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Trumps Sprecher sorgt mit Hitler-Vergleich für Empörung

Irritierende Rede Trumps Sprecher sorgt mit Hitler-Vergleich für Empörung

Trumps Sprecher Spicer hat sich mit einem Hitler-Vergleich in Bedrängnis gebracht. Seine Erklärungen dazu machen die Situation noch schlimmer. Rücktrittsforderungen werden laut.

Sean Spicer hat sich mit Aussagen über Adolf Hitler auf dünnes Eis begeben.

Quelle: Andrew Harnik

Washington. Mit einem Satz über Adolf Hitler hat der Sprecher von US-Präsident Donald Trump, Sean Spicer, international Empörung ausgelöst. Spicer sagte, nicht einmal jemand, der so „verabscheuungswürdig“ gewesen sei wie Hitler, sei so tief gesunken, chemische Waffen einzusetzen.

Dafür schlug ihm eine Welle der Kritik entgegen. Auch Rücktrittsforderungen wurden laut. Spicer entschuldigte sich daraufhin. „Meine Äußerungen waren unpassend und unsensibel“, sagte er. Er habe auch Präsident Donald Trump im Stich gelassen.

„Die Tatsache, dass er sich korrigiert hat, ist sehr wichtig im Hinblick auf die historische Wahrheit und die Erinnerung an sechs Millionen Juden, die während des Holocaust ermordet wurden“, sagte der israelische Geheimdienstminister, Israel Katz, am Mittwoch. Für ihn sei die Affäre mit der Entschuldigung abgeschlossen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wollte sich nach Angaben seines Sprechers zunächst nicht äußern.

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem übte Kritik. „Yad Vashem äußert sich tief besorgt in Bezug auf die ungenaue und unsensible Verwendung von Begriffen in Zusammenhang mit dem Holocaust durch den Sprecher des Präsidenten“, hieß es in einer Mitteilung. Das American Jewish Committee nannte den Vorfall in einer Twitter-Nachricht unerhört.

Spicer bekam jedoch auch teilweise Unterstützung, zumindest was die Motivation seiner Worte betrifft. Die Äußerung sei wohl „nicht Teil eines größeren Musters“ gewesen, sagte der ansonsten der Trump-Regierung kritisch gegenüberstehende Autor Chris Cillizza. Spicer hätte aber wissen müssen, dass er mit solch einem Vergleich nur verlieren kann. So etwas ende niemals gut.

Auch die Bundesregierung äußerte sich kritisch: „Das zeigt nur, was ohnehin die Haltung der Bundesregierung ist: Jeglicher Vergleich aktueller Situationen mit den Verbrechen des Nationalsozialmus führt zu nichts Gutem“, sagte der Regierungssprecher von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Steffen Seibert, in Berlin.

Ein Journalist hatte den 45-Jährigen während des täglichen Presse- Briefings am Dienstag gefragt, warum er glaube, dass Russland seine Unterstützung für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad ausgerechnet jetzt einstellen werde, wo beide doch schon seit Jahren kooperierten.

Spicer sagte daraufhin, nicht einmal im Zweiten Weltkrieg seien chemische Waffen eingesetzt worden. Dann zog er den Vergleich zu Hitler. Russland müsse daher seine Unterstützung für Assad überdenken, erklärte er.

Der Vergleich mit dem Zweiten Weltkrieg war am selben Tag auch vom Pentagon bemüht worden, jedoch ausdrücklich nur auf die Kampfhandlungen bezogen. „Nicht einmal im Zweiten Weltkrieg wurde Giftgas auf dem Schlachtfeld eingesetzt“, sagte Verteidigungsminister James Mattis. Mit dieser Einschränkung ist der Vergleich nach geltender Lehrmeinung korrekt.

Als eine Reporterin ihn wenig später bat, die Äußerung zu erklären, geriet Spicer ins Straucheln. Er sagte: „Er (Hitler) hat Gas nicht auf dieselbe Art und Weise gegen sein eigenes Volk eingesetzt, wie es Assad tut. (...) Er hat es in die Holocaust-Zentren gebracht, das ist mir klar. Aber was ich zum Ausdruck bringen will, ist die Art, wie Assad es eingesetzt hat, indem er in die Städte geht und es über den Stadtzentren abwirft.“

Mit dem Begriff „Holcaust-Zentren“ meinte er offensichtlich die Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Diese hatten in den Gaskammern in Auschwitz und anderen Lagern mehr als eine Million Menschen mit Giftgas ermordet, vor allem Juden, aber auch viele Sinti und Roma sowie andere Gruppen. Insgesamt brachten die Nationalsozialisten sechs Millionen Juden um.

Schon kurz nach der Pressekonferenz war Spicer bemüht, seine Worte klarzustellen. „Ich habe in keiner Weise versucht, die Abscheulichkeit des Holocaust zu schmälern“, erklärte er. Es sei ihm um eine Unterscheidung zu der Taktik gegangen, chemische Waffen über Bevölkerungszentren einzusetzen. „Jeder Angriff auf unschuldige Menschen ist verwerflich und unentschuldbar“, fügte er hinzu.

Das Anne-Frank-Zentrum in New York warf dem 45-Jährigen vor, den Holocaust zu leugnen. Die Organisation forderte seinen Rücktritt. „Sean Spicer mangelt es an der Integrität, Sprecher des Weißen Hauses zu sein, und Präsident Trump muss ihn sofort feuern.“

Auch die Fraktionschefin der Demokraten, Nancy Pelosi, forderte Spicers Rückzug. „Während jüdische Familien in den USA das Pessach-Fest feiern, spielt der Sprecher des Weißen Hauses die Schrecken des Holocaust herunter“, erklärte sie. Trump müsse sich von den Worten distanzieren.

dpa

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