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Nordkorea wäre zu Verhandlungen über Atomprogramm bereit

Interview Nordkorea wäre zu Verhandlungen über Atomprogramm bereit

Die Atomwaffen Nordkoreas ängstigen die Welt. Aktuell scheint die Gefahr einer Eskalation größer denn je. Ein Experte sieht durchaus Möglichkeiten, Nordkorea auf einen friedlichen Pfad zu leiten.

Das von „Airbus Defense & Space“ und der Internetseite „38 North“ veröffentlichte Satellitenfoto zeigt ein Atomwaffen-Testgelände in Punggye-ri im gebirgigen Nordosten von Nordkorea.

Quelle: Pleiades Cnes/airbus Ds/38 North/spot Image/ap

Wien. Im Fall einer militärischen Eskalation in Nordkorea befürchten Experten verheerende Konsequenzen.

„Am Ende wird die koreanische Halbinsel ein rauchendes Trümmerfeld mit Millionen von Leichen sein, von den geopolitischen Konsequenzen ganz zu schweigen“, sagte der Nordkorea-Experte Rüdiger Frank. Die Gefahr eines bewaffneten Konflikts sei gestiegen. Dabei wäre Nordkorea nach Überzeugung von Frank bereit, über sein Atomprogramm zu verhandeln.

Frage: Warum forciert Nordkorea sein Atom- und Raketenprogramm?

Antwort: Nordkorea sieht sich von in jeder Hinsicht überlegenen Militärmächten bedroht; dazu gehören übrigens nicht nur die USA und Südkorea, sondern auch China. Die Führung in Pjöngjang glaubt, dass nur Atomwaffen ihre Sicherheit vor einem Angriff garantieren können. Das Schicksal des Iraks, Libyens und Syriens sieht man als Bestätigung für diese These an.

Frage: Handelt die Regierung in Pjöngjang irrational?

Antwort: Die nordkoreanische Regierung macht viele Fehler, aber irrational ist sie nicht. Sie hat klare Zielvorstellungen, hat sich für einen Weg zur Erreichung dieser Ziele entschieden, und beschreitet diesen nun in aller Konsequenz. Für mich klingt das sehr rational.

Frage: Wie hoch schätzen sie die Eskalationsgefahr ein?

Antwort: Das Spiel mit atomarer Abschreckung ist grundsätzlich riskant. Allerdings gab es bisher so etwas wie inoffizielle Spielregeln, eine Art Ritual. Die Nordkoreaner testen, und der Westen protestiert und sanktioniert. Wir veranstalten Militärmanöver und verhängen Sanktionen, und Nordkorea protestiert und testet. Das hat viele Jahre funktioniert. Jetzt aber gibt es in den USA einen neuen Präsidenten, und Nordkoreas Waffenprogramm steht vor einem Durchbruch. Das ändert die Situation und macht sie gefährlicher.

Frage: Welche Folgen könnte ein einseitiger Angriff der USA haben?

Antwort: Kim Jong Un hat gar keine andere Wahl, als militärisch zu antworten. Sonst ist er innenpolitisch erledigt und der nächste Angriff wäre sowieso vorprogrammiert. Unklar ist, ob er auf drei Raketen mit drei Raketen antworten würde oder gleich den Generalangriff befiehlt, in der Annahme, dass er nur diesen einen Versuch hat. Am Ende wird die koreanische Halbinsel ein rauchendes Trümmerfeld mit Millionen von Leichen sein, von den geopolitischen Konsequenzen ganz zu schweigen.

Frage: Welche Strategie könnte weiterhelfen, eine friedliche Lösung zu finden?

Antwort: Das nordkoreanische Atomprogramm muss weg. Dazu muss der Westen verstehen, wozu es benötigt wird, und Alternativen suchen. Ohne direkte Gespräche auf höchster Ebene geht das nicht. Dann sollten wir versuchen, die vielen positiven Tendenzen in Nordkorea zu fördern und damit eine Entwicklung einzuleiten, die man in China und Vietnam beobachten kann. Nordkorea will ein souveräner und wirtschaftlich erfolgreicher Staat sein, was ohne internationale Kooperation oder zumindest Duldung nicht geht. Atomwaffen stehen dem letztlich im Weg, und das wissen die Nordkoreaner auch. Eine grundlegende Bereitschaft für Verhandlungen ist also vorhanden - jedoch nicht zur Kapitulation.

ZUR PERSON: Frank ist einer der führenden Nordkorea-Experten. Er besucht regelmäßig das abgeschottete Land und lehrt an Universitäten in Südkorea. Frank leitet das Ostasieninstitut der Universität Wien.

dpa

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