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Syrien-Angriff überschattet Treffen von Trump und Xi

Analyse Syrien-Angriff überschattet Treffen von Trump und Xi

Eigentlich waren die Blicke der Welt nach Florida gerichtet: Zum ersten Mal trafen US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi zusammen, unter Palmen. Es kam anders. Der US-Angriff in Syrien ist auch eine Botschaft an China und Nordkorea.

US-Präsident Donald Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping im Anwesen des Präsidenten in Mar-a-Lago.

Quelle: Alex Brandon

Palm Beach/Peking. Die Stimmung scheint freundlich zu sein. Es gibt einen Handshake für die Fotografen. Donald Trump und Xi Jinping sitzen nebeneinander an einer festlich gedeckten Tafel. Es gibt Caesar Salad, kurz gebratene Seezunge, geröstete Kartoffeln, grüne Bohnen und Karotten.

Das ist am Donnerstagabend nach 19.00 Uhr (Ortszeit), im Anwesen des US-Präsidenten in Mar-a-Lago in Florida. Wenig später, gegen 20.40 Uhr, beschießen die USA auf Befehl von Oberbefehlshaber Trump einen Flugplatz in Syrien. Trump und seine wichtigsten Minister und Sicherheitsberater befinden sich zu diesem Zeitpunkt laut US-Medien in Mar-a-Lago in einem „sicheren Raum“.

Das mit Spannung erwartete Treffen von Trump mit dem chinesischen Staats- und Parteichef in Florida ist auf einen Schlag von den aktuellen Entwicklungen überholt worden. Trump tritt noch am Abend vor die Kameras und begründet den Angriff. Er gibt erneut Syriens Präsident Baschar al-Assad die Schuld am mutmaßlichen Giftgasanschlag. „Es war ein langsamer und brutaler Tod für so viele.“ Das Schlachten in Syrien müsse beendet werden. „Gute Nacht. Gott segne Amerika und die ganze Welt.“

Die Augen der Weltöffentlichkeit richten sich danach nicht mehr auf den ersten Gipfel von Trump und Xi Jinping. Obwohl die beiden wichtige, schwierige Themen besprechen: Es geht um Handelsstreitigkeiten zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt und um den Nordkorea-Konflikt. Das Verhältnis ist belastet.

Die Regierung des kommunistischen Landes hatte zuletzt mehrfach mit neuen Raketentests provoziert. Um das nordkoreanische Atomprogramm zu bremsen, wollen die USA die Chinesen stärker in die Pflicht nehmen.

Mitten in den Gesprächen aber senden die USA mit dem Militärschlag gegen Syrien eine unmissverständliche Botschaft: Trump fackelt nicht lange - und meint es mit Drohungen ernst. Dass die Marschflugkörper losflogen, während Xi Jinping erstmals mit ihm zusammenkam, kann Zufall gewesen sein - aber auch politische Absicht.

Der Angriff dürfte mit Sicherheit nicht im Interesse Pekings gewesen sein. Zum einen, weil China gute Beziehungen zu Russland und Syriens Staatschef Assad pflegt. Zum anderen, weil es gegen den Einsatz von Gewalt ist und auf diplomatische Lösungen pocht. „Wir fordern alle Seiten dazu auf, ruhig zu bleiben und die Probleme durch Dialog und politische Maßnahmen zu lösen“, sagte die Sprecherin des Außenamtes in Peking.

Die Militäraktion lässt Xi neben dem Präsidenten der Supermacht USA, die jederzeit und überall in der Welt militärisch zuschlagen kann, wenig ebenbürtig aussehen. Auffällig war, dass es nach dem Dinner in Mar-a-Lago mehrere Stunden dauerte, bis die Staatsagentur Xinhua ein paar allgemeine Worte von Xi Jinping aus Florida meldete - ohne überhaupt auf Syrien einzugehen. Chinas Staatschef wurde mit den Worten zitiert, er sei bereit, mit Trump zusammenzuarbeiten, um das Verhältnis „von einem neuen Ausgangspunkt“ voranzubringen.

Seit Jahrzehnten versuchen die USA - mal mehr, mal weniger diplomatisch - Nordkorea im Zaum zu halten. Ohne jeden Erfolg. Der junge Staatschef Kim Jong Un hat mehr Raketen testen lassen, als sein Vater und sein Großvater zusammengezählt. Trump braucht Verbündete. Er hat aber auch schon einen möglichen Alleingang gegen Nordkorea angedeutet. Der „Financial Times“ sagte er vor kurzem: „Wenn China (das Problem) Nordkorea nicht löst, werden wir es tun.“

Mit dem Angriff in Syrien deutet er nun auch an, dass er gegenüber Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm ebenfalls energisch durchgreifen könnte. So erhöht er den Druck auf Xi Jinping, die Schrauben gegenüber Pjöngjang enger zu ziehen. Als resoluter Oberkommandierender der US-Streitkräfte dürfte er sich den Respekt der Chinesen verschafft haben - auch mit Blick auf die Spannungen im Südchinesischen Meer, das Peking zum großen Teil für sich beansprucht und damit ein Urteil des internationalen Schiedsgerichts in Den Haag ignoriert.

In Mar-a-Lago versuchte es Trump mit einer Charmeoffensive. Gerade mal eine Stunde lang hatte er mit seinem chinesischen Gast gesprochen, da war er sich schon sicher, dass sich zwischen den beiden Männern eine Freundschaft entwickelt habe. Das spüre er.

dpa

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