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Paris-Attentäter hatte Fotos von Jülicher Kernforschungsanlage

Jülich Paris-Attentäter hatte Fotos von Jülicher Kernforschungsanlage

In der Wohnung des Paris-Attentäters Abdeslam sollen Artikel zum Kernforschungszentrum in Jülich gefunden worden sein - und Fotos von deren Vorstandschef. Das wirft die Frage auf: Hatten die Terroristen noch Schlimmeres im Sinne als bislang bekannt?

Der stillgelegte Versuchsreaktor fotografiert am 13.11.2014 in Jülich (Nordrhein-Westfalen).

Quelle: Oliver Berg/dpa

Jülich. Der an den Pariser Anschlägen beteiligte Islamist Salah Abdeslam soll einem Bericht zufolge Unterlagen zum nordrhein-westfälischen Atomforschungszentrum Jülich in seiner Wohnung aufbewahrt haben. Neben ausgedruckten Internet-Artikeln zu der Kernforschungsanlage seien auch Fotos von deren Vorstandschef Wolfgang Marquardt gefunden worden. Das hat das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), zu dem auch die Lübecker Nachrichten gehören, unter Berufung auf Mitglieder des Parlamentarischen Kontrollgremiums herausgefunden. Ähnliche Informationen zur angeblichen Ausspähung eines belgischen Atomforschers hatten schon vor Wochen die Debatte über möglicherweise drohende Anschläge auf Atommeiler befeuert.

Der Bericht bezieht sich auf die Wohnung Abdeslams in der als Islamistenhochburg geltenden Brüsseler Gemeinde Molenbeek. Dort wurde der Franzose kurz vor den Brüsseler Anschlägen vom 22. März gefasst. Abdeslam gilt als Schlüsselfigur bei den Ermittlungen zur Pariser Terrorserie mit 130 Todesopfern am 13. November. Sein Bruder Brahim sprengte sich damals als Selbstmordattentäter in die Luft.

Laut dem RND-Bericht soll Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen mehrere Mitglieder des Bundestags-Kontrollgremiums Ende März in streng vertraulichen Vier-Augen-Gesprächen über den Fund in Abdeslams Wohnung unterrichtet haben. Kanzleramt und Innenministerium erklärten demnach, keine Informationen zu dem Sachverhalt zu haben.

Nach den Bombenexplosionen in Brüssel mit 32 Todesopfern war berichtet worden, die Attentäter hätten auch einen belgischen Atomforscher ausspioniert und Filmaufnahmen seiner Wohnung gehabt. In der Folge wurde darüber spekuliert, dass von dem observierten Fachmann womöglich radioaktives Material für eine sogenannte schmutzige Bombe erpresst werden sollte.

Unmittelbar nach den Brüsseler Anschlägen waren zudem im belgischen Atomkraftwerk Tihange alle Mitarbeiter, die nicht unbedingt gebraucht wurden, nach Hause geschickt worden. Angeblich sollte so das Risiko minimiert werden, dass sich gefährliche Personen auf dem Gelände aufhalten. Bekannt wurde auch, dass ein Dschihadist als Mitarbeiter einer externen Dienstleistungsfirma jahrelang im Hochsicherheitsbereich des belgischen Kernkraftwerks Doel arbeitete, bevor er als IS-Kämpfer nach Syrien reiste und dort starb.

Die deutschen Atomkraftwerke sind nach Darstellung des Bundesumweltministeriums zwar umfassend gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter geschützt, zu denen auch Terrorangriffe zählen. Aus Sicht der Umweltorganisation BUND hingegen sind die Meiler nicht ausreichend gegen Terrorangriffe abgesichert. So schütze die vorgesehene Vernebelung der Gebäude, die gezielte Attacken aus der Luft verhindern soll, die Reaktoren nur minimal.

Forschungsreaktor Jülich

Der Forschungsreaktor Jülich war beim Start 1967 der erste deutsche Hochtemperaturreaktor. 15 kommunale Stromversorger wollten damit in den 60er Jahren nahe der Grenze zu den Niederlanden und Belgien die Funktionsfähigkeit eines neuen Reaktortyps nachweisen.

1988 wurde der Betrieb des Forschungsreaktors eingestellt. Der Versuchsreaktor soll bis 2022 zurückgebaut werden. Der radioaktiv belastete Reaktorbehälter wurde 2015 in ein Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich gebracht.

Die hochstrahlenden Brennelemente lagern ebenfalls noch immer auf dem Gelände des Forschungszentrums. Sie wurden 1994 aus dem Reaktorbehälter entfernt und zwischengelagert. Nun ringen Experten um eine Lösung.

Die Atomaufsicht fordert die Räumung des Zwischenlagers mit den hochstrahlenden Brennelementen. Denn Jülich liegt im Erdbebengebiet Niederrheinische Bucht, und das Zwischenlager ist der Aufsichtsbehörde nicht ausreichend gegen Erdbeben gesichert.

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