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Brennpunkte Türkische Nazi-Vergleiche: Wie deutsche Politiker reagieren
Nachrichten Brennpunkte Türkische Nazi-Vergleiche: Wie deutsche Politiker reagieren
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14:42 21.03.2017
Auf der Titelseite der türkischen regierungsnahen Zeitung "Star" ist ein Foto vom Auftritt Erdogans zu sehen, darüber steht: "Nazi-Praxis". Quelle: Linda Say
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Berlin

Mit provokanten Nazi-Vergleichen haben der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und Mitglieder der Regierung den Streit mit Deutschland um Wahlkampfauftritte von Ministern aus Ankara immer weiter angeheizt. Zitate und Reaktionen:

„Eure Praktiken machen keinen Unterschied zu den Nazi-Praktiken in der Vergangenheit.“ (Erdogan am 5. März in Istanbul)

„Das ist infam, abstrus, inakzeptabel und aufs Schärfste zurückzuweisen.“ (Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am 5. März in der ARD-Talkshow „Anne Will“)

„Solche deplatzierten Äußerungen kann man ernsthaft eigentlich gar nicht kommentieren. (...) NS-Vergleiche (führen) letztlich immer nur zu einem, nämlich dazu, dass das unfassbare Leid der Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus damit verharmlost wird. Und schon deshalb disqualifizieren sich solche Äußerungen von selbst.“ (Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 6. März in Berlin)

„Wir können nicht akzeptieren, dass in einer solchen Weise über Deutschland geredet wird.“ (Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 7. März in Berlin)

„Alle Praktiken ähneln denen der Nazi-Zeit.“ (Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in der Zeitung „Hürriyet“ vom 7. März)

„Es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten darf.“ (Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) am 8. März in Berlin)

„Die Vergleiche der Bundesrepublik Deutschland mit dem Nationalsozialismus müssen aufhören.“ (Merkel am 9. März im Bundestag)

„Diese Verbote, die die politische Gesinnung des Zweiten Weltkriegs spiegeln, zeigen nur, dass die Länder, die diese Hindernisse aufstellen, die Demokratie und die Freiheiten nicht verinnerlicht haben.“ (Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim am 10. März in Düzce über Verbote von Wahlkampfauftritten in Europa)

„Wir können uns das nicht gefallen lassen. Aber wir möchten nicht eskalieren. Da sind wir uns alle in der Bundesregierung einig. Wir möchten nur, dass die Türkei zur Vernunft zurückkehrt.“ (Schäuble am 12. März in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“)

„Verehrte Merkel, du unterstützt Terroristen.“ (Erdogan am 13. März mit Blick auf die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK in einem Interview des türkischen Senders A Haber)

„Ein Einreiseverbot wäre das letzte Mittel. Das behalten wir uns vor. (...) Auch Deutschland hat eine Ehre!“ (CDU-Kanzleramtschef Peter Altmaier am 15. März im Interview der Funke-Mediengruppe)

„Ich habe nicht die Absicht, mich an diesem Wettlauf der Provokationen zu beteiligen.“ (Merkel in der „Saarbrücker Zeitung“ vom 17. März)

„Es kann der Zeitpunkt kommen, wo es reicht, und der wird nicht im Vorhinein definiert.“ (Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am 17. März im saarländischen St. Wendel)

„Du wendest auch gerade Nazi-Methoden an.“ (Erdogan am 19. März in Istanbul an Merkels Adresse)

„Das ist eine Unverfrorenheit. Dass das Staatsoberhaupt eines befreundeten Landes die Regierungschefin dieses Landes in dieser Form beleidigt, ist eine Frechheit.“ (SPD-Parteichef Martin Schulz am 19. März in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“)

„Mein Satz, dass die Nazivergleiche vonseiten der Türkei aufhören müssen, gilt, und zwar ohne Wenn und Aber. Leider müssen wir feststellen, dass diese Vergleiche nicht aufgehört haben. Wir werden nicht zulassen, dass der Zweck die Mittel immer wieder heiligt und jedes Tabu fällt, ohne Rücksicht auf das Leid derer, die im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.“ (Merkel am 20. März auf der Cebit in Hannover)

„Wir sind tolerant, aber wir sind nicht blöd.“ (Gabriel in der „Passauer Neuen Presse“ vom 20. März)

dpa

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