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Polizei zerschlägt mutmaßliche Terrorzelle

Berlin Polizei zerschlägt mutmaßliche Terrorzelle

Die Polizei kommt einer mutmaßlichen Terrorzelle auf die Schliche - und schlägt zeitgleich in drei Bundesländern zu. Ein Berliner Touristenmagnet war offenbar als Anschlagsziel im Gespräch.

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Polizisten bei der Razzia in Berlin einen mit einem Tuch verdeckten Verdächtigen ab.

Quelle: Paul Zinken

Berlin. Vier Anhänger der Terrormiliz IS haben womöglich einen Anschlag in der deutschen Hauptstadt geplant.

Ihr Vorhaben wurde im Frühstadium durchkreuzt, konkrete Anschlagsziele waren noch nicht ausgekundschaftet. Die mutmaßliche islamistische Terrorzelle wurde am Donnerstag bei einer groß angelegten Razzia von Hunderten Polizisten in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zerschlagen.

Ermittelt wird gegen vier Algerier im Alter zwischen 26 und 49 Jahren wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, wie die Polizei in Berlin mitteilte. Es gab drei Festnahmen.

„Es geht um mögliche Anschlagsplanungen für Deutschland - konkret für Berlin“, sagte der Sprecher der Berliner Ermittlungsbehörde, Martin Steltner, der Deutschen Presse-Agentur. Die Sicherheitslage in der Hauptstadt habe sich aber nicht verändert, sagte ein Polizeisprecher.

Nach dpa-Informationen aus Sicherheitskreisen hatten sich die verdächtigen Islamisten in abgehörten Telefonaten über mögliche Anschlagsziele in Berlin unterhalten. Demnach sollen die Männer auch beraten haben, ob der „Checkpoint Charlie“ im Stadtzentrum ein lohnenswertes Angriffsziel sein könnte. Der frühere Grenzkontrollpunkt zwischen Ost und West ist ein Touristenmagnet.

Eine Verbindung zu den Terrorwarnungen an Silvester in München oder zur Absage eines Fußball-Länderspiels in Hannover im November sei derzeit nicht zu erkennen, hieß es in Sicherheitskreisen. Auch konkrete Hinweise auf geplante Anschläge gegen Karnevalsumzüge gab es bei den Behörden nicht. In Sicherheitskreisen wurde ein solcher Zusammenhang aber auch nicht ausgeschlossen.

Nach dpa-Informationen hatte einer der Verdächtigen, der bei einer Durchsuchung in Hannover angetroffen, aber nicht festgenommen wurde, Verbindungen zu belgischen Islamisten. Der 26-Jährige sei vor wenigen Wochen mindestens einmal in die Brüsseler Gemeinde Molenbeek gereist, hieß es in Sicherheitskreisen. Dort gelebt hatte auch der getötete mutmaßliche Drahtzieher der islamistischen Anschläge in Paris vom 13. November, Abdelhamid Abaaoud.

Als Hauptverdächtiger gilt ein 35-Jähriger, der am Donnerstagmorgen in einem Flüchtlingsheim in Attendorn im Sauerland festgenommen wurde - begründet wurde die Festnahme aber nicht mit möglichen Anschlagsplänen. Ob dies daran lag, dass zu diesem Verdachtsmoment bis dato nicht genügend Beweismaterial vorlag, blieb zunächst offen.

In dem Heim wurde auch die 27 Jahre alte Ehefrau des Verdächtigen festgenommen. Beiden wird von algerischen Behörden Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen. Sie waren mit internationalen Haftbefehlen gesucht worden, die nun von deutscher Seite vollstreckt wurden, wie ein Sprecher der Berliner Polizei sagte. Die Frau sei im Fall der mutmaßlichen Anschlagsplanung in Berlin keine Beschuldigte, gelte aber als mögliche Kontaktperson.

Der 35-jährige Hauptverdächtige, der wahrscheinlich auch militärisch ausgebildet und laut Polizei im syrischen Kampfgebiet gewesen ist, kam nach dpa-Informationen über die sogenannte Balkanroute nach Bayern und wurde dort als Flüchtling registriert. Nach ersten Hinweisen auf Anschlagspläne sei der Mann dann in Nordrhein-Westfalen ausfindig gemacht worden.

In Berlin festgenommen wurde ein 49-jähriger Algerier - auch er aber nicht wegen der mutmaßlichen Anschlagsplanungen. Laut Polizei lag gegen ihn ein Haftbefehl wegen Urkundenfälschung vor. Ein weiterer Verdächtiger wurde in Berlin angetroffen, jedoch nicht festgenommen. Beide Männer leben und arbeiten schon länger in der Hauptstadt.

Der Arbeitsplatz des einen Verdächtigen, ein Backshop am Berliner Alexanderplatz, wurde durchsucht. Konkrete Hinweise auf den bekannten Platz im Stadtzentrum als Anschlagsziel gebe es aber nicht, betonte Polizeisprecher Stefan Redlich. Bei den Durchsuchungen seien weder Waffen noch Sprengstoff gefunden worden.

Die mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle hatten verschlüsselt kommuniziert und unter großer Geheimhaltung verdeckt operiert, wie die dpa aus Sicherheitskreisen erfuhr. Ein Bezug ins Bürgerkriegsland Syrien habe sich bei wochenlangen Ermittlungen ergeben. Um den Jahreswechsel herum hätten sich die Erkenntnisse gegen die Männer verdichtet. Demnach wollte die Gruppe in Berlin zusammenkommen, um Attentate vorzubereiten.

Zuletzt gestaltete sich das Abhören ihrer Telefonate aber nicht mehr ergiebig, wie die dpa aus Sicherheitskreisen erfuhr. Demnach gab es dabei in den vergangenen Tagen keine weiteren Informationen, die Erkenntnisse im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Anschlagsplänen erhärtet hätten. Möglicherweise hätten die Verdächtigen geahnt, dass sie überwacht wurden. Zudem hätten sie ihre Kommunikationsmittel ständig gewechselt und unter anderem auch Mobiltelefone weggeworfen.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte, die Bedrohungslage durch militante Islamisten bleibe hoch. „Wir haben weiterhin allen Grund, wachsam und vorsichtig zu sein.“ Ein konsequentes Vorgehen gegen die Islamistenszene sei geboten - vor allem, wenn es um mögliche IS-Bezüge geht.

Das Berliner Landeskriminalamt leitete die Aktion der zeitgleichen Durchsuchungen. Rund 450 Beamte stellten Computer, Mobiltelefone und Aufzeichnungen sicher. Die Beweismittel sollten nun ausgewertet, die Festgenommenen einem Haftrichter vorgeführt werden.

dpa

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