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Schorndorf nach Krawallnacht verunsichert

Skandal um Volksfest Schorndorf nach Krawallnacht verunsichert

Auf einmal spricht ganz Deutschland über einen 40 000-Einwohner-Ort bei Stuttgart: Sexuelle Übergriffe auf zwei junge Frauen sowie Angriffe gegen Polizisten aus einer großen Gruppe lösen Empörung aus. Während manche Besucher weiter feiern, reagieren andere nachdenklich.

Blick auf das Stadtfest „Schorndorfer Woche“: Am späten Samstagabend war es am Rande des Events zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen.

Quelle: Christoph Schmidt

Schorndorf. Über dieses Volksfest spricht plötzlich ganz Deutschland. Auf einer Bühne hüpfen kleine Mädchen in Mäusekostümen, Menschen trinken ein kühles Getränk auf den Bierbänken - auf der „Schorndorfer Woche“ herrscht am Montagnachmittag friedliche Gelassenheit.

Nichts deutet darauf hin, dass die idyllische Fachwerkstadt in der Nähe von Stuttgart während des Stadtfests zum Schauplatz von Krawallen und sexuellen Übergriffen geworden ist.

Polizei und Oberbürgermeister hatten am Morgen in einer Pressekonferenz von Gewalt gegen Polizisten aus einer Gruppe von etwa 1000 jungen Leuten heraus in der Nacht zum Sonntag berichtet. Zudem kam es laut Polizei zu sexuellen Übergriffen auf eine 17-Jährige und eine 25-Jährige. Ermittelt wird gegen drei verdächtige Afghanen und einen Iraker. Schnell werden Erinnerungen an die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht wach. Oberbürgermeister Matthias Klopfer hält dem entgegen, dass vor allem Schüler gefeiert hätten. Erst nachdem erste Auseinandersetzungen begonnen hatten, seien mehr Migranten gekommen.

Die Vorfälle lassen in Schorndorf niemanden kalt, fremdenfeindliche Parolen fallen im Gespräch mit den Einwohnern aber nicht. Die Stadt mit 40 000 Einwohnern hat 700 Flüchtlinge aufgenommen. Nach Angaben des Veranstalters des im Volksmund „SchoWo“ genannten Events, Jürgen Dobler, ist Schorndorf hervorragend aufgestellt in Sachen Integration. Die Stadt präsentiert sich als interkulturell. Ende 2015 hatte mehr als jeder achte Bürger eine andere Staatsangehörigkeit als die deutsche.

Bei einigen herrscht nun aber Verunsicherung: Eine 36-Jährige, die auf dem Fest mit ihrer Mutter zu Gast ist, sagt, dass sie einen abendlichen Besuch jetzt noch mehr meiden werde als zuvor. „Da fließt der Alkohol“, gibt sie als Grund an. Der enthemme die Menschen und verstärke schlechte Charaktereigenschaften.

Der Aalener Polizeipräsident Roland Eisele hatte Alkohol schon zuvor in Bezug auf die Übergriffe als „Gewalttransmitter“ beschrieben. Ein 19-Jähriger, der als Helfer an einer Getränkebude arbeitet, sieht es ähnlich. Besonders schlimm sei, dass schon Minderjährige zur Flasche greifen. Die negativen Nachrichten, die jetzt kursieren, beschädigten das Image der Kleinstadt, ist er überzeugt.

Man solle die Kirche im Dorf lassen, meint hingegen eine andere Besucherin des Festes. Auf großen Volksfesten wie dem „Stuttgarter Wasen“ gebe es doch auch Scharmützel - über die werde aber nicht berichtet, sagt die junge Erzieherin. Für die belästigten Frauen sei das Erlebte sicher dramatisch. Sie wolle sich aber nicht ins Bockshorn jagen lassen und weiter mit ihrer Freundin auch abends das Stadtfest genießen: „Warum sollte ich mich einschüchtern lassen?“

Eine 27-Jährige, die sich mit ihrem Baby im Schatten ausruht, ist skeptischer. Sie wolle nur noch in Gruppen mit Männern feiern gehen, sagt sie und fügt hinzu: „Man guckt sich die Leute im Gedränge schon genauer an.“ Angesprochen darauf, dass Flüchtlinge der sexuellen Übergriffe beschuldigt werden, sucht sie nach Erklärungen. Die Männer seien von Langweile und Frust geplagt. Sie müssten noch lernen, dass die Frauen in Deutschland die gleichen Rechte genießen wie die Männer. Ein 65-Jähriger, Vater zweier Töchter, sagt nur: „Das ist eine Sauerei.“

Veranstalter Dobler, selbst in der Flüchtlingshilfe tätig, hofft, dass die Ereignisse die Integration in Schorndorf nicht zurückwerfen. In einer Kleinstadt könne man nur in gutem Miteinander weiterleben. Der Werbekaufmann warnt vor Stigmatisierung wegen der Herkunft. „Es gibt Gute und Böse in allen Nationalitäten“, sagt Dobler.

dpa

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