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Rechte Kameraden - da waren es schon drei

Affäre um Franco A. Rechte Kameraden - da waren es schon drei

Die Affäre um den Soldaten Franco A. zieht immer weitere Kreise. Der 28-jährige Oberleutnant war alles andere als ein Einzeltäter - und der festgenommene Maximilian T. wohl weit mehr als nur ein Mitwisser.

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Außenansicht der Kaserne des Jägerbataillons 291 in Illkirch bei Straßburg. Hier war der terrorverdächtige Oberleutnant Franco A. stationiert.

Quelle: Patrick Seeger

Berlin/Kehl. Was als bizarre Affäre um einen Soldaten begann, sieht mittlerweile nach einem perfiden Plan eines rechtsextremen Netzwerks bei der Bundeswehr aus. Der eine lässt sich als falscher Flüchtling registrieren - der andere deckt sein Fehlen.

Der dritte, ein Student, hortet Munition der Bundeswehr. Die drei überlegen sich, wen sie töten wollen, verfassen eine Liste. Ganz oben stehen Namen wie Joachim Gauck und Heiko Maas. Die Tat wollen sie laut Bundesanwaltschaft einem Flüchtling in die Schuhe schiebe, damit die Deutschen sich bedroht fühlen.

Die Affäre um den rechtsextremen Soldaten Franco A. zieht immer weitere Kreise. Am Dienstag wird der 27-jährige Maximilian T. nach einem Verhör durch den Militärischen Abschirmdienst (MAD) als ein weiterer mutmaßlicher Komplize festgenommen. Franco A. und der Student Mathias F. sitzen bereits in U-Haft.

Bislang wurde das Wort „Netzwerk“ im Zusammenhang mit der Affäre nur mit Vorsicht benutzt. Nun verdichten sich die Anzeichen, dass die Gruppe weit mehr war als nur ein Kreis rechter Kameraden. Die jungen Männer hatten Zugang zu Waffen, schmiedeten düstere Pläne, sind nach Ansicht der Bundesanwaltschaft hochgefährlich. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann spricht gar von einer „Terrorzelle“ - und von einer „Riesen-Blamage“ für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Nach der Festnahme von Franco A. gerieten vier weitere Soldaten aus seinem Umfeld ins Visier der Ermittler, drei aktive Offiziere und ein Reservist der Bundeswehr, der in Österreich lebt. Einer der Offiziere ist Maximilian T.. Sein Name schwirrte bereits seit einer Woche durch die Medien. Warum er erst jetzt festgenommen wurde, ist unklar.

Die Bundesanwaltschaft hält ihn aber für eine Schlüsselfigur in der bizarren Geschichte, der seit Tagen die Truppe wie die Politik in Aufruhr versetzt. Maximilian T. kommt wie Franco A. aus Hessen, er ist ebenfalls Oberleutnant, ein Jahr jünger. Beide dienten zusammen in der zweiten Kompanie des Jägerbataillons 291 im elsässischen Illkirch.

Maximilian T. soll vor allem Autor einer Todesliste sein. Darin soll er Prominente und Politiker als mögliche Anschlagsopfer sogar nach Kategorien angeordnet haben. Unter Kategorie A listet er Justizminister Heiko Maas und Ex-Bundespräsident Joachim Gauck auf.

Jeder in dem Triumvirat hatte offenbar eine klar definierte Aufgabe. Franco A. lässt sich als Flüchtling registrieren, obwohl er kein Wort Arabisch spricht. Er sollte den Anschlag ausführen, glaubt die Bundesanwaltschaft, damit ein islamistisches Attentat vortäuschen und den Verdacht auf Flüchtlinge lenken. Maximilian T. hilft ihm den Ermittlern zufolge bei seiner Tarnidentität als falscher Flüchtling. So habe er dessen Abwesenheit vor Vorgesetzten mit falschen Angaben entschuldigt.

Der Student Mathias F. aus Offenbach hortet Munition aus Bundeswehrbeständen bei sich in der Wohnung. Tausend Schuss unterschiedlicher Kaliber finden die Ermittler bei ihm. Die hat er wohl von Franco A., der sie bei Schießübungen der Bundeswehr nach und nach abzwackte. Am Ende fliegen die Männer auf, weil sie eine Waffe, Kaliber 7,65 mm, am Wiener Flughafen verstecken.

Wie die Ermittlungen um den Rest der Gruppe stehen, ob es weitere Festnahmen geben wird, bleibt unklar. Die Affäre bringt auch die Truppe in Verruf. Franco A. fiel bereits vor längerer Zeit mit fremdenfeindlichen Einstellungen auf - unter anderem durch eine rassistische Masterarbeit und durch Wehrmachtsdevotionalien auf seiner Stube. Das hatte in der Truppe keine Folgen für ihn.

Auch Maximilian T. war auffällig. Der MAD ermittelte bereits im September 2015 gegen den Oberleutnant. Er wollte einen Kameraden alkoholisiert in einer Disko für „Aktionen gegen Ausländer“ anwerben, wie der „Spiegel“ schreibt. Doch es gab demnach keine Zeugen, Aussage stand gegen Aussage, die Ermittlungen verliefen im Sand. Wurde weggeguckt?

Von der Leyen steht unter Druck wie nie. Sie hat rigorose Aufklärung versprochen, setzt derzeit alle Hebel in Bewegung, um weiteren rechtsextremen Umtrieben in der Truppe ein Ende zu setzen. Vergangene Woche flog sie nach Illkirch, bestellte zudem 100 Admirale und Generäle in den Berliner Bendlerblock. Derzeit werden alle Kasernen in einer internen Razzia nach Andenken an die Wehrmacht - etwa Stahlhelme oder Gewehre - durchsucht.

dpa

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