Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Brennpunkte Patientenmörder für rund 100 Tote verantwortlich
Nachrichten Brennpunkte Patientenmörder für rund 100 Tote verantwortlich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:42 09.11.2017
Der ehemalige Krankenpfleger versteckt im September 2014 im Landgericht Oldenburg sein Gesicht hinter einem Aktendeckel. Quelle: Carmen Jaspersen
Oldenburg

Der bereits verurteilte Patientenmörder Niels H. ist nach Abschluss aller toxikologischen Untersuchungen für rund 100 Todesopfer an den Kliniken Delmenhorst und Oldenburg verantwortlich. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Oldenburg mit.

Den Untersuchungen zufolge können ihm 62 Sterbefälle in Delmenhorst und 38 Fälle in Oldenburg zugerechnet werden. In fünf der Oldenburger Fälle müssten allerdings noch weitere Untersuchungen erfolgen.

Niels H. ist bereits wegen sechs Taten zu lebenslanger Haft verurteilt worden, unter anderem wegen zwei Morden. Die Staatsanwaltschaft will wegen der neuen Fälle voraussichtlich Anfang kommenden Jahres Anklage erheben.

Niels H. hatte gestanden, Patienten eine Überdosis von Medikamenten gespritzt zu haben, um sie anschließend wiederbeleben zu können. Damit wollte er sich vor Kollegen als heldenhafter Retter beweisen. Mehr als 130 frühere Patienten der beiden Kliniken ließ die eigens dafür eingerichtete Sonderkommission der Polizei in den vergangenen drei Jahren ausgraben und auf Rückstände von Medikamenten testen.

Fest steht nach Ansicht der Ermittler, dass ein großer Teil der Morde hätte verhindert werden können. Schon am Klinikum Oldenburg gab es eine Statistik, die zeigte, dass während der Schicht von Niels H. die Sterberate und die Zahl der Reanimationen stieg.

Das Klinikum Oldenburg trennte sich von dem verdächtigen Pfleger und stellte ihm sogar ein gutes Arbeitszeugnis aus. Eine Warnung an das Klinikum Delmenhorst blieb aus. Auch dort gab es bald Gerüchte, weil auffällig viele Patienten während der Schicht von Niels H. starben. Später lagen auch handfeste Beweise vor: Zwei frühere Oberärzte und der Stationsleiter werden deshalb wegen Totschlags durch Unterlassen vor Gericht stehen.

Von einem großen Versagen hatte die Deutsche Stiftung Patientenschutz gesprochen. Tätern werde es in Krankenhäusern und Pflegeheimen immer noch zu leicht gemacht. In vielen der bundesweit 2000 Krankenhäusern seien die Kontrollmechanismen nicht verschärft werden.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bis Serienmörder entlarvt und verurteilt werden, vergehen wie im Fall Niels H. oft Jahre.

09.11.2017
Brennpunkte Jamaikanische Rollenspiele - Zwischen Pöblern und Brückenbauern

Guter Bulle, böser Bulle: Das ist nicht nur ein Filmklischee, sondern auch in der Berliner Politik derzeit beliebt. Bei den Verhandlungen für eine neue Regierung gibt es eine klare Rollenverteilung.

09.11.2017

In einer lange geplanten Aktion gelingt Kolumbien ein historischer Schlag gegen die Kokainmafia. Der Marktwert der Drogen soll bis zu 360 Millionen Dollar betragen. Wird nun auch der meistgesuchte Verbrecher des Landes, der neue Pablo Escobar, gefangen?

09.11.2017