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Terrorserie von Brüssel: Auch Deutsche unter den Verletzten

Brüssel Terrorserie von Brüssel: Auch Deutsche unter den Verletzten

Bei dem zweiten Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen handelt es sich um den im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesuchten Najim Laachraoui. Das bestätigten belgische Behörden. 

Quelle: Christophe Petit Tesson /dpa

Brüssel. Die Terrorserie von Brüssel geht nach belgischen Medienberichten auf das Konto eines Bruderpaars, das auch Verbindungen zu den Attentätern von Paris hatte. Mit Hilfe von Fingerabdrücken konnten die Ermittler die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui als Selbstmordattentäter identifizieren.

Der 27-jährige Khalid El Bakraoui verübte laut Staatsanwaltschaft den Anschlag in der U-Bahn; der 29-jährige Ibrahim war demnach einer der beiden Selbstmordattentäter am Flughafen. Beide sind Belgier und in Brüssel geboren. Sie waren der Polizei wegen einer Reihe von Delikten bekannt, standen aber nicht unter Terrorverdacht.

Bei dem zweiten Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen handelt es sich um den im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesuchten Najim Laachraoui. Das verlautete am Mittwoch aus Polizeikreisen in Brüssel. Nach belgischen Medienberichten ist der seit Tagen gesuchte Terrorverdächtige tot. Nach einem weiteren Mann wird noch gesucht.

Einer der Attentäter von Brüssel ist nach Angaben des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Jahr aus der Türkei ausgewiesen worden. Türkische Medien berichteten unter Berufung auf ungenannte Quellen im Außenministerium in Ankara, bei dem ausgewiesenen Terroristen habe es sich um Ibrahim El Bakraoui gehandelt. Der 29-Jährige hatte sich am Dienstag im Brüsseler Flughafen in die Luft gesprengt.

Die Türkei hat die belgischen Behörden nach Angaben von Staatspräsident  Erdogan vor einem der Attentäter von Brüssel gewarnt. Doch trotz des Hinweises, dass der Mann ein „ausländischer terroristischer Kämpfer“ sei, wurde er von den belgischen Behörden freigelassen, wie Erdogan am Mittwoch in Ankara sagte.

Belgische Medien berichteten am Mittwoch ein weiterer Tatverdächtiger sei von der Polizei bereits festgenommen worden. Andere Quellen widersprachen diesen Angaben aber.

Insgesamt starben bei der Terrorserie in der Europa-Stadt am Dienstag nach neuen Angaben mindestens 31 Menschen. Fast 260 wurden verletzt. Auch mehrere Deutsche sind bei den Anschlägen verletzt worden. Das Auswärtige Amt schloss am Mittwoch auch nicht mehr aus, dass Bundesbürger getötet wurden. Mindestens ein Mann mit deutscher Staatsbürgerschaft erlitt schwere Verletzungen.

Die Sender berichteten unter Berufung auf Polizeikreise, dass es sich bei den Selbstmord-Attentätern um das Bruderpaar Ibrahim und Khalid El Bakraoui handelt. Die beiden Brüder seien der Polizei bekannt, hätten aber nicht unter Terrorverdacht gestanden. Einer der beiden - Khalid - soll allerdings unter falschem Namen eine Wohnung angemietet haben, die zur Vorbereitung der Anschläge mit 130 Toten im November in Paris genutzt wurde.

Offiziell gab es dafür keine Bestätigung. Die Brüsseler Staatsanwaltschaft wollte sich aber im Lauf des Tags zu den Ermittlungen äußern. Nach einem weiteren Verdächtigen wurde mit Hochdruck gesucht.

Die für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister kommen am Donnerstag zu einem Sondertreffen zusammen, um über die Terroranschläge in Brüssel zu beraten. Nach früheren Angaben des niederländischen Justizministers Ard van der Steur hat Belgien um das Treffen gebeten. Ein ähnliches Sondertreffen hatte es nach den Anschlägen von Paris im vergangenen November gegeben.

Belgien im Ausnahmezustand:

Aus Sorge vor weiteren Anschlägen gilt in Belgien weiterhin die höchste Terror-Warnstufe. Spezialeinheiten durchsuchten bis weit in die Nacht Gebäude in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden in einer Wohnung eine Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sowie ein Sprengsatz mit Nägeln und chemische Substanzen gefunden. Die Terrormiliz hatte sich am Dienstag zu den Anschlägen bekannt.

Und auch das für Dienstag geplante Fußball-Länderspiel zwischen Belgien und Portugal ist abgesagt worden. Die Stadt Brüssel habe aus Sicherheitsgründen und als Vorsichtsmaßnahme darum gebeten, teilte der belgische Verband am Mittwoch mit.

Im ganzen Land gilt noch bis Karfreitag eine dreitägige Staatstrauer. Für den Mittag war eine landesweite Schweigeminute geplant. Aus Solidarität waren schon am Dienstagabend die Wahrzeichen vieler anderer Metropolen die Wahrzeichen in den Nationalfarben Belgiens angeleuchtet worden. Dazu gehörten auch das Brandenburger Tor in Berlin und der Eiffelturm in Paris.

In ganz Europa herrscht seit den Anschlägen Terrorangst. Vielerorts wurden Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die US-Regierung warnte ihre Bürger angesichts der jüngsten Anschläge vor Gefahren bei Reisen nach Europa. Mögliche Ziele von Attentätern seien etwa Touristenattraktionen oder Sportveranstaltungen.

Rückblick: Was geschah am Dienstag in Brüssel?

Nach RTBF-Informationen sprengte sich Ibrahim El Bakraoui am Flughafen in die Luft. Sein Bruder Khalid zündete die Bombe in der U-Bahn-Station Maelbeek, mitten im Europaviertel der belgischen Hauptstadt. Khalid El Bakraoui soll unter falscher Identität auch eine Wohnung im Brüsseler Stadtteil Forest angemietet, wo es bereits am Dienstag vergangener Woche bei einer Hausdurchsuchung zu einer Schießerei mit der Polizei kam. Ein mutmaßlicher Terrorist kam dabei ums Leben, zwei Verdächtige flüchteten.

Auf die Spur nach Schaerbeek führte die Ermittler einem Medienbericht zufolge ein Taxifahrer. Der Mann habe dort drei Männer von einer Wohnung abgeholt und zum Flughafen gefahren, berichtete der Sender VRT. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die Fahrgäste sich nicht mit dem Gepäck helfen lassen wollten. Unklar war zunächst, ob es sich bei zwei von drei Männern, die auf dem Foto einer Flughafen-Überwachungskamera zu sehen sind, um die Brüder El Bakraoui handelt.

Örtlichen Behörden zufolge zeigen Bilder der Videoüberwachung auch, wie einer der Verdächtigen einen Gepäckwagen in der Ankunftshalle plötzlich stehen lässt und wegläuft. Das Trio hatte sich demnach kurz nach seiner Ankunft am Flughafen getrennt und in der Abflughalle verteilt.

Die Staatsanwaltschaft äußerte sich zunächst zurückhaltend über eine Verbindung zu den Terroranschlägen von Paris. Erst am Freitag war in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek Salah Abdeslam festgenommen worden, einer der mutmaßliche Drahtzieher.

Der belgische Ministerpräsident Charles Michel sagte, die Sicherheitskräfte wappneten sich gegen weitere Bluttaten. Am Abend fuhren Militärfahrzeuge mit schwerbewaffneten Soldaten am Flughafen vor, um das Areal zu sichern. Der Flugverkehr soll frühestens am Donnerstag wieder aufgenommen werden können.

Wie die niederländische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte, könnte es bereits an diesem Donnerstag ein Sondertreffen der für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister geben. Ein ähnliches Treffen hatte es nach den Anschlägen von Paris vom November gegeben.

dpa

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