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Tausende Syrer verlassen belagerte Orte

60 Busse mit 2300 Menschen Tausende Syrer verlassen belagerte Orte

Die Giftgasvorwürfe gegen Syrien beherrschen seit Tagen die internationale Debatte. Der Ton zwischen Washington und Moskau ist scharf.

Busse in Madaya. Nach einem Abkommen zwischen Regierungskräften und Rebellen verlassen Tausende Zivilisten und Kämpfer vier belagerte syrische Orte verlassen.

Quelle: Syrian Central Military Media

Damaskus/Moskau. Im Bürgerkriegsland Syrien haben Tausende Menschen nach einem Abkommen zwischen Regierung und Rebellen vier belagerte Orte verlassen. Die Opposition kritisierte dies als Zwangsevakuierung.

Zugleich legten Russland und die USA in ihrem Streit um den mutmaßlichen Giftgasangriff vom 4. April nach und übten scharfe gegenseitige Kritik.

Begleitet von Krankenwagen verließen am Morgen etwa 60 Busse mit rund 2300 Menschen die beiden von regierungstreuen Kräften belagerten Orte Madaja und Sabadani nahe der Grenze zum Libanon, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und regierungsnahe Medien berichteten. „Die Menschen sind traurig, aber sie hatten keine Wahl“, sagte der Aktivist Nahel Nur über Telefon der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist, als ließe man sein ganzes Leben zurück.“

Parallel hätten etwa 75 Busse rund 5000 Einwohner aus den von Rebellen belagerten Orten Fua und Kafraja gebracht, hieß es weiter. Die Evakuierung der Orte hatten Medien zufolge der Iran und Katar vermittelt.

International beherrschte der Streit zwischen Russland und den USA weiter die Debatte über den Syrien-Konflikt. US-Botschafter Kenneth Ward in Den Haag warf Syrien vor, noch immer Chemiewaffen zu besitzen und sie bewusst einzusetzen. Moskau unterstütze Syrien dabei, „die Wahrheit zu verbergen“ und schütze das Land vor den Konsequenzen, meinte Ward bei einer Sondersitzung der Organisation für das Verbot der Chemiewaffen (OPCW).

Die OPCW untersucht den mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz in Syrien. Die USA beschuldigen die Regierung in Damaskus, Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt zu haben. Bei dem Vorfall in der Provinz Idlib waren rund 80 Menschen getötet worden. Syrien und Russland weisen die Vorwürfe zurück. Der Westen habe für seine Anschuldigungen keine Beweise vorgelegt, hieß es aus dem Kreml.

Zur Klärung des Vorfalls sagte die Regierung in Damaskus der OPCW ihre Unterstützung zu. „Wir werden alles fördern, was zum Erfolg führt, einen objektiven Bericht zu ermöglichen“, sagte der syrische Außenminister Walid al-Muallim der Agentur Interfax zufolge.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf der OPCW mangelnde Objektivität vor. Auch der syrische Außenamtschef lehnte das Vorgehen entschieden ab, auf türkischem Gebiet Proben zu sammeln und nicht in Syrien selbst.

Lawrow holte beim Treffen mit seinen Kollegen aus Syrien und dem Iran in Moskau zum verbalen Gegenangriff auf Washington aus. Die US-Attacke sei darauf gerichtet gewesen, den Friedensprozess in Syrien zu stören und einen Machtwechsel herbeizuführen, sagte er. Als Reaktion auf den Giftgasangriff hatten die USA vergangene Woche einen syrischen Luftwaffenstützpunkt bombardiert.

Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Sigmar Gabriel appellierten an die USA und Russland, sich gemeinsam um eine politische Lösung in Syrien zu bemühen. „Es geht nicht anders, als Russland zurück an den Verhandlungstisch zu bekommen. Das ist die einzige Chance, die wir haben“, sagte Gabriel der Deutschen Welle.

dpa

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