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„Plötzlich fielen Schüsse“

Reportage „Plötzlich fielen Schüsse“

Dass hinter dem missglückten Raubüberfall auf einen Geldtransporter Ex-RAF-Terroristen stecken könnten - das hatte bislang niemand vermutet. Schon gar nicht am Tatort, dem Real-Markt Groß Mackenstedt, wo noch immer Betroffenheit zu spüren ist.

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Der Eingang eines Verbrauchermarkts fotografiert am 19.01.2016 in Groß Mackenstedt (Niedersachsen).

Quelle: Carmen Jaspersen/dpa

Stuhr. Der 6. Juni 2015 war ein Samstag. Ein klarer Sommertag, den viele wie gewöhnlich zum Einkauf nutzten, auch beim Real-Markt im niedersächsischen Groß Mackenstedt. Der Parkplatz war schon mittags voll. Wie gewöhnlich kam am Nachmittag der Geldtransporter, um Einnahmen abzuholen. Alltägliche Routine. Aber irgendwas lief schief. „Plötzlich fielen Schüsse“, erinnert sich Sabine Wilken, die an dem Samstag an einem Imbissstand Würstchen verkaufte.

Die Tische vor dem Stand waren zeitweise gut besetzt. „Es war ein warmer Tag“, sagt die Augenzeugin. Keine 50 Meter von dem Stand entfernt hatte sie schon länger einen weißen VW-Bus beobachtet. Als dann gegen 14.20 Uhr geschossen wurde, sagte sie noch zu einem kleinen Jungen, der am Stand war: „Du bleibst schön hier.“ Einer Kollegin aus dem Real-Markt rief sie auch noch zu, dass sie nicht nachsehen gehen sollte.

Raubüberfälle der früheren RAF

Doch die Kollegin schaute doch um die Ecke und bestätigte schockiert: „Da wird ja geschossen.“ All das ging in Minutenschnelle. Der Geldtransporter hielt an einem Hinterausgang, dort war auch eine Sicherheitskamera installiert. Die Täter schossen auf den Transporter, der etwa eine Million Euro geladen hatte. Kugeln flogen, steckten nachher im Fahrzeug. Die maskierten Täter waren mit Schnellfeuergewehren und einer Panzerfaust bewaffnet. Doch die Aktion ging schief, das Räuber-Trio flüchtete. Ohne Beute. Nur mit Glück wurde niemand verletzt.

„Das hätte ja viel schlimmer kommen können“, sagt Wilken, die wie viele im Markt schon aus den Nachrichten wusste, dass die Täter möglicherweise ehemalige RAF-Terroristen waren. Der Geschäftsführer der Filiale, Yusuf Caliskan, sorgt sich auch gut ein halbes Jahr nach dem Vorfall um seine Mitarbeiter und rät Journalisten davon ab, mit ihnen zu sprechen. Zu groß ist immer noch die Betroffenheit.

Er verweist strikt auf die Unternehmens-Pressestelle von Real und die wiederum richtigerweise auf die Polizei. Auskünfte über die Abläufe des Überfalls will Real-Sprecher Markus Jablonski nicht machen. „Wir können keine sicherheitsrelevanten Informationen geben.“ Ein Grund: Trittbrettfahrer sollen erst gar nicht ermutigt werden. Die Geldtransportfirma setzte eine Belohnung von 20 000 Euro aus.

Warum sich die drei Ex-Terroristen für ihren Coup gerade den Real-Markt in dem rund 3100-Einwohner zählenden Groß Mackenstedt, dem westlichsten Ortsteil der Gemeinde Stuhr bei Bremen, aussuchten, ist unklar. Doch sicher dürfte bei der Fluchtplanung die Anbindung eine Rolle gespielt haben. Der Markt liegt am Autobahnkreuz Stuhr und keine 200 Meter von der Auffahrt zur Autobahn 1 entfernt. Von dort geht es nach Hamburg und nach Osnabrück. In unmittelbarer Nähe kann man auf der A 28 nach Oldenburg und Delmenhorst abzweigen.

Die Real-Filiale in Groß Mackenstedt ist eine von deutschlandweit 300 und mit rund 6500 Quadratmeter Verkaufsfläche ein mittelgroßer Markt. Der Überfall geschah damals vor dem Parkplatz zwischen den Parkbereichen „E“ und „D“. Augenzeugen erinnern sich, dass der Fluchtwagen hinter dem Realmarkt über das Warenannahmegelände wegfuhr.

An der gegenüberliegenden Shell-Tankstelle hat man auch schon im Radio die Nachricht gehört, dass es sich bei den Tätern möglicherweise um Ex-RAF-Terroristen handeln könnte. „Wir haben damals nichts mitbekommen. Aber vielleicht waren die ja auch hier und haben was gekauft“, sagt eine Verkäuferin im Tankstellen-Shop, wo LKW-Fahrer Kaffee trinken oder ein Brötchen essen. Aber selbst wenn, hätte sie die Gesuchten nicht erkannt. „Die sind ja nun auch ein bisschen älter geworden.“

Einen terroristischen Hintergrund der Tat vermutet die Polizei indes nicht. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sie allein der Finanzierung des Lebens im Untergrund dienen sollte. Möglicherweise war aber Groß Mackenstedt nicht die letzte Station des Trios. Denn die Polizei hat Hinweise, dass die drei Beschuldigten am 28. Dezember vorigen Jahres an einem in Wolfsburg begangenen Überfall auf einen Geldtransporter beteiligt gewesen sein könnten.

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