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Syrer stellen Terrorverdächtigen

Flucht-Ende im Plattenbau Syrer stellen Terrorverdächtigen

Elitepolizisten ist er entwischt. Nach zwei Tagen endet die Flucht des mutmaßlichen Terroristen Dschaber al-Bakr in einem Leipziger Plattenbau. Diesmal ist er schon gefesselt, als Beamte ihn abholen.

Leipzig. Vom Schirm der Sicherheitsbehörden verschwunden, der Polizei entwischt: Nach zwei Tagen europaweiter Fahndung ist Dschaber al-Bakr, ein syrischer Flüchtling unter Terrorverdacht, gefasst.

Zu verdanken ist das dem mehrsprachigen Aufruf der Polizei bei Facebook und Twitter und drei beherzten Landsleuten. „Der Tatverdächtige ist uns in gefesseltem Zustand übergeben worden“, sagt der Präsident des sächsischen Landeskriminalamtes (LKA), Jörg Michaelis, in Dresden. Wenige Stunden zuvor haben Polizisten den 22-Jährigen, der ein Sprengstoffattentat vorbereitet haben soll, in einer Wohnung im Plattenbauviertel Leipzig-Paunsdorf abgeholt. Was war geschehen?

Kurz vor Mitternacht kommt ein Syrer in das Polizeirevier Südwest am anderen Ende der Stadt. Er zeigt ein Handyfoto von einem Mann in seiner Wohnung, den er und ein Freund für den gesuchten Dschaber al-Bakr halten, wie Mohammed A. bei RTL erzählt. Wenig später holen Polizisten den Gesuchten in der fast 20 Kilometer entfernten Straße ab, noch bevor das SEK eintrifft.

Der Terrorverdächtige, dessen Festnahme zwei Tage zuvor in Chemnitz missglückte, leistet keinen Widerstand. Dschaber al-Bakr wird in die Polizeidirektion Leipzig gebracht. Die Ermittler sind sicher: Er ist es. Wo sich der Syrer seit Freitag aufgehalten hat, können sie bisher nicht sagen.

Auch zu den Umständen seiner Flucht aus dem DDR-Neubaugebiet in Chemnitz geben die Behörden keine Auskunft. Bis Freitag soll er sich dort noch in einer Wohnung aufgehalten haben. Als die am Samstag von Spezialeinsatzkräften gestürmt wird, ist sie leer. Und die Ermittler sind nicht sicher, ob er der Mann war, der zuvor aus dem Haus gekommen und nach einem Warnschuss geflüchtet war. Al-Bakr war im Februar 2015 über München nach Deutschland gekommen.

Wie Mohammed A. erzählt, hat der 22-Jährige ihn am Leipziger Hauptbahnhof gefragt, ob er bei ihm übernachten könne. Als er dann den Fahndungsaufruf im Internet sah, holte er einen Freund und sie fesselten Al-Bakr mit einem Stromkabel. Die Polizei habe am Telefon zunächst nicht verstanden, dass sie den Terrorverdächtigen haben. So wurde Mohammed A. losgeschickt, um ihren „Fang“ mit einem Foto zu beweisen.

Die Polizei hatte den Fahndungsaufruf am Samstag auch auf Englisch und Arabisch im Internet verbreitet. „Solche wie er müssen aus dem Verkehr gezogen werden“, sagt ein Nachbar aus dem Erdgeschoss am Morgen danach über Al-Bakr. Der Mann, selbst Syrer, kannte die Bewohner aus der obersten Etage vom Sehen. Der Einsatz in der Nacht hat die Menschen im Plattenbauviertel aufgeschreckt, obwohl Polizei dort häufiger präsent ist.

Der kreisende Helikopter um Mitternacht raubt nicht nur einer älteren Dame den Schlaf geraubt, sie wohnt im Block gegenüber. „Es ist eigentlich eine ruhige Wohngegend hier, Probleme gibt es meist nur mit Betrunkenen“, erzählt sie. Auch die Kinder des Syrers aus dem Erdgeschoss sind von dem Lärm aufgewacht. „Ich hab nachgeschaut, was los ist, und viel Polizei gesehen.“

Es sei schlimm, wenn ein Flüchtling Anschläge in Deutschland verüben wolle, meint der Asylbewerber. Solche Leute seien verrückt. „Ich bin froh, dass wir hier sein dürfen, in Sicherheit“, schiebt er noch in gebrochenem Deutsch hinterher.

Al-Bakr wollte sich freikaufen. „Wir haben gesagt, Du kannst uns so viel Geld geben wie Du willst, wir lassen Dich nicht frei“, erzählt Mohammed A. am Abend im Fernsehen. „Ich war total wütend auf ihn. So etwas akzeptiere ich nicht - gerade hier in Deutschland, dem Land, das uns die Türen geöffnet hat.“

„Wir sind froh, dass nicht alle Ausländer gleich sind“, sagt ein älteres Ehepaar im Vorbeigehen. Diese Syrer wären ein Gewinn für Deutschland, finden sie. Wie sie schauen Anwohner, die mit dem Hund unterwegs sind oder Müll entsorgen, über das rot-weiße Absperrband der Polizei. Zwei Männer im Nachbareingang beobachten vom Fenster aus, wie Ermittler ein- und ausgehen. An einem Fenster unter dem Dach von Hauseingang 14 hängt eine deutsche Fahne.

„Wir sind geschafft, aber überglücklich“, feiert die Polizei in einem Tweet gut sechs Stunden nach Mitternacht die Festnahme des als gefährlich eingestuften al-Bakr. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) lobt den „mutigen und verantwortungsbewussten syrischen Mitbürger“, Innenminister Markus Ulbig (CDU) ist zurückhaltender. Die Syrer, die Dschaber al-Bakr den Ermittlern übergaben, gelten derzeit als Zeugen. Wie sie in Kontakt zu dem 22-Jährigen kamen, wird laut LKA noch untersucht. Unklar ist auch, wie sie zueinander stehen.

dpa

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