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Schwierige Landung: Europa sieht Marsmission als Teilerfolg

Stundenlang keine Daten Schwierige Landung: Europa sieht Marsmission als Teilerfolg

Keine Signale vom Mars: Europas und Russlands historische Landung auf dem Roten Planeten läuft schwieriger ab als gehofft. Was bedeutet das für das Milliardenprojekt ExoMars?

Darmstadt/Moskau. Trotz großer Probleme bei der Marslandung werten europäische Raumfahrtexperten zwei heikle Manöver ihres ExoMars-Projekts als Teilerfolg.

Eine weiche Landung der Sonde „Schiaparelli“ sei zwar nicht bestätigt, sagte Jan Wörner, Chef der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, am Donnerstag im Kontrollzentrum in Darmstadt. Aber: „Wir haben die Daten, wir haben Testergebnisse - ich bin sehr froh.“ Zudem betonte er, dass parallel zum Landeanflug des Testmoduls am Mittwoch ein Satellit erfolgreich seine Umlaufbahn um den Mars erreicht habe. „Das ist ein großer Erfolg.“

Mit dem Milliardenprojekt ExoMars suchen die Esa und ihr russischer Partner Roskosmos nach Spuren von Leben auf dem Wüstenplaneten. In einer ersten Phase des Programms hatten die Raumfahrtbehörden am 14. März „Schiaparelli“ und den Satelliten „Trace Gas Orbiter“ (TGO) auf die 500 Millionen Kilometer lange Reise zum Mars geschickt.

„Schiaparelli“ sollte am Mittwochabend in einem automatisch gesteuerten Manöver die Oberfläche erreichen. Nach der programmierten Ankunftszeit gab es stundenlang keine Daten von der Sonde. Später trafen über den Esa-Satelliten Mars Express Signale ein, die die Wissenschaftler in einer Nachtschicht mühsam auswerten mussten.

„Der Lander hat sich nicht verhalten wie wir es erwartet haben“, räumte Andrea Accomazzo von der Esa ein. In den letzten 50 Sekunden vor dem geplanten Aufsetzen auf der Oberfläche habe „Schiaparelli“ keine Signale mehr gesendet. Dennoch habe das Modul Daten gesammelt. „Das ist das Wichtigste“, betonte Accomazzo. Es könne sein, dass der Lander zu schnell war, als er sich der Marsoberfläche näherte.

Das Testmodul hatte keine zentralen Forschungsaufgaben. Vielmehr wollte die Esa mit der 600 Kilogramm schweren Sonde für die zweite Phase von ExoMars 2020 die Landung üben. Auch Flugdirektor Michel Denis betonte, dies sei ein Test gewesen. „Wir werden daraus lernen. Ich sehe das nicht als Rückschlag“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Dennoch wiederholt sich damit das Schicksal einer Esa-Sonde auf dem Mars: Bereits 2003 erreichte „Beagle 2“ den Nachbarplaneten, sendete aber keine Signale.

Mit dem Satelliten TGO erreichten Esa und Roskosmos nach eigener Einschätzung indes einen wichtigen Meilenstein. „Sie können zwar sagen: Es gab keine weiche Landung und bisher keinen Kontakt. Aber wir haben einen funktionierenden TGO, mit dem wir forschen können“, sagte Wörner. TGO soll unter anderem nach Methan in der Atmosphäre suchen. Spuren des Gases könnten auf biologische Aktivität hinweisen.

Der Satellit war am Abend nach einem schwierigen Bremsmanöver in seine vorgesehene Flugbahn um den Mars eingeschwenkt. Wörner sagte, Europa und Russland hätten diesen Erfolg gemeinsam erreicht.

In vier Jahren ist in der zweiten Phase des ExoMars-Programms der Start eines Rovers zum Roten Planeten geplant. Dieser soll mit einem Bohrer in den Tiefen des Marsgesteins nach Spuren von organischem Leben suchen. TGO dient dabei unter anderem als Datenübermittler.

Zunächst war offen, welche Auswirkungen die holprige Landung auf die weitere Umsetzung von ExoMars haben wird. Die Esa-Mitgliedsstaaten müssen noch eine knapp 300 Millionen Euro große Finanzlücke stopfen.

Esa und Roskosmos sehen in ExoMars ein Beispiel für eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Westen und Russland trotz politischer Krisen und Konflikte. Von ExoMars erhoffen sich die Forscher in Europa und Russland auch Impulse für neue Gemeinschaftsprojekte wie etwa bei der Erkundung des Mondes.

dpa

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