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Sprengsatz im Auto: Toter war polizeibekannt

Berlin Sprengsatz im Auto: Toter war polizeibekannt

Am frühen Morgen explodierte in Berlin-Charlottenburg ein Wagen und tötete den Fahrer. Der von dem Sprengsatz getötete Autofahrer war wegen diverser Kriminaldelikte auffällig geworden.

Quelle: Paul Zinken/dpa

Berlin. Die Szenerie erinnert an Terroranschläge der 1970er Jahre. Auf der Straße liegen kleinere Trümmer eines Autos. Daneben steht ein zerstörter Wagen. Darin starb 43-Jähriger mit krimineller Vergangenheit, als am frühen Morgen ein Sprengsatz hochging. Die Berliner Polizei hat Absperrungen aufgebaut, Sanitäter eilen umher, Reporter sprechen in ihre Mikrofone. Schräg gegenüber der Deutschen Oper im Westen Berlins wird am Dienstag aber schnell klar: Die Polizei schließt einen Terroranschlag aus.

Auf einer Straße in Berlin ist am Dienstagmorgen mitten im Berufsverkehr ein fahrendes Auto durch einen Sprengsatz explodiert.

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Die Tat gehe „vermutlich“ auf das Konto von organisierten Kriminellen, sagt ein Polizeisprecher. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) äußert sich schnell: „Nach dem bisherigen Ermittlungsstand war es wohl ein gezielter Anschlag auf einen einzelnen Menschen und kein Terroranschlag. Der Hintergrund war wohl nicht politisch.“

Ob Drogenkartelle oder Rockerbanden beteiligt sind, können die Ermittler am Dienstag noch nicht sagen. Das unmittelbare Geschehen lässt sich aber aus den Berichten der Polizei und den Erzählungen eines Augenzeugen rekonstruieren.

Der 43-Jährige, den die Polizei wegen Delikten mit Drogen, Falschgeld und Glücksspiel kennt, fährt seinen silbernen Wagen gegen 7.50 Uhr auf der achtspurigen Bismarckstraße Richtung West-Berliner Innenstadt. Dann zündet eine Sprengladung, die laut Staatsanwaltschaft unter dem Wagen angebracht wurde.

Der 18 Jahre alte Schüler Yunus Özkan erzählt später, wie er ebenfalls Auto fuhr, als er plötzlich einen Knall hörte und eine Druckwelle von vorne spürte. Dann habe er eine Rauchwolke gesehen. „Ich hoffe, sowas erlebe ich nicht noch einmal“, sagt er, immer noch geschockt.

Die junge Kellnerin einer Pizzeria, die etwa hundert Meter entfernt liegt, erzählt: „Wir wohnen hier nebenan und haben geschlafen. Wir sind von einem großen Knall aufgewacht und haben uns sehr erschreckt. Die Katze ist fast an die Decke gesprungen.“

Das fahrende Auto wird durch die Explosion nach rechts geschleudert, kracht gegen einen parkenden Wagen und rollt dann noch etwa 30 oder 40 Meter weiter, wie ein Sprecher der Berliner Polizei sagte. „Der Fahrer wurde schwer verletzt und starb dann noch am Ort.“

Sehr groß kann die Sprengstoffmenge nicht gewesen sein. Zwar werden die Türen und Fenster des Autos zum Teil aufgesprengt, aber der Wagen wird nicht komplett auseinandergerissen.

Schon früh kommt der Verdacht auf, dass es um eine Auseinandersetzung von kriminellen Banden geht. Am Tatort erscheint ein Oberstaatsanwalt, der sich auch mit dem Bereich der Organisierten Kriminalität befasst.

Am Mittag bestätigt Polizeisprecher Michael Merkle: „Die Vermutung geht in die organisierte Kriminalität. In welche Richtung genau, kann ich ihnen noch nicht sagen.“ Hoch über ihm in der Luft surrt eine Drohne der Polizei und fotografiert den Tatort.

Merkle sagt weiter: „Ob der Mann selber Ziel dieses Anschlags war, können wir auch noch nicht sagen. Es ist also durchaus möglich, dass vielleicht doch jemand anders gemeint war, aber er im Auto saß.“ Die Ermittlungen würden sich jetzt „natürlich auf das Umfeld des Mannes“ konzentrieren.

Berlin erlebt immer wieder Gewaltausbrüche zwischen verfeindeten Banden, etwa aus dem Drogenhandel oder dem Rotlichtmilieu. Manches wird intern geregelt, vieles aber auch in der Öffentlichkeit. Im vergangenen Sommer gab es eine Schießerei auf einer Straße ebenfalls in der Innenstadt im Westen Berlins, bei der eine unbeteiligte Spaziergängerin von einer Kugel getroffen wurde. Eine ganze Reihe von Angeklagten aus dem Rockermilieu steht wegen mehrerer Morde vor Gerichten.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, die Polizei ermittele jetzt „mit Hochdruck in alle Richtungen“. „Das, was hier passiert ist, hat eine erhebliche Dimension.“

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