Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Brennpunkte Wählerbefragung: Mehrheit gegen einen Brexit
Nachrichten Brennpunkte Wählerbefragung: Mehrheit gegen einen Brexit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
04:04 24.06.2016
Anzeige
London

Im historischen Referendum der Briten über ihre EU-Mitgliedschaft hat sich einer Wähler-Nachbefragung zufolge ein knapper Sieg der Brexit-Gegner abgezeichnet. 52 Prozent der Wähler, die das Institut YouGov nach ihrer Stimmabgabe befragte, hatten sich für den Verbleib in der EU entschieden, 48 Prozent dagegen.

Die Befragung, die unmittelbar nach Schließung der Wahllokale am Donnerstag vom Sender Sky News veröffentlicht wurde, entspricht jedoch nicht den Kriterien einer klassischen Wahlprognose und ist deswegen nicht ganz so verlässlich.

Eine ähnliche Befragung hatte beim Schottland-Referendum im Jahr 2014 jedoch richtig gelegen. Die britische Wahlkommission will ein Endergebnis erst am frühen Freitagmorgen bekanntgeben. Belastbare Auszählungsergebnisse könnten allerdings schon während der Nacht zu einem klareren Bild führen.

Der Chef der EU-feindlichen Partei Ukip, Nigel Farage, stimmte seine Anhänger bereits auf eine Niederlage ein. Es sehe aus, als werde das „Remain“-Lager noch knapp gewinnen, sagte er.

An den Devisenmärkten wurde am Donnerstag mit einem Sieg des Pro-EU-Lagers gerechnet: Das Pfund verzeichnete nach Bekanntgabe der YouGov-Befragung ein deutliches Kurs-Plus. Finanzexperten gehen davon aus, dass das Pfund bei einer Mehrheit für den EU-Austritt dramatisch abstürzen könnte.

Umfragen hatten bis zuletzt ein enges Rennen vorhergesagt, die Wettquoten standen am Donnerstag aber gegen den Brexit. 46,5 Millionen Wähler hatten sich registriert, viele von ihnen waren bis zuletzt unentschlossen. Monatelang hatten die Lager um Stimmen gekämpft. Vergangene Woche hatte der Mord an der EU-freundlichen Abgeordneten Jo Cox das Land schockiert und den Wahlkampf für kurze Zeit zum Erliegen gebracht.

Ein Sieg des EU-freundlichen „Remain“-Lagers wäre ein Erfolg für den konservativen Premierminister David Cameron, der für den Verbleib geworben hatte. Sollten die Wähler sich gegen die EU entscheiden, galt sein Rücktritt als wahrscheinlich - auch wenn er stets beteuert hat, in jedem Fall im Amt bleiben zu wollen. Es wurde erwartet, dass er nach der Verkündung des Wahlergebnisses schnell vor die Presse treten würde.

Ein Brexit würde die EU wohl in die schwerste Krise ihrer Geschichte stürzen. Viele europäische Politiker hatten die Briten vor einem Austritt gewarnt. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) und andere Institutionen sagten wirtschaftliche Turbulenzen im Falle eines Brexit voraus, sowohl für die Briten als auch die EU als Ganzes. EU-Politiker befürchten, dass ein Brexit Austrittswünsche in anderen Ländern beflügeln würde - und damit zusätzliche Probleme für die EU bringt.

In der Staatengemeinschaft mehren sich die Stimmen, die unabhängig vom Ausgang des historischen Referendums dafür plädieren, grundsätzlich über die Europäische Union nachzudenken. Ein „Weiter so“ könne es nicht geben, hieß es am Donnerstag über die Parteigrenzen hinweg. Auch Bundespräsident Joachim Gauck warnte davor, nach dem Referendum einfach zur Tagesordnung überzugehen. „Wir sollten aus der Krise Lehren ziehen und weiter diskutieren, wie wir in Europa leben wollen“, sagte er bei einem Besuch in der bulgarischen Hauptstadt Sofia.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die beim Absturz der Egyptair-Maschine über dem Mittelmeer stark beschädigten Speichereinheiten der beiden Flugschreiber sollen in Frankreich repariert werden.

23.06.2016

Estlands Präsident Toomas Hendrik Ilves hat die Aussagen von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zur Russland-Politik der Nato kritisiert.

24.06.2016

Mit einem Waffenstillstand endet der älteste Konflikt Lateinamerikas. Die linke Guerilla will ihre Ziele in Kolumbien künftig politisch verfolgen. Ein Friedensvertrag ist in greifbarer Nähe.

24.06.2016
Anzeige