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Verkaufsverhandlungen für Air Berlin sind gestartet

Erstes Angebot von Wöhrl Verkaufsverhandlungen für Air Berlin sind gestartet

Bei Air Berlin soll nach der Insolvenz alles ganz schnell gehen. Lufthansa will sich möglichst rasch einen Teil an der Flotte sichern. Wann die Konkurrenten mit ins Spiel kommen, ist noch offen.

Air-Berlin-Maschinen auf einer Abstellfläche des zukünftigen Hauptstadtflughafens Willy Brandt.

Quelle: Bernd Settnik/archiv

Berlin. Nur drei Tage nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin haben konkrete Verhandlungen über die Aufteilung der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft begonnen. Nach dpa-Informationen wurden in Berlin Gespräche zwischen Lufthansa und Air Berlin aufgenommen.

Der deutsche Marktführer Lufthansa will sich einen großen Teil der Flugzeuge von Air Berlin sichern.

Die Bundesregierung nimmt nach eigenen Angaben keinen Einfluss auf die Verhandlungen. Der Übernahmekandidat wollte keine Stellung zum aktuellen Stand der Dinge nehmen. Die Gewerkschaft Verdi forderte, einen Sozialtarifvertrag zu vereinbaren, um den Übergang für die mehr als 8000 betroffenen Mitarbeiter abzufedern.

„Die Bundesregierung ist da nicht mit am Tisch und steuert das auch nicht“, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums am Freitag. Es gebe auch keine Zeitvorgabe für die Verhandlungen. Außer Lufthansa sind Easyjet und Tuifly als Interessenten bekannt. Beide sind aber in die ersten Verhandlungen nicht eingebunden.

Auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl gab ein formelles Angebot ab. Ziel seiner Offerte sei es, die Air Berlin Gruppe als Ganzes zu erhalten und als unabhängige Airline fortzuführen, teilte sein Unternehmen mit. Zuvor hatten die Zeitschrift „Capital“ und die „Nürnberger Nachrichten“ berichtet.

Bei den Gesprächen mit Lufthansa könne es um rund 90 der 144 von Air Berlin geleasten Flugzeuge gehen, hieß es in Unternehmenskreisen. Im Eigentum von Air Berlin ist keine Maschine ihrer Flotte mehr. Dementsprechend müssen auch die Leasingfirmen in eine Vereinbarung eingebunden werden.

Eine Komplettübernahme von Air Berlin, die derzeit aber nicht zur Debatte steht, würde der Lufthansa vor allem auf innerdeutschen Strecken zu einer starken Stellung verhelfen. Der Marktanteil an innerdeutschen Flügen würde von jetzt knapp 72 Prozent auf 96 Prozent steige, wie aus einer Flugplan-Auswertung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervorgeht. Bei den Europaflügen von deutschen Flughäfen erhöhte sich der Anteil von 36 auf 41 Prozent. Zuvor hatte darüber die „Rheinische Post“ berichtet.

Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle äußerte die Befürchtung, dass es den Kaufinteressenten „in erster Linie ums ganz große Geschäft, nicht aber um die Verantwortung für die Beschäftigten“ gehe. Ein Sozialtarifvertrag zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft soll die Interessen der Beschäftigten bei einer Übernahme wahren und zum Beispiel künftige Arbeitsbedingungen und Gehälter regeln.

Air Berlin hatte am Dienstag Insolvenz beantragt, nachdem der Großaktionär und Partner Etihad der Fluggesellschaft die finanzielle Unterstützung entzogen hatte. Der Flugbetrieb ist durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro noch für etwa drei Monate gesichert.

Der Betriebsrat der Technik-Tochter von Air Berlin forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem offenen Brief auf, sich für dem Erhalt ihrer Arbeitsplätze einzusetzen. Der Generalbevollmächtigte im Insolvenzverfahren, Frank Kebekus, äußerte sich zur Zukunft der Technik-Mitarbeiter zuversichtlich. „Die Air Berlin Technik ist ausgelagert und ein eigenes Insolvenzverfahren“, sagte er dem „Handelsblatt“. Dort arbeiteten 800 sehr erfahrene Mitarbeiter. Eine komplette Abwicklung von Air Berlin Technik erwarte er nicht.

Der Konzern verschob am Freitag die für diesen Tag angekündigte Vorlage ihrer Halbjahresbilanz auf unbestimmte Zeit. Angesichts der jüngsten Entwicklung müssten die Daten nun noch einmal überprüft und gegebenenfalls aktualisiert werden, sagte ein Air-Berlin-Sprecher. Nach den gesetzlichen Bestimmungen habe Air Berlin bis zum 2. Oktober Zeit, um den Zwischenbericht zu veröffentlichen.

dpa

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