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Schüsse aus Polizeiwaffe treffen Polizistin in den Kopf

Auf S-Bahnhof bei München Schüsse aus Polizeiwaffe treffen Polizistin in den Kopf

Großeinsatz an einem S-Bahnhof nahe München: Ein Mann entreißt einem Polizisten die Dienstwaffe und schießt dessen Kollegin in den Kopf. Wie er es schaffen konnte, die Waffe zu lösen - es ist unklar.

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Polizisten am S-Bahnhof in Unterföhring bei München.

Quelle: Peter Kneffel

Unterföhring. Mit einer Polizeiwaffe hat ein Mann am S-Bahnhof Unterföhring nahe München eine junge Beamtin in den Kopf geschossen und lebensgefährlich verletzt. Die Beamtin schoss ebenfalls, auch der Täter wurde verletzt.

Er feuerte jedoch noch das Magazin der Waffe leer, dabei erlitten zwei Passanten einen Arm- und einen Beinschuss. Der 37 Jahre alte Mann wurde festgenommen.

Gegen den Verdächtigen sei Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragt worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Florian Weinzierl. Der 37-jährige Deutsche sei bisher nur einmal wegen des Besitzes einer geringen Menge Cannabis aufgefallen, das Verfahren war eingestellt worden.

Der Mann war zuvor an einer Schlägerei in der S-Bahn beteiligt gewesen. Fahrgäste in der gut besetzten S-Bahn auf der Flughafen-Linie Richtung München alarmierten die Polizei. Jemand wollte ein Messer gesehen haben - das allerdings hinterher nicht gefunden wurde.

Zunächst war es dennoch ein Routineeinsatz. Es gebe Hunderte solcher Fälle, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä. Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins sagte, Schlägereien seien nicht selten, lediglich der Werktag und die frühe Uhrzeit seien eher untypisch.

Am Bahnhof begann der Streifenbeamte, den Fall aufzunehmen - da griff ihn der 37-Jährige an, versuchte, ihn ins Gleisbett zu schubsen. Das konnte der Beamte verhindern. „Danach ist eine Rangelei am Boden entstanden“, sagte der Polizeisprecher. Dabei gelangte der Täter an die Pistole des Polizisten. Dessen Kollegin schoss auf den 37-Jährigen, dieser wiederum auf die 26 Jahre alte Frau, sie wurde am Kopf getroffen und schwebte in Lebensgefahr.

Die Dienstwaffe sei bei der bayerischen Polizei zwar zweifach im Holster - einer speziellen Tasche - gesichert, zudem gebe es eine Handballensicherung, sagte Andrä. Sie sei aber stets geladen. Der Mann konnte sämtliche Sicherungsvorrichtungen überwinden. Ob er sich damit auskannte oder dies ein „Zufallstreffer“ war, werde noch geklärt, sagte Andrä.

Nach dem Schusswechsel feuerte der Mann das Magazin leer, warf die Waffe weg und floh. Kräfte der Münchner Polizei und der Bundespolizei stellten ihn kurz darauf an einem Bürogebäude. Er hatte keinen Wohnsitz in Deutschland, über einen möglichen Wohnsitz im Ausland war zunächst nichts bekannt.

Die Polizei hatte die Lage danach eigenen Angaben zufolge rasch unter Kontrolle. 200 Kräfte waren im Einsatz unter anderem mit Spezialeinsatzkommandos und Hubschrauber. Die Beamten sperrten den S-Bahnhof ab und informierten über Twitter die Öffentlichkeit.

Nach dem Vorfall waren zahlreiche Einsatzfahrzeuge in der Bahnhofstraße. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Beamte sicherten das Gelände. Mitarbeiter der Spurensicherung waren am Tatort.

Über den Bahnhof Unterföhring fährt die S-Bahn-Linie 8, eine der beiden Möglichkeiten mit der Bahn zum Münchner Flughafen zu kommen. Die Strecke war auch am Nachmittag noch gesperrt. Fluggäste auf dem Weg zum Airport oder in die Stadt mussten auf die S1 ausweichen, die in einem anderen Bogen im Nordwesten Innenstadt und Flughafen verbindet.

Vor gut einem Jahr hatte ein Amokläufer am S-Bahnhof Grafing - ebenfalls im Münchner Speckgürtel gelegen - einen Menschen getötet und drei verletzt. Der zur Tatzeit 27-Jährige gilt als psychisch krank und daher als schuldunfähig. Der Mann hatte am frühen Morgen des 10. Mai 2016 wild um sich gestochen.

Die Standardbewaffnung der Polizisten in Bayern, die vermutlich auch bei dem Schusswechsel in München zum Einsatz kam, ist derzeit die „P7“ vom Hersteller Heckler & Koch. Es handelt sich dabei um eine halbautomatische Pistole mit einem achtschüssigen Magazin.

Grundsätzlich tragen die Polizisten im Einsatz ihre Waffen doppelt gesichert. So ist die „P7“ zunächst im Trageholster befestigt, eine spontane Entnahme durch einen Laien gilt als kaum möglich, da ein bestimmter Entsicherungsgriff nötig ist, wie ein Polizeisprecher erläuterte. Außerdem ist die Waffe selbst auch noch gesichert. Die „P7“ verfügt dabei nach Angaben des Sprechers über eine besondere Sicherung, die einem normalen Täter nicht auffällt. Eine Nutzung im Affekt durch einen Laien soll damit ausgeschlossen werden.

dpa

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