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„Panama Papers“: Wie der Leak in die Medien kam

München „Panama Papers“: Wie der Leak in die Medien kam

Die Unterlagen einer Kanzlei aus Panama zu Offshorefirmen mit vielen prominenten Namen sorgen für Wirbel. Ein Reporter der „Süddeutschen Zeitung“ erzählt vom Umgang mit diesen „Panama Papers“ in monatelanger Recherche.

München. Ein Jahr lang gab es für die Journalisten Frederik Obermaier und Bastian Obermayer von der „Süddeutschen Zeitung“ in München ein Hauptthema: Die panamaische Kanzlei Mossack Fonseca und das mit ihrer Hilfe errichtete weltweit verzweigte Netz aus Briefkastenfirmen.

Eine anonyme Quelle hatte der „SZ“ riesige Datenmengen zugespielt - E-Mails, Verträge und andere Dokumente. „Als wir die ersten Datensätze einsehen konnten, wurde ziemlich schnell die Trageweite klar“, sagte Frederik Obermaier im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München. „Wir waren schnell auf einer Ebene von Staats- und Regierungschefs.“

Frage: Wie begründete die anonyme Quelle ihre Motivation für die Weitergabe der Daten?

Antwort: Die Quelle hat uns gegenüber sehr klar einen moralischen Antrieb vorgebracht, auch mit dem Satz „Ich will, dass diese Straftaten öffentlich werden“.

Frage: Weil Sie dieses gigantische Datenvolumen nicht alleine bewältigen konnten, haben Sie andere Kollegen eingeschaltet. Am Ende waren 400 Journalisten aus 80 Ländern dabei. Wie haben Sie es geschafft, diese brisanten Enthüllungen so lange geheim zu halten?

Antwort: Ehrlich gesagt wundert mich das auch. Wir haben schon damit gerechnet, dass irgendwann der Punkt erreicht ist, wo etwas durchsickert. Wenn es nur jeder einem anderen erzählt, sind wir schon bei fast 1000 Leuten. Das Risiko war groß. Deshalb haben wir von Anfang an immer wieder darauf hingewiesen, dass das bis zum Ende geheim bleiben muss, weil sonst das ganze Projekt in Gefahr ist.

Frage: Haben Sie nach einem Jahr Recherche denn diese Datenmassen schon komplett durchforstet?

Antwort: Nein, definitiv nicht. Wir haben zwar im letzten Jahr schon etliche Geschichten ausrecherchiert. Daneben gibt es aber noch immer Dutzende Spuren, denen wir noch nicht nachgehen konnten. Bei dem Material ist es auch nicht ausgeschlossen, dass es in fünf Jahren einen Skandal gibt, wo das fehlende Puzzlestück hier in diesen Daten zu finden ist.

Frage: Wie fühlt sich das an, auf Informationen zu sitzen, die so viel Sprengstoff bergen?

Antwort: Es war ein komisches Gefühl, wenn man schaut, wer in den Daten ist: Kriminelle, Mafiosi, Staatschefs, Helfer von Autokraten. Das sind alles Leute, die ein Interesse haben, dass das alles nicht ans Licht kommt. Persönlich habe ich relativ wenig Angst. Wir leben in Deutschland in einem Umfeld, in dem man sich als Journalist sicher fühlen kann. Ich mache mir eher Sorgen um Kollegen, die in Ländern arbeiten und recherchieren, in denen es nicht so gut um den Rechtsstaat bestellt ist. Bei denen geht es wirklich um ihr Leben.

Frage: Werden Sie das Material an die Staatsanwaltschaft weitergeben?

Antwort: Nein. Wir sind nicht der verlängerte Arm der Staatsanwaltschaft. Wir sind Journalisten. Die Strafverfolgungsbehörden haben genug Mittel in der Hand, um gegen derartige Machenschaften vorzugehen. Es ist eine andere Frage, ob sie diese Mittel nutzen.

Frage: Ihre Recherche haben Sie mit Ihrem Kollegen Obermayer in einem Buch zusammengestellt - „Panama Papers - Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung“. Gibt es darüber hinaus die Panama-Leaks auch irgendwann komplett im Internet?

Antwort: Die „Süddeutsche Zeitung“ wird die Daten nicht eins zu eins ins Internet stellen. Nicht jeder, der darin auftaucht, taucht in illegalem Zusammenhang auf. Nach deutschem Recht wäre das nicht zu vertreten, die Dateien komplett und ungeschwärzt ins Netz zu stellen. Wir haben den Faktor des öffentlichen Interesses, das ist das ausschlaggebende Kriterium.

ZUR PERSON: Frederik Obermaier ist Redakteur des Investigativ-Ressorts der „Süddeutschen Zeitung“. Zuvor hatte er Wirtschaftsgeografie und Journalistik studiert und dann bei der „SZ“ volontiert. Für seine journalistische Arbeit erhielt der 32-Jährige unter anderem den Helmut-Schmidt-Preis und den Wächterpreis.

dpa

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