach einem Komplizen der Attentäter, der vom Flughafen Brüssel geflüchtet sein soll. Somit könnte das Terrorkommando aus mindestens fünf Tätern bestanden haben. Drei sprengten sich in die Luft.

Alle drei Selbstmordattentäter sind belgische Staatsbürger und hatten Verbindungen zu den islamistischen Drahtziehern der Anschläge von Paris. Es handelt sich um die Brüder Ibrahim (29) und Khalid (27) El Bakraoui sowie Medienberichten zufolge um den 24-jährigen Najim Laachraoui. Letzterer war wegen der Anschläge von Paris erst vor kurzem zur Fahndung ausgeschrieben worden. Khalid El Bakraoui wurde seit Dezember per Haftbefehl gesucht, weil er für die Pariser Attentäter unter falschem Namen eine Wohnung gemietet haben soll.

Ibrahim El Bakraoui wurde am 14. Juli 2015 von der Türkei ausgewiesen und per Flugzeug nach Amsterdam gebracht, wie der niederländische Justizminister Ard van der Steur am Donnerstagabend mitteilte. Da er zu diesem Zeitpunkt nicht in den Datenbanken der niederländischen und internationalen Ermittler registriert gewesen sei, habe es keinen Grund gegeben, ihn festzunehmen.

El Bakraoui war 2010 in Belgien zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden und vorzeitig freigekommen - offenbar trotz negativer Beurteilung der Gefängnisdirektion. Im Juni 2015 wurde er an der türkisch-syrischen Grenze aufgegriffen und danach ausgewiesen. Laut Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan warnte die Türkei damals davor, dass es sich bei ihm um einen „terroristischen Kämpfer“ handele. Die belgischen Behörden ließen ihn dennoch auf freiem Fuß.

Wegen möglicher Versäumnisse im Fall Ibrahim El Bakraoui boten Belgiens Innenminister Jan Jambon und Justizminister Koen Geens ihren Rücktritt an. Premierminister Charles Michel lehnte die Gesuche ab.

Spekuliert wird auch darüber, dass die Brüsseler Terrorzelle möglicherweise einen hochrangigen Atomforscher zwingen wollte, radioaktives Material für eine sogenannte schmutzige Bombe zu liefern. Laut der Tageszeitung „La Dernière Heure“ entfernten die Brüder El Bakraoui eine heimlich vor dem Haus des Wissenschaftlers in Flandern montierte Überwachungskamera, deren Aufnahmen später bei Ermittlungen zu den Pariser Terroranschlägen entdeckt wurden.

Die für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister kamen zu einem Sondertreffen in Brüssel zusammen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bekräftigte dort seine Forderung nach einem besseren Informationsaustausch zwischen den Sicherheitsbehörden in Europa und monierte die fehlende Kooperation einiger nationaler Stellen. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sagte, Vorschläge für mehr Sicherheit in Europa lägen seit Monaten auf dem Tisch.

Unklar ist nach wie vor die Identität der meisten Terroropfer, derer am Donnerstag bei einer Schweigeminute in Brüssel gedacht wurde. Eine Frau aus Aachen wird laut Polizei weiter vermisst. Ihr Ehemann sei mit schweren Verletzungen in ein belgisches Krankenhaus gebracht worden. Laut Auswärtigem Amt sind deutsche Todesopfer nicht ausgeschlossen, die Zahl der deutschen Verletzten bewegt sich demnach im einstelligen Bereich.

In Brüssel gab es am Donnerstag zwar erneut Polizeieinsätze, über Ergebnisse wurde aber zunächst nichts bekannt. Die bislang geltende höchste Terrorwarnstufe wurde von vier auf drei gesenkt. Innereuropäische Flüge von und nach Brüssel werden bis mindestens Sonntag über die Flughäfen in Antwerpen und Lüttich abgewickelt.

Am Frankfurter Flughafen bleiben die Sicherheitsmaßnahmen auch am Osterwochenende erhöht. Eine Absage des besonders gesicherten Fußball-Länderspiels Deutschland-England am Samstag in Berlin ist aus Sicht von Experten bislang aber nicht nötig.

dpa

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