Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Brennpunkte WM 2006: Vom Sommermärchen zum Skandal
Nachrichten Brennpunkte WM 2006: Vom Sommermärchen zum Skandal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:38 08.09.2016
Anzeige
Frankfurt/Main

Die Affäre um das deutsche WM-Sommermärchen 2006 hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in seinen Grundfesten erschüttert.

Jetzt könnte der Skandal um die Vergabe der WM vor zehn Jahren strafrechtliche Folgen für den damaligen OK-Chef Franz Beckenbauer und die weiteren OK-Mitglieder Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt haben. Eine Chronologie:

Mai/Juni 2015: Der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach erhält im Zuge des FIFA-Skandals Informationen über Ungereimtheiten rund um eine DFB-Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband - und behält sie für sich.

16. Oktober 2015: Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet über schwarze Kassen beim DFB und einen möglichen Stimmenkauf durch die deutschen WM-Organisatoren bei der Vergabe der Endrunde 2006.

03. November 2015: Die Steuerfahndung durchsucht die DFB-Zentrale sowie die Privatwohnungen von Niersbach, seines Vorgängers Theo Zwanziger und des früheren DFB-Generalsekretärs Horst R. Schmidt.

09. November 2015: Wolfgang Niersbach tritt unter dem Druck der WM-Affäre von seinem Posten zurück. Als Interimschefs rücken die Vizepräsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch an die DFB-Spitze.

17. November 2015: Das Amateurlager kürt Schatzmeister Reinhard Grindel einstimmig zum Kandidaten für die Niersbach-Nachfolge. Mit ihrem Vorpreschen in der wichtigsten Personalfrage widersetzen sich die Landeschefs dem Wunsch des Profifußballs, der mehr Zeit eingefordert hatte. Der Verbandsfrieden ist empfindlich gestört.

11. Februar 2016: Das Profilager erklärt, Grindel bei der Wahl zum DFB-Präsidenten zu unterstützen. Im Gegenzug erklärt das Amateurlager, den Forderungen des Profibereichs nach einer Strukturreform nachkommen zu wollen.

26. Februar 2016: Der DFB gibt die Trennung von Generalsekretär Helmut Sandrock bekannt. Friedrich Curtius wird drei Wochen später zum Nachfolger ernannt.

04. März 2016: Die vom DFB mit der Untersuchung der WM-Affäre betraute Kanzlei Freshfields veröffentlicht ihren Bericht. Beweise für einen Stimmenkauf können nicht vorgelegt werden. Allerdings wird er auch nicht ausgeschlossen. Zudem präsentieren die Ermittler eine neue Spur. Diese führt über Franz Beckenbauer nach Katar.

22. März 2016: Die FIFA-Ethikkommission leitet Ermittlungen gegen Beckenbauer, Niersbach, Zwanziger, Schmidt, Sandrock und den früheren stellvertretenden DFB-Generalsekretär Stefan Hans ein.

15. April 2016: Auf dem außerordentlichen Bundestag wird Reinhard Grindel zum neuen DFB-Präsidenten gewählt.

20. April 2016: Die Untersuchungskammer der FIFA-Ethikkommission fordert eine Sperre von zwei Jahren und eine Geldstrafe von 30 000 Schweizer Franken für Niersbach. Die Rechtsprechende Kammer eröffnet ein Verfahren.

25. Juli 2016: Die FIFA-Ethikkommission sperrt Niersbach für ein Jahr von allen Ämtern im nationalen und internationalen Fußball. Er legt gegen die Suspendierung Berufung ein.

01. September 2016: Die Schweizer Bundesanwaltschaft teilt mit, dass am 6. November 2015 Strafverfahren gegen Beckenbauer, Niersbach, Zwanziger und Schmidt eröffnet worden sind. Sie stehen im Verdacht des Betrugs, der ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Geldwäscherei und der Veruntreuung. An diesem Tag (1.9.) wurden auch Hausdurchsuchungen durchgeführt. Zuerst hatte der „Spiegel“ über Ermittlungen gegen Beckenbauer berichtet.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Franz Beckenbauer gelang einfach alles. Weltmeister als Spieler. Weltmeister als Teamchef. Weltmeisterschafts-Beschaffer als Funktionär. Der Mythos ist nun passé. Die Ermittlungen in der Schweiz sind Höhepunkt der Entzauberung der deutschen Fußball-Lichtgestalt.

08.09.2016

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger sieht den Ermittlungen der Schweizer Bundesanwaltschaft gegen ihn mit großer Gelassenheit entgegen. „Das hat keine Substanz“, sagte Zwanziger.

01.09.2016

In den Bürgerkriegsländern Syrien und Jemen wird nach Angaben internationaler Organisationen immer wieder die geächtete Streumunition eingesetzt.

01.09.2016
Anzeige