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Viel „Evet“ für Erdogan: Wie Türken in Deutschland wählen

Umstrittene Verfassungsreform Viel „Evet“ für Erdogan: Wie Türken in Deutschland wählen

Die „Ja“-Stimmen der Deutschtürken verleihen dem Staatspräsidenten Erdogan bei seinem umstrittenen Referendum einen Schub. Das Zünglein an der Waage waren sie aber nicht.

Eine Türkin zeigt in einem türkischen Wahllokal einen Stimmzettel mit den türkischen Wörtern für Ja und Nein, "Evet" und "Hayir".

Quelle: Ina Fassbender

Berlin. Viele Türken in Deutschland wollen dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan deutlich mehr Macht verleihen. Prozentual stimmten hierzulande mehr Wähler für die umstrittene Verfassungsreform als in der Türkei.

Während Erdogans Sieg am Bosporus sehr knapp ausfiel, übertraf er in Deutschland sein selbsterklärtes Wunschziel von mehr als 60 Prozent deutlich.

Wie viel Türken in Deutschland haben wirklich mit „Ja“ abgestimmt?

Prozentual deutlich mehr als in der Türkei. Nach dem vorläufigen Endergebnis der türkischen Wahlkommission votierten in der Türkei 51,4 Prozent der abstimmenden Türken für die Verfassungsreform. In Deutschland kam Erdogan auf 63,1 Prozent. In absoluten Zahlen stimmten 412.149 Wahlberechtigte in Deutschland mit „Evet“ („Ja“). In allen 13 Generalkonsulaten, denen die Wahlberechtigten in Deutschland zugeordnet sind, gab es mehr „Ja“- als „Nein“-Stimmen. Allerdings gingen hierzulande auch deutlich weniger an die Urnen. Nur die Hälfte der 1,43 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland nahm an dem Referendum teil - damit stimmten nur noch 28,8 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland für Erdogans Verfassungsreform. Nimmt man alle drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland als Grundlage, halbiert sich diese Zahl nochmals. Unter dem Strich habe nur ein kleiner Teil „Ja“ gesagt, nämlich um die 15 Prozent, meint Wahlforscher Joachim Schulte.

Waren die Auslandstürken das Zünglein an der Waage für Erdogan? 

Sie hätten zwar theoretisch den Ausschlag geben können, wurden deshalb auch vor allem in Deutschland von Erdogan heiß umworben. Die Auslandstürken machen etwa fünf Prozent aller Wahlberechtigten aus, fast die Hälfte davon in der Bundesrepublik. Und sie verschafften Erdogan auch einen kräftigen Schub: Während innerhalb der Türkei 51,18 Prozent mit „Evet“ stimmten, waren es im Ausland 59,09 Prozent. Am Ende war das Ergebnis aber doch nicht knapp genug, als dass die Auslandstürken die entscheidende Rolle gespielt hätten.

Welche Rolle spielte der Streit um Wahlkampfauftritte und Nazi-Vergleiche bei der Abstimmung?

Erdogan schürte über Wochen den Konflikt rund um Auftritte türkischer Politiker in Europa mit aggressiven Wahlkampfparolen. Seine Rechnung ging auf: Dass er den Niederlanden und Deutschland „Nazi-Methoden“ vorwarf, schreckte die türkischen Wähler nicht ab, ganz im Gegenteil. In den Niederlanden verbuchte Erdogan mehr als 70 Prozent der Stimmen, in Deutschland fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit. In einigen anderen Ländern lag die Zustimmung zum geplanten Präsidialsystem aber noch deutlich über dem „Ja“-Anteil der Türken in Deutschland: In Belgien etwa stimmten 75 Prozent für „Ja“, in Österreich 73,2 Prozent.

Wie sieht das Wahlverhalten der Türken in Deutschland sonst aus?

Wenn es um die Türkei geht, stimmen die Deutschtürken mehrheitlich religiös-konservativ ab. Erdogan und seine AKP können jedenfalls traditionell auf starke Unterstützung aus Deutschland zählen. Bei der Parlamentswahl im November 2015 entfielen auf die AKP 59,7 Prozent der in der Bundesrepublik abgegebenen Stimmen, während sie insgesamt auf ein amtliches Endergebnis von 49,5 Prozent kam. Geht es um deutsche Politik, wählen die Türken hierzulande traditionell eher links. Türkischstämmige Bürger gelten tendenziell als SPD-nah.

dpa

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