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Offensiven gegen die IS-Terrormiliz

Im Irak und Libanon Offensiven gegen die IS-Terrormiliz

Der IS hat im Irak den größten Teil seines Herrschaftsgebietes wieder verloren. Doch die neue Militärkampagne gegen die sunnitischen Extremisten ist umstritten, weil auch Schiitenmilizen beteiligt sind.

Irakische Polizisten suchen nach Sprengkörpern, die vom sogennanten Islamischen Staat gelegt wurden.

Quelle: Yusuke Suzuki

Bagdad/Beirut. Irakische Sicherheitskräfte haben im Norden des Landes eine Bodenoffensive auf eine der letzten größeren IS-Bastionen begonnen.

Einheiten der Armee, der Polizei und verbündete schiitische Milizen rückten am Sonntag in den Morgenstunden auf die Stadt Tal Afar westlich der früheren IS-Hochburg Mossul vor. Die IS-Anhänger hätten die Wahl, sich zu ergeben oder getötet zu werden, erklärte Ministerpräsident Haidar al-Abadi in einer Fernsehansprache.

Bereits am Samstag hatte die libanesische Armee im Osten des Landes eine Offensive begonnen, um die IS-Präsenz an der Grenze zum Bürgerkriegsland Syrien zu beenden. Der IS kontrolliert dort seit längerem Gebiete um die Grenzstädte Ras Baalbek und Al-Kaa.

Tal Afar ist die wichtigste Stadt, die der IS im Irak noch kontrolliert. Seit ihrem Vormarsch im Sommer 2014 und dem Höhepunkt ihrer Macht haben die Extremisten den größten Teil ihres Gebietes wieder verloren. Zuletzt konnten irakische Spezialkräfte im Juli die jahrelange IS-Hochburg Mossul vollständig unter Kontrolle bringen.

Aus Iraks Armeekreisen hieß es, die Angreifer hätten Dörfer in Tal Afars Umland eingenommen. Demnach zogen sich die IS-Anhänger teilweise zurück. In Tal Afar sollen sich Medien zufolge bis zu 1000 Dschihadisten verschanzt haben.

Das UN-Nothilfebüro (Ocha) warnte, die Zivilisten in und um Tal Afar befänden sich in größter Gefahr. Die Helfer stellten sich auf Tausende Flüchtlinge ein. Die internationale Anti-IS-Koalition, die die Offensive unterstützt, schätzt, dass sich in der Region noch zwischen 10.000 und 50.000 Zivilisten aufhalten. 30 000 Menschen seien schon von dort geflogen, erklärte Ocha.

Experten erwarten, dass die Stadt schneller als Mossul befreit wird. In Mossuls Gassen hatten sich die Kämpfe über Monate hingezogen.

Tal Afar hat eine besondere Bedeutung, weil die Stadt vor dem IS-Einmarsch 2014 mehrheitlich von der ethnischen Minderheit der Turkmenen bewohnt worden waren. Ein Teil von ihnen ist sunnitisch, der andere Teil schiitisch. Der sunnitische IS bekämpft die Schiiten.

Umstritten ist die Beteiligung der schiitischen Milizen an der Offensive. Diese unterstehen zwar offiziell der Regierung, führen aber ein Eigenleben. Sie wurden nach Offensiven gegen den IS im Westen des Iraks und im nordirakischen Mossul für Übergriffe auf Sunniten verantwortlich gemacht. Schon mit der Militärkampagne in Mossul waren sie weit bis in sunnitisches Stammland vorgedrungen.

Das Verhältnis zwischen den beiden großen Strömungen des Islams im Irak ist angespannt. Die Minderheit der Sunniten fühlt sich von der Mehrheit der Schiiten diskriminiert. Das gilt auch als wesentlicher Grund, warum der IS unter Sunniten großen Zulauf finden konnte.

Unterdessen meldete der libanesische TV-Kanal LBC, die Armee habe bei der Offensive gegen den IS im Osten des Landes zahlreiche Anhöhen nahe der Stadt Ras Baalbek eingenommen. Die Artillerie beschieße Stellungen der Extremisten, hieß es weiter.

Die IS-Anhänger haben noch immer neun libanesische Soldaten in ihrer Gewalt, die sie bei Gefechten mit der Armee im Jahr 2014 gefangen genommen hatten. Die Extremisten stammen ursprünglich aus Syrien und haben den Libanon über die Jahre infiltriert. Nach Militärangaben befinden sich im umkämpften Gebiet rund 600 IS-Anhänger. Der Bürgerkrieg in Syrien schwappt seit seinem Ausbruch im Frühjahr 2011 immer wieder über die Grenze ins kleine Nachbarland Libanon.

dpa

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