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Überraschungsmann Löw: Von Odonkor zum geschockten Gomez

Berlin Überraschungsmann Löw: Von Odonkor zum geschockten Gomez

Überraschungen gehören bei Joachim Löw zu einer Turniernominierung einfach dazu. Los ging's 2006, noch gemeinsam mit Klinsmann: Kevin Kuranyi glaubte an einen Scherz, als er im WM-Aufgebot fehlte. Es gibt sogar einen Weltmeister, der erst ein Streichkandidat war.

Berlin. In den Stunden bis zur Verkündung des Kaders für die Europameisterschaft starren die besten deutschen Fußballer mehr oder weniger aufgeregt auf ihre Handys. Ruft Joachim Löw doch noch an? Und überbringt der Bundestrainer oder einer seiner Assistenten dann eine frohe Botschaft oder das bittere Ende eines Sommertraums? Schließlich ist Löw bei den Nominierungen für ein großes Turnier seit seiner Beförderung zum Chefcoach 2006 stets für Überraschungen gut gewesen.

Das war schon bei der Heim-Weltmeisterschaft vor zehn Jahren so, als Löw noch Assistent von Jürgen Klinsmann war. Das Duo erstaunte 2006 mit dem rasenden Flügelstürmer David Odonkor Experten, Fans und sogar den vorher nicht unterrichten Kapitän Michael Ballack. „Er kann eine Geheimwaffe sein, weil er enorm schnell ist“, sagte Ballack damals.

Die Tradition der Überraschungen hat Löw bei seinen Turnieren als Chef von der EURO 2008 bis zum WM-Triumph 2014 nahtlos fortgesetzt. Die Deutsche Presse-Agentur blickt auf die früheren Nominierungen und das aktuelle Aufgebot für die EM 2016.

WM 2006 (Deutschland): Klinsmann und Löw verblüffen mit der Nominierung des 22 Jahre alten Dortmunders David Odonkor. Den Flügelflitzer ohne Länderspiel hatte kein Experte auf dem Zettel. Andere denken dafür, sie seien sicher dabei: Kevin Kuranyi - neben Fabian Ernst und Patrick Owomoyela der Promi unter den Gestrichenen - kann es kaum glauben, als Klinsmann ihn anruft und ausbootet: „Ich habe gelacht und gesagt: Das ist jetzt nur ein Spaß, oder?“

EM 2008 (Österreich/Schweiz): Auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, sorgt Bundestrainer Löw gleich für mehrere Aufreger. Er streicht Torwart Timo Hildebrand, bis dahin die Nummer 2 hinter Jens Lehmann. Hildebrand reagiert „geschockt und irritiert“. In Torwart René Adler und dem Gladbacher Zweitliga-Aufsteiger Marko Marin zaubert Löw dafür zwei Länderspiel-Neulinge aus dem Hut.

WM 2010 (Südafrika): Löw überrascht bei seiner vorläufigen 27-Mann-Liste mit den Neulingen Holger Badstuber und Dennis Aogo. Beide schaffen es auch in den 23-Mann-Kader für Südafrika. Torwart-Veteran Jörg Butt vom FC Bayern ersetzt den verletzten René Adler. Drei Spieler muss Löw „maßlos“ enttäuschen: Für Thomas Hitzlsperger, Marcel Schäfer und Christian Gentner ist kein Platz.

EM 2012 (Polen/Ukraine): Immer was Neues bei Löw: Diesmal nominiert er nicht drei, sondern vier Torhüter. Der Gladbacher Marc-André ter Stegen darf die etablierten Kollegen herausfordern. Schalke-Talent Julian Draxler ist der andere Kaderneuling. Beide schaffen es aber nicht ins endgültige Turnieraufgebot. Zur gestrichenen Prominenz zählt unter anderen der erfahrene Mittelfeldspieler Simon Rolfes.

WM 2014 (Brasilien): Torjäger Mario Gomez und Torwart René Adler fehlen im zunächst noch 30-köpfigen Aufgebot. „Das ärgert mich unendlich“, klagt Gomez. „Mario hat seit September nur 280 Minuten gespielt“, begründet Löw. Zu den gestrichenen Akteuren gehören auch Max Kruse, Sidney Sam, Sven Bender und Heiko Westermann. Die einstige Stammkraft Marcel Schmelzer fliegt nach dem Trainingslager raus, auch Kevin Volland und Shkodran Mustafi erwischt es. Der Abwehrspieler wird dann doch Weltmeister, weil sich Marco Reus im letzten Testspiel vor der Reise nach Brasilien verletzt und Löw dafür Mustafi mitnimmt.

EM 2016 (Frankreich): Löw setzt in seinem vorläufigen 27-Mann-Aufgebot auf vier Youngster: Julian Brandt, Joshua Kimmich und Julian Weigl geben ihr Kader-Debüt, Leroy Sané hatte im November in Frankreich seine Länderspiel-Premiere gefeiert. Für vier Weltmeister hat sich dagegen die EM-Teilnahme zerschlagen. So erwischte es den Hannoveraner Torhüter Ron-Robert Zieler, die beiden Dortmunder Erik Durm und Matthias Ginter sowie den Leverkusener Christoph Kramer.

dpa

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