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Brennpunkte Verletzte und aggressive Stimmung in Chemnitz
Nachrichten Brennpunkte Verletzte und aggressive Stimmung in Chemnitz
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22:13 27.08.2018
Nach dem verhängnisvollen Streit in der Chemnitzer Innenstadt in der Nacht zu Sonntag mit einem Todesopfer und zwei Verletzten endet das Stadtfest vorzeitig. Quelle: Sebastian Willnow
Chemnitz

Bei Protesten rechter und linker Demonstranten in der Chemnitzer Innenstadt sind am Montagabend mindestens zwei Menschen verletzt worden.

Die Polizei wollte nicht ausschließen, dass sich Zahl der Betroffenen noch erhöht. Zur Schwere der Verletzungen lagen der Polizeidirektion Chemnitz zunächst keine Angaben vor. Es seien Feuerwerkskörper und Gegenstände geworfen worden, hieß es. Teilnehmer berichteten von einer aggressiven Stimmung.

Anlass des Protestes und einer Gegendemonstration waren gewalttätige Ausschreitungen am Wochenende am Rande des Stadtfestes in Chemnitz. Dabei war ein 35 Jahre alter Deutscher durch Messerstiche getötet worden, zwei weitere Menschen erlitten schwere Verletzungen. Gegen einen 23 alten Syrer und einen 22 Jahre alten Mann aus dem Irak wurde am Montag Haftbefehl wegen Totschlages erlassen. Die Bluttat wurde Auslöser für fremdenfeindliche Ausschreitungen in der Stadt bereits am Sonntag.

An den Demonstrationen am Montagabend nahmen mehrere Tausend Menschen teil. Die Polizei versuchte mit einem Großaufgebot die von Rechten dominierte Protestveranstaltung und eine vom Bündnis „Chemnitz nazifrei“ organisierte Veranstaltung zu trennen. Auch Vermummte wurden gesichtet. Nach Berichten von Augenzeugen im Internet kam es wiederholt zu Versuchen, die Kette der Polizisten zu durchbrechen. Die Polizei hatte unter anderem Wasserwerfer auffahren lassen. Am Abend lösten sich beide Demonstrationen auf.

Rechte Übergriffe in aller Öffentlichkeit: Sachsen stand wegen Nazi-Krawallen häufig in den Schlagzeilen. Eine Auswahl:

HEIDENAU, August 2015: Ein rechtsradikaler Mob randaliert vor einem zum Flüchtlingsquartier umgerüsteten Baumarkt. Drei Nächte in Folge kommt es zu Ausschreitungen. Steine, Flaschen und Böller fliegen auf Polizisten. 30 Beamte werden verletzt.

LEIPZIG, Januar 2016: Hooligans und Rechtsextreme überfallen mit Äxten, Eisenstangen und Holzlatten den links-alternativen Stadtteil Connewitz. Menschen flüchten aus Angst in Häuser und Bars.

CLAUSNITZ, Februar 2016: Ein aufgebrachter Mob blockiert einen Bus mit Flüchtlingen. Der Einsatz der Polizei, die Migranten gewaltsam aus dem Bus holt, sorgt für heftige Kritik.

BAUTZEN, Februar 2016: Fremdenfeinde bejubeln den Brand in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft - und behindern die Löscharbeiten.

POLENZ, Juni 2016: Bei einem Volksfest attackieren drei Rechtsradikale zwei Bulgaren und einen Deutschen mit rumänischen Wurzeln. Ein Gericht bescheinigt den Tätern eine „fremdenfeindliche und menschenverachtende Gesinnung“. Der Hauptangeklagte muss für fast zehn Jahre hinter Gitter.

BAUTZEN, September 2016: 80 Rechte und 20 Flüchtlinge gehen mit Flaschen und Steinen aufeinander los. Rechtsextreme vertreiben die Migranten und verfolgen sie bis zur Unterkunft. Laut Polizei ging die Gewalt zunächst von den Flüchtlingen aus.

dpa

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