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Nordkorea testet mehrere Marschflugkörper

Vom Radar nur schwer zu orten Nordkorea testet mehrere Marschflugkörper

Nordkorea ist wegen seines Raketen- und Atomprogramms schon international isoliert - und verstößt dennoch immer wieder aufs Neue gegen UN-Resolutionen. Diesmal schreckt das Land seine Nachbarn mit Marschflugkörpern auf, die vom Radar nur schwer zu orten sind.

Passanten sehen in Seoul, in einer Bahn-Station Archivbilder einer von Nordkorea abgefeuerten Rakete. Nordkorea hat nach Angaben Südkoreas mehrere Marschflugkörper zu Testzwecken in Richtung offenes Meer abgefeuert.

Quelle: Ahn Young-Joon

Seoul. Nach seinen weltweit verurteilten Tests verschiedener ballistischer Raketen in den vergangenen Monaten hat Nordkorea nun anscheinend mehrere Marschflugkörper abgefeuert.

Nordkorea habe am Donnerstagmorgen einige Flugkörper getestet, die nach dem Start von der Ostküste nahe Wonsan etwa 200 Kilometer weit in Richtung offenes Meer geflogen seien, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul mit. Es habe sich vermutlich um Lenkflugkörper gehandelt, die gegen Schiffe eingesetzt werden können.

Der US-Nachrichtensender CNN berichtete unter Berufung auf Militärs, wahrscheinlich seien vier solcher Flugkörper zu Testzwecken von Nordkorea abgefeuert worden. 

Die Lage in der Region ist nach mehreren Tests ballistischer Raketen durch Nordkorea, darunter Mittelstreckenraketen, sehr angespannt. Mehrere UN-Resolutionen verbieten der kommunistischen Führung in Pjöngjang eigentlich Tests mit ballistischen Raketen. Das sind in der Regel Boden-Boden-Raketen, die je nach Bauart auch Atomsprengköpfe ins Ziel befördern können. 

Tests von Marschflugkörpern unterliegen dagegen nicht den Sanktionen. Anders als ballistische Raketen verfügen Marschflugkörper (Cruise Missile) über einen permanenten eigenen Antrieb. Bei einer niedrigen Flughöhe von unter hundert Metern sind sie vom gegnerischen Radar nur schwer zu orten.

Mit dem jüngsten Waffentest habe Nordkorea vermutlich demonstrieren wollen, dass das Land über „Angriffskapazitäten mit verschiedenen Raketentypen“ verfüge, sagte der Sprecher des Generalstabs der südkoreanischen Armee, Roh Jae Cheon, in Seoul.

Der neue Waffentest erfolgte nach dem Abzug zweier US-Flugzeugträger aus dem Japanischen Meer (koreanisch: Ostmeer) in dieser Woche. Dort hatten sich die „USS Carl Vinson“ und die „USS Ronald Reagan“ in den vergangenen Wochen mit den südkoreanischen und japanischen Streitkräften an Militärübungen beteiligt. 

Südkoreas neuer Präsident Moon Jae In warnte die Führung in Pjöngjang bei einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrats in scharfem Ton davor, ihr Raketen- und Atomprogramm weiter voranzutreiben. Nordkorea treibe sich dadurch nur stärker in die Isolation und bekomme noch größere wirtschaftliche Schwierigkeiten, wurde er von einem Sprecher zitiert. 

Japan sieht sich durch den jüngsten Test nicht direkt in seiner Sicherheit bedroht. Japan werde mit den USA und Südkorea den Vorfall analysieren, sagte Außenminister Fumio Kishida. 

Der UN-Sicherheitsrat hatte in der vergangenen Woche das Raketen- und Atomwaffenprogramm Nordkoreas auf das Schärfste verurteilt und die Sanktionen gegen das Land erneut ausgeweitet. Vor allem Japan und Südkorea fürchten als Nachbarn, von Raketen Nordkoreas getroffen zu werden. Nordkorea arbeitet außerdem an Raketen, die dank ihrer großen Reichweite auch Ziele in den USA treffen könnten. Pjöngjang wirft den USA regelmäßig vor, durch ihre Militärübungen mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten, was beide Länder bestreiten.

Auch die Europäische Union weitet ihre Sanktionen gegen Nordkorea aus. 14 weitere Personen und vier weitere Einrichtungen wurden mit Strafmaßnahmen belegt, wie der Ministerrat am Donnerstag mitteilte. Es wurden Reisebeschränkungen verhängt, Vermögen sollen eingefroren werden. Die EU folgt damit Vorgaben der Vereinten Nationen. 

dpa

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