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Riesenschiff in der Elbe kommt schwer wieder frei

Hamburg Riesenschiff in der Elbe kommt schwer wieder frei

Die „CSCL Indian Ocean“ ist das größte Schiff, das jemals in der Elbe gestrandet ist. Nun liegt der Containerriese auf Grund und es wird schwierig, ihn wieder in Fahrt zu bringen.

Hamburg. Hamburg hat eine neue Touristenattraktion. Der 400 Meter lange Containerfrachter „CSCL Indian Ocean“ liegt unweit des Fähranlegers Lühe im Alten Land in der Elbe auf Grund, an der Grenze zur Hansestadt.

Die Straßen rund um den Anleger waren zugeparkt und Hunderte von Neugierigen machten Selfies von sich und dem Schiff. Der Anleger ist im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel, es gibt dort Bierstände, Bratwurst- und Fischbuden. Am Wochenende ist ein weiterer unerwarteter Winteransturm am Elbstrand zu erwarten. Auch am gegenüberliegenden Nordufer der Elbe trafen sich Dutzende von Schaulustigen am Deich.

Viel zu sehen ist eigentlich nicht. Das Tankschiff „Dresden II“ liegt an der Backbordseite des Containerriesen, dessen Schweröl- und Dieseltanks leergepumpt werden. Das soll das Schiff leichter machen, um es aus seinem Sandbett ziehen zu können. „Das bringt nur leider nicht viel“, sagt der Hamburger Schifffahrtsexperte Lutz Ehrhardt, der in diesem Fall auch für die betroffene Reederei China Shipping spricht.

Die „CSCL Indian Ocean“ ist eines der größten Containerschiffe der Welt und hat rund 10 000 Boxen geladen. Das Gewicht von Schiff und Ladung lässt sich nur schätzen, weil nicht bekannt ist, ob die Container etwa mit Tischtennisbällen oder mit schweren Ersatzteilen gefüllt sind und wie hoch der Anteil der Leercontainer ist. Mindestens 200 000 Tonnen Gesamtgewicht dürften aber eine realistische Schätzung sein. Mit dem Abpumpen wird es nur 2000 bis 3000 Tonnen leichter.

Sieben Schlepper mit insgesamt 37 000 PS und 465 Tonnen Zugkraft, die stärksten im Hamburger Hafen, haben es nicht geschafft, das Riesenschiff wieder freizubekommen. Jede Menge Experten, Nautiker und Techniker rätseln und rechnen jetzt, wie sie vorgehen sollen. Zuletzt richteten sich die Hoffnungen auf die nächste Woche.

Am Montag ist Neumond, und dann läuft die Flut 30 bis 40 Zentimeter höher auf. Der Mond ist verantwortlich für Ebbe und Flut, und er zieht bei Springtide mehr und bei Nipptide weniger Wasser in die Elbe.

Wegen der Strömung drückt sich das Schiff immer tiefer in den Sand. Sollten die nächsten Versuche ebenso erfolglos bleiben wie die ersten beiden, dann müsste ein Teil der Container entladen werden, mindestens 1000. Das wäre eine Premiere auf der Elbe, echtes Neuland.

Noch nie ist ein so großes Schiff gestrandet. Die Container stehen in 50 oder 60 Meter Höhe. Ein großer Schwimmkran könnte sie auf eine schwimmende Insel, einen sogenannten Ponton, ein Transportschiff ohne Motor, eine Barge, oder aber ein kleineres Containerschiff umladen. Einen Kran mit 70 Meter Hakenhöhe gibt es aber in Hamburg nicht. Er müsste zunächst aus Rotterdam herbeigeholt werden. „Das ist eine sehr spezielle Herausforderung“, sagte ein Experte einer Bergungsfirma. Die einfachste Lösung sei es, eine Hubinsel, wie sie zum Beispiel beim Bau von Offshore-Windparks verwendet wird, die Elbe hinaufzuschleppen.

Dann gibt es immer noch genug Probleme, etwa die Verankerung im fließenden Gewässer, ohne den Schiffsverkehr auf der Elbe zu beeinträchtigen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, ein zweites Schiff mit einem eigenen Ladegeschirr längsseits der „CSCL Indian Ocean“ zu legen. Das wären allerdings meistens recht kleine Schiffe, die vielleicht die Container gar nicht erreichen können.

Auf einem Schiff sind die leichtesten Container oben gestapelt, werden also zuerst entladen. Um mindestens 1000 Container, so die Schätzungen, müsste das Riesenschiff erleichtert werden. Das dauert auf jeden Fall mehrere Tage, je nachdem, wie schnell das nötige Equipment herbeigeschafft werden kann. Für die Reederei und ihre Kunden, deren Ladung an Bord ist, bedeutet jeder Tag Verzug hohe Verluste. Der bislang entstandene Schaden ist noch nicht zu beziffern, geht aber auf jeden Fall bereits in den zweistelligen Millionenbereich.

dpa

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