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Brennpunkte Sexuelle Übergriffe in Berlin: Zahl der Anzeigen gestiegen
Nachrichten Brennpunkte Sexuelle Übergriffe in Berlin: Zahl der Anzeigen gestiegen
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20:34 17.05.2016
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Berlin

Beim Berliner Straßenfest Karneval der Kulturen sind mindestens acht Frauen von Männergruppen bedrängt und sexuell genötigt worden. Das teilte die Polizei mit. Die Zahl der Opfer liegt damit deutlich höher als zunächst bekannt.

Erstmals äußerte sich die Polizei auch zu einem gemeinsamen Merkmal der mutmaßlichen Täter: „Alle Frauen beschrieben die Täter als junge Männer mit südländischem Aussehen“, sagte am Dienstag Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Einige Frauen seien deutlich verstört gewesen oder hätten geweint, als sie sich bei der Polizei meldeten.

Die Vorfälle ereigneten sich laut Polizei an allen Abenden des langen Pfingstwochenendes von Freitag bis Montag. Täglich waren bei dem Kreuzberger Fest Zehntausende Menschen unterwegs. Die Polizei hält es für möglich, dass sich noch weitere Opfer melden.

Mindestens vier verdächtige Männer seien bisher bekannt, so die Polizei. Zwei polizeibekannte 17-jährige Jugendliche mit türkischer Nationalität und einen 14-jährigen Jugendlicher nahm die Polizei bereits am Samstag fest. Der 14-Jährige habe vermutlich eine deutsche Nationalität und eine ausländische Herkunft. Verdächtig ist außerdem ein 40-jähriger Türke.

Sieben weitere Verdächtige wurden bei dem Fest wegen Trickdiebstählen mit Hilfe des sogenannten Antanzens ohne sexuelle Nötigung festgenommen. Zudem wurden elf weitere mutmaßliche Diebe gefasst. Diese 18 Verdächtige haben laut Polizei aber nichts mit den sexuellen Übergriffen zu tun.

Die Taten erinnern an die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht. Dort waren über Stunden hinweg zahlreiche Frauen von Männern, die Zeugen zufolge zumeist aus Nordafrika stammten, sexuell belästigt, bedrängt und bestohlen worden.

Die betroffenen Frauen in Berlin sind zwischen 16 und 48 Jahre alt. Einige hätten ausgesagt, sie seien mit mehreren Freundinnen unterwegs gewesen, denen das Gleiche passiert sei, sagte Neuendorf.

Die Opfer sagten aus, dass sie beim Tanzen vor einer Bühne von je einer Gruppe von etwa zehn Männern angetanzt, eingekreist und bedrängt worden seien. Hätten Frauen versucht, vor der Gruppe zu fliehen, seien sie immer wieder zurückgezogen worden. Die Männer fassten die Frauen demnach an der Brust, am Po oder im Schritt an. Körperliche Verletzungen erlitt nach Angaben der Polizei keine Frau.

Ein Vorfall, bei dem eine 17-Jährige und eine 18-Jährige am Samstagabend bedrängt und bestohlen wurden, wurde schnell bekannt, weil die Polizei einschritt und dazu eine Pressemitteilung am Sonntag herausgab. Ein 16 Jahre altes Opfer vom Freitagabend meldete sich erst am Samstag über seine Mutter bei der Polizei.

In beiden Fällen hatten Männer von außen eingegriffen und die Frauen befreit. Ein 27-Jähriger filmte und griff ein, obwohl ihn die Täter aggressiv verscheuchen wollten. Der Film soll ausgewertet werden. Über den Freitagabend sagte ein Polizeisprecher: „Ein Zeuge hat sich eingemischt und ist sehr resolut dazwischen gegangen und hat gesagt: „Ich rufe die Polizei“ und so die Situation gerettet.“

Andere Frauen wandten sich an den folgenden Abenden direkt an Polizisten. Zwei Frauen gaben Anzeigen erst am Ende des Wochenendes übers Internet ab, offenkundig nach ersten Berichten in den Medien.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) verurteilte die sexuellen Übergriffe: „Dieses erniedrigende und frauenverachtende Vorgehen ist ebenso abstoßend wie kriminell.“ Er forderte weitere mögliche Opfer dringend auf, sich bei der Polizei zu melden.

Henkel erklärte, das Phänomen der sogenannten Antänzer habe in Deutschland deutlich zugenommen. „Die Berliner Polizei nimmt dieses Problem sehr ernst und hat bereits am 1. April 2016 eine sechsköpfige Ermittlungsgruppe „Antänzer“ gegründet.“

Unterscheiden muss man nach Einschätzung der Polizei zwischen dem reinen „Antanztrick“ von organisierten Taschendieben, mit dem Opfer abgelenkt und bestohlen werden sollen und der Belästigung, Bedrängung und Erniedrigung von Frauen durch größere Männergruppen, bei der es vorrangig nicht um Diebstahl geht - auch wenn nebenbei gestohlen wird. Allerdings gebe es Überschneidungen und Vermischungen zwischen den Tätergruppen.

dpa

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