Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
„Refugees Welcome“: Botschaft an Flüchtlinge ist Anglizismus 2015

Berlin „Refugees Welcome“: Botschaft an Flüchtlinge ist Anglizismus 2015

„Flüchtlinge“ ist Wort des Jahres, „Gutmensch“ Unwort des Jahres - und auch der Anglizismus 2015 greift die Flüchtlingspolitik auf. Die Jury spricht von einer „selbstbewussten Antwort“ auf rechte Parolen.

Voriger Artikel
„Refugees Welcome“ ist Anglizismus des Jahres
Nächster Artikel
23-Jährige nach Konsum von „Legal Highs“ außer Lebensgefahr

Während einer Protestaktion gegen das AFD-Dreikönigstreffen in Stuttgart tragen Demonstranten ein Banner mit der Aufschrift „Refugees Welcome!“.

Quelle: Christoph Schmidt/archiv

Berlin. Eine politische Parole zur Flüchtlingspolitik ist zum Anglizismus des Jahres bestimmt worden: „Refugees Welcome“ (Flüchtlinge willkommen).

„Mit "Refugees Welcome" überwand die deutsche Sprachgemeinschaft einerseits die unmittelbare Sprachbarriere zu den Flüchtlingen und signalisierte andererseits fast nebenbei Weltoffenheit“, teilte die vierköpfige Jury um den Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch mit. Auf den Plätzen folgten die Wortendung „-(e)xit“, etwa in „Grexit“, sowie das Verb „spoilern“.

Der Ausdruck „Refugees welcome“ ist den Angaben zufolge bereits in den 1990er Jahren entstanden, im vergangenen Jahr aber zu „einer selbstbewussten Antwort auf das althergebrachte "Ausländer raus" des rechten Lagers“ geworden. Zahlreiche Twitter-Nutzer hatten den Slogan etwa in ihr Profilbild integriert, um sich für einen offenen Umgang mit Flüchtlingen stark zu machen; auf Demonstrationen und auch in einigen Fußballstadien waren Banner mit dem Schriftzug zu sehen. Wie einflussreich der Slogan ist, zeige aber auch, dass konservative Kritiker ihn aufgriffen - auf einigen rechten Demos werden Banner mit „Refugees Not Welcome“ hochgehalten.

Neben der gewichtigen Rolle in der Diskussion um das deutsche Selbstverständnis gegenüber Flüchtlingen überzeugte die Jury auch, dass nicht nur ein Wort, sondern eine ganze Aussage dem Englischen entlehnt wurde, wie es in der Begründung hieß. Bei Firmen-Slogans sei das eine bekannte Praxis. „Dass aber die Sprachgemeinschaft von sich aus einen solchen Slogan entdeckt und übernimmt, ist selten.“

Die Endung „-(e)xit“ wurde vor allem im Zusammenhang mit der Finanzkrise in Griechenland bekannt. Als „Grexit“ wurde das Szenario eines Ausstiegs des Landes aus der Euro-Währungszone bezeichnet. Das Stilmittel wurde auf mehrere Länder übertragen, etwa auf Großbritannien, das mit einem Referendum den „Brexit“, den Rückzug aus der Europäischen Union, herbeiführen könnte. Und im vergangenen Sommer fragte der Journalist Stefan Schirmer angesichts des islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses und Rechtsextremismus in Sachsen auf „Zeit Online“: „Wird es nicht Zeit für einen Säxit – den Austritt der Sachsen aus der Bundesrepublik?“

Von „spoilern“ ist die Rede, wenn jemand wichtige Inhalte eines Buchs oder Films vorab verrät und anderen so den Spaß an der Geschichte nimmt. Im Englischen ist für eine solche unerwünschte Information das Hauptwort „spoiler“ gebräuchlich, abgeleitet vom Verb „to spoil“ (verderben). Dass im Deutschen das Nomen zum Verb gemacht wurde, spreche für eine aktive Integration der englischen Sprache - und gegen eine hilflose Überflutung des Deutschen, hieß es.

Die Initiative „Anglizismus des Jahres“ würdigt seit 2010 den Beitrag des Englischen zum deutschen Wortschatz. Im Vorjahr war die Wahl auf das Wort „Blackfacing“ gefallen, das die als rassistisch kritisierte Praxis bezeichnet, wenn Schwarze von geschminkten Weißen dargestellt werden. Zuvor waren meist Begriffe aus der Netzwelt wie „Shitstorm“ gekürt worden.

In den vergangenen Wochen waren bereits zwei weitere Ausdrücke aus der Flüchtlingsdebatte hervorgehoben worden: Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) machte „Flüchtlinge“ zum Wort des Jahres. Wenig später wurde „Gutmensch“ von einer Jury um die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich zum „Unwort“ gewählt, weil das Schlagwort Hilfsbereitschaft als dumm diffamiere.


Anglizismus des Jahres
Ergänzung fürs Twitter-Profilbild
Kommentar von Stefan Schirmer auf Zeit Online

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brennpunkte
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den November 2016.

Sollten die Weihnachtsmärkte länger geöffnet haben?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kreuzwort

Auch online wartet täglich ein neues Rätsel auf Sie. Jetzt rätseln!

Sudoku

Bleiben Sie geistig aktiv – mit japanischem Gehirnjogging.