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Polizei untersucht Warnhinweise zu Bergsturz

Unglück in der Schweiz Polizei untersucht Warnhinweise zu Bergsturz

Meterhoch liegen die Felstrümmer im Bondasca-Tal, unter ihnen wohl die acht verschollenen Wanderer. Waren die Vermissten ausreichend gewarnt, als sie zu ihrer Tour aufbrachen? Die Polizei ermittelt.

Eine nach dem Unglück gesperrte Straße in Graubünden.

Quelle: Gian Ehrenzeller/keystone

Bondo. Der riesige Felssturz mit acht nach wie vor verschollenen Bergwanderern in der Schweiz hat polizeiliche Ermittlungen zur Folge. Am Samstag hatten die Behörden die Suche nach den Vermissten - unter ihnen vier Deutsche - aufgegeben.

Nun prüfen die Ermittler, ob die Touristen ausreichend gewarnt waren: „In dem Zusammenhang wird besonders der Frage nachgegangen, ob genug auf die Naturgefahren hingewiesen wurde“, sagte Polizeisprecherin Sandra Scianguetta der Deutschen Presse-Agentur.

„Die Staatsanwaltschaft ist informiert, und die Ermittlung wird von der Polizei durchgeführt“, erläuterte die Sprecherin der Kantonspolizei Graubünden in Chur. Die Bürgermeisterin des besonders betroffenen Ortes Bondo hatte zuvor eine Mitverantwortung zurückgewiesen. Das Dorf habe alles getan, um Todesfälle infolge von Erdrutschen zu verhindern, sagte Anna Giacometti am Samstag.

Die Gemeinde Bregaglia, zu der Bondo gehört, habe eine Menge Geld ausgegeben, um das Bondasca-Tal mit Warnschildern und Auffangbecken für herabstürzendes Geröll abzusichern. „Was passiert ist, tut natürlich sehr weh, aber ich denke, wir haben alles Menschenmögliche getan“, sagte sie.

Die Einsatzkräfte stellten ihre Suche nach den Vermissten - vier Deutschen aus Baden-Württemberg, zwei Schweizern und zwei Österreichern - ein, weil der Bergrutsch vom Mittwoch die Touristen unauffindbar verschüttet haben dürfte. „Man hat alles Mögliche ausgeschöpft, um diese Vermissten zu finden“, sagte Polizeisprecherin Scianguetta zu der Entscheidung vom Samstag. „Man hat jetzt entschieden, dass die Suche nach den Vermissten aufgegeben wird.“

Zudem sei die Suche auch für die Einsatzkräfte höchst gefährlich - am Freitag war erneut ein Felssturz niedergegangen. „Man muss auch die Retter schützen, damit es nicht noch mehr Opfer gibt“, sagte Scianguetta.

In dem völlig verwüsteten Gebiet waren am Mittwoch etwa vier Millionen Kubikmeter Fels zu Tal gedonnert und hatten sich im Tal viele Meter hoch aufgetürmt. „Ein Felssturz in dieser Größenordnung ist laut Auskunft der Fachleute mit einer Geschwindigkeit von rund 250 Stundenkilometern unterwegs“, sagte der regionale Polizeisprecher Roman Rüegg in Bondo.

Die vermissten Wanderer waren von dem Felssturz am 3369 Meter hohen Piz Cengalo überrascht worden. Mehr als 100 Rettungskräfte hatten das Tal, das sich von dem Berg nach Bondo schlängelt, nach ihnen abgesucht. Die Schweizer Polizei lud die Familien der Vermissten ein, sich in Bondo ein Bild von der Lage zu machen.

Fachleute hatten vor dem zweiten Bergsturz gewarnt, der am Freitag zu Tal ging. Der Geologe Andreas Huwiler vom Graubündner Amt für Wald und Naturgefahren schloss weitere Murgänge nicht aus. „Die größte Gefahr ist, wenn es in der Gegend mehrere Tag lang heftig regnet oder gewittert“, sagte er der „Neuen Zürcher Zeitung“ vom Samstag. „Unter diesen Umständen rechnen wir mit weiteren Murgängen.“

Auch wenn so große Bergstürze wie am Mittwoch sehr selten vorkommen, sind Experten sicher, dass der Klimawandel die Steinschlaggefahr in den Alpen erhöht. Der Fels wird instabil, wenn Permafrost auftaut und Gletscher zurückgehen. Beides haben Forscher des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos seit Jahren dokumentiert.

dpa

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