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Syrien und Russland richten Hilfskorridore in Aleppo ein

Damaskus/Genf Syrien und Russland richten Hilfskorridore in Aleppo ein

Die humanitäre Lage in der umkämpften Rebellenhochburg Aleppo spitzt sich dramatisch zu: weite Teile der Stadt liegen in Trümmern. Syrien und Russland richten nun Hilfskorridore ein - doch selbst die Vereinten Nationen sind nicht eingeweiht.

Damaskus/Genf. Die syrische Führung und ihr Verbündeter Russland haben in der umkämpften Stadt Aleppo überraschend vier Korridore für humanitäre Hilfe eingerichtet.

Wie Aktivisten in der nordsyrischen Metropole der dpa bestätigten, warfen Hubschrauber am Donnerstag Flugblätter über den Rebellenvierteln ab. Darauf waren die Routen verzeichnet, über die Bewohner die Stadt verlassen könnten. Zudem seien in einigen Vierteln Lebensmittel und Windeln abgeworfen worden. Die UN wurden nach eigenen Angaben von der Ankündigung überrascht.

Wie der UN-Sonderbeauftragte für Syrien, Staffan de Mistura, in Genf sagte, wurde die Einrichtung der Hilfskorridore nicht mit den Vereinten Nationen abgesprochen. „Wir wurden nicht konsultiert“, sagte de Mistura. Man wolle daher vor einer Beurteilung weitere Informationen Russlands abwarten.

Es handele sich um eine humanitäre Operation, kündigte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu an. Wer die Stadt durch die Korridore verlasse, erhalte Essen und medizinische Hilfe, sagte er Agenturen zufolge. Die Bewohner der umkämpften Stadt seien jedoch skeptisch und derzeit noch zurückhaltend, berichtet der syrische Aktivist Mahmud al-Schami aus Aleppo. „Sie wollen, dass wir die Viertel verlassen und dann werden wir verhaftet“, befürchtet er. Der Aktivist hält die Aktion der Russen und des syrischen Regimes für reine Propaganda. Demzufolge sollen einige Viertel weiterhin unter Beschuss stehen.

Die humanitäre Situation in der Stadt ist nach Angaben von Menschenrechtsbeobachtern verheerend. Syrische Regierungstruppen und ihre Verbündeten hatten vor gut zwei Wochen die letzte Versorgungsroute in die Rebellenviertel im Osten Aleppos abgeschnitten. Es gebe kaum noch Brot, Milch, Obst und Gemüse, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mit. Auch Treibstoff sei knapp. Die Preise seien in den vergangenen Tagen noch einmal drastisch gestiegen. Große Teile der Stadt liegen in Trümmern. Die Vereinten Nationen schätzen, dass zwischen 200 000 und 300 000 Menschen in den Rebellenvierteln eingeschlossen sind.

Die EU warnte, dass die restlichen Vorräte an Lebensmitteln ohne einen schnellen Zugang für humanitäre Hilfe in den kommenden Wochen aufgebraucht sein könnten. „Aleppo könnte dann zur größten humanitären Tragödie in diesem Konflikt werden“, kommentierten die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und Krisenmanagement-Kommissar Christos Stylianides.

Die syrische Regierung hatte bereits am Mittwoch die Rebellen aufgefordert, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben. Syriens Machthaber Baschar al-Assad hat einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge den Aufständischen eine Amnestie angeboten, sollten diese ihre Waffen niederlegen. Die Option bestehe allerdings bereits seit Anfang des Krieges. „Es ist für alle eine gute Idee, die - aus welchen Gründen auch immer - zu den Waffen gegriffen haben, jetzt aber zu ihrem normalen Leben zurückkehren möchten“, sagte Assad.

Die Stadt im Norden des Landes ist seit Mitte 2012 geteilt und Schauplatz heftiger Kämpfe. Der Westen wird von Regierungstruppen gehalten, der Osten von Rebellengruppen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf dem syrischen Regime und Russland vor, international geächtete Streubomben eingesetzt zu haben. 47 Angriffe dieser Art dokumentierte die Organisation nach eigenen Angaben allein in den vergangenen zwei Monaten. Ein Großteil der Bombardements ereignete sich demnach in der Nähe von Aleppo.

dpa

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