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Brennpunkte RAF-Terroristen möglicherweise an weiterem Überfall beteiligt
Nachrichten Brennpunkte RAF-Terroristen möglicherweise an weiterem Überfall beteiligt
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19:23 19.01.2016
Die undatierten Handouts des Bundeskriminalamtes zeigen die gesuchten Ex-RAF-Terroristen Burkhard Garweg (v.l.), Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette. Sie werden zur dritten RAF-Generation gerechnet. Sie werden nach einem Raubüberfall in Niedersachsen gesucht. Ihre genetischen Fingerabdrücke waren nach einem Überfall auf einen Geldtransporter am 6. Juni in Diepholz gesichert worden. Quelle: BKA/dpa
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Verden

„Aktuell liegen neue DNA-Analyseergebnisse vor“, teilte die Staatsanwaltschaft in Verden am Dienstag mit. Der Transporterfahrer konnte damals flüchten, die Räuber gingen leer aus.

Zuvor war bekanntgeworden, dass die Gesuchten höchstwahrscheinlich auch für einen missglückten Überfall im Juni auf einen Geldtransporter in Stuhr bei Bremen verantwortlich sind. Bei dem Überfall in Stuhr hatten drei Maskierte den gepanzerten Geldtransporter am helllichten Tag mit einem VW-Bulli blockiert und mit einem Schnellfeuergewehr auf den Transporter geschossen. Den Tätern gelang es aber nicht, ins Auto zu gelangen. Sie flüchteten ohne Beute in einem Ford „Focus“.

So sollen die Ex-RAF-Terroristen heute aussehen (Alterssimulationen).

Nach Jahrzehnten im Untergrund haben die drei gesuchten Linksterroristen der Roten Armee-Fraktion Spuren hinterlassen. Nach dem Überfall wurden die DNA-Spuren entdeckt, die jetzt den dreien zugeordnet wurden. Nun suchen die Ermittler die drei wegen des Verdachts des versuchten Mordes und schweren Raubes. Gegen sie liegen Haftbefehle vor, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

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Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe es nicht, teilte die Staatsanwaltschaft mit. „Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Tat allein der Finanzierung des Lebens im Untergrund dienen sollte.“

Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen die drei Verdächtigen seit Anfang der 90er Jahre wegen ihrer Mitgliedschaft in der RAF. Sie sollen unter anderem einen Sprengstoffanschlag im März 1993 auf die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt in Hessen verübt haben. Auch damals seien ihre DNA-Spuren gefunden worden.

Einem NDR-Bericht zufolge wurden Spuren der drei gesuchten RAF-Mitglieder auch nach einem Überfall 1999 in Duisburg auf einen Geldtransporter entdeckt, der nach ähnlichem Muster verlief.

Vorläufer der RAF war die nach dem Kaufhaus-Brandstifter Andreas Baader und der Journalistin Ulrike Meinhof benannte Baader-Meinhof-Gruppe. Nach der Studentenrevolte der 1960er Jahre konzentrierte diese „erste Generation“ ihre Gewalttaten bis 1972 vor allem auf US-Einrichtungen. Als der „harte Kern“ hinter Gittern saß, setzte die „zweite Generation“ die Terrorserie fort.

Danach formierte sich eine „dritte Generation“ der RAF mit einer namentlich kaum bekannten „Kommando-Ebene“. Auf ihr Konto sollen mehrere Morde gehen - etwa an dem MTU-Vorstandschef Ernst Zimmermann (1985), dem Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts (1986), dem Bonner Spitzendiplomaten Gerold von Braunmühl (1986), Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991). Bis heute wissen die Ermittler nicht, wer die Täter waren.

dpa

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