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Sorge im Vatikan: Benedikt und die schwindenden Kräfte

«Letzte Phase meines Lebens» Sorge im Vatikan: Benedikt und die schwindenden Kräfte

Fünf Jahre nach seinem spektakulären Rücktritt mehren sich die Sorgen um den Gesundheitszustand von Ex-Papst Benedikt. Plötzlich ist von Sterbestunde und Tod die Rede. Der 90-Jährige spricht vom letzten Wegstück.

Der ehemalige Papst Benedikt XVI. bereitet sich nach seinen eigenen Worten auf den Tod vor.

Quelle: Gregorio Borgia/ap

Vatikanstadt. Die schwindenden Kräfte bewegten Benedikt XVI. 2013 zu einem dramatischen Schritt. Fünf Jahre nach seinem Rücktritt richten sich die Augen wieder auf den 90-Jährigen.

Er äußert sich, andere äußern sich - und all das schmälert die Sorgen um den Gesundheitszustand des emeritierten Papstes nicht, ganz im Gegenteil. Die Rede ist von Sterbestunde, posthumen Überraschungen.

Benedikt selbst war es, der vergangene Woche Spekulationen anheizte. Nach seinen eigenen Worten bereitet er sich auf das Ende vor. „Während meine physischen Kräfte langsam schwinden, pilgere ich innerlich nach Hause“, schrieb das frühere Kirchenoberhaupt in einem Brief an die italienische Zeitung „Corriere della Sera“. Das letzte Wegstück sei bisweilen anstrengend, heißt es darin. Es berühre ihn, wie viele Menschen wissen wollten, „wie ich die letzte Phase meines Lebens verbringe“.

Einblick in seine Zurückgezogenheit hinter den Vatikan-Mauern haben nur wenige. Seit seinem völlig unerwarteten Rücktritt im Februar 2013 lebt der gebürtige Bayer im Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten. Von dort aus hat er einen herrlichen Blick auf die prächtige Kuppel des Petersdoms.

Dort betet er, empfängt Besucher. An seiner Seite ist Privatsekretär Georg Gänswein, der noch im Oktober Gerüchte um den angeblich schlechten Gesundheitszustand als „fake news“ zurückwies. Mit seinen 90 Jahren gehe es Benedikt gut, betonte Gänswein.

Als Benedikt vor zehn Monaten gut 50 Gäste auf dem Platz vor dem Haus im Vatikan zu seinem runden Geburtstag empfing, wirkte er recht rüstig. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer kam, es gab Bier und ein Gläschen Likör. Ein weiß-blaues Fest für den Jubilar, dessen Gang vielleicht wacklig, die Stimme belegt und die Augenlider schwer waren. Doch Benedikt war klar - und sein Wille groß, annähernd zwei Minuten im Stehen eine Rede zu halten. Auf Fotos, die in den darauffolgenden Monaten veröffentlicht wurden, machte er einen gebrechlichen Eindruck. Bei einem Sturz zog er sich ein blaues Auge zu.

„Mein Bruder und ich werden immer weniger. Immer schwächer“, sagte Benedikts Bruder Georg Ratzinger in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der „Neuen Post“. Mittlerweile müsse Benedikt immer wieder auf den Rollstuhl zurückgreifen. Sein Bruder habe eine „Nervenkrankheit, die ihn sehr belastet. Die größte Sorge ist, dass die Lähmung irgendwann aufs Herz gehen könnte. Und dann kann es schnell vorbei sein.“ Er bete für „eine gute Sterbestunde“ für sich und seinen Bruder.

In den vergangenen Monaten war der 94-Jährige stets darauf bedacht gewesen zu betonen, dass es seinem Bruder gut gehe. Dass ihm das Gehen und Lesen schwerer fallen, sei lediglich auf das hohe Alter zurückzuführen. Geistig sei er aber voll auf der Höhe.

Am 11. Februar 2013 hatte Joseph Ratzinger nach seinem knapp acht Jahre langen Pontifikat den Kardinälen völlig überraschend eröffnet, nicht länger Papst sein zu können. „Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben“, sagte er damals. Am 28. Februar legte er das Amt nieder, als erster Papst seit mehr als 700 Jahren.

Der Schritt schockierte, viele zollten ihm aber auch Respekt für seine Entscheidung. Benedikt wies stets zurück, dass Intrigen Anlass für seinen Rücktritt gewesen seien. Doch einfach waren die letzten Monate seines Pontifikats nicht. Die Vatileaks-Affäre deckte Korruption und Missmanagement im Vatikan auf. Dubiose Praktiken bei der Vatikanbank schien Benedikt nicht mehr im Griff zu haben. Kritiker werfen ihm bis heute vor, im Hintergrund von Franziskus als eine Art „Schattenpapst“ zu agieren. Andere sind der Ansicht, es seien die Gegner von Franziskus, die dessen Vorgänger im Kampf gegen den Reformkurs instrumentalisieren.

Der kanadische Kardinal Marc Ouellet war dabei, als Benedikt vor fünf Jahren die lateinischen Worte verlas. „Ich hatte an diesem Morgen den Eindruck, dass irgendetwas passieren würde“, sagte Ouellet „Vatikan News“. Benedikt sei lebenslang ein Theologe. „Er hat weiter nachgedacht. Ich glaube, es könnte da einige posthume Überraschungen aus der Feder Benedikts XVI. geben, zur Erbauung der Kirche.“ Doch geht es nach Ouellet, wird bis dahin noch einige Zeit vergehen. „Ich glaube nicht, dass sein Tod unmittelbar bevorsteht.“

dpa

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