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Warum Piloten so hart streiken

Traumjob? Warum Piloten so hart streiken

Bei Lufthansa läuft der 14. Pilotenstreik in Folge. Die Vereinigung Cockpit kann auf immer weniger Verständnis für ihre Top-Verdiener rechnen. Aber es gibt auch Gründe für den harten Streik.

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Annullierte Flüge der Lufthansa werden auf einer Anzeigetafel angezeigt.

Quelle: Arne Dedert

Frankfurt/Main. Auf den Job-Seiten der Fluggesellschaften wird der Beruf des Piloten als Traumjob dargestellt. „„Für sie soll jeden Tag die Sonne scheinen?“ fragt etwa Air Berlin und die Lufthansa schwärmt: „Die Begeisterung kommt von allein.“

Tarifdetails wie der theoretisch mögliche Vorruhestand ab 55 und Jahresgehälter bis zu 250 000 Euro nähren zusätzlich Faszination - und bei Vielen wohl auch Neid gegenüber einer Berufsgruppe, die mit einer enormen Streikmacht ausgestattet ist. Doch selbst die Lufthansa warnt inzwischen mögliche Interessenten: Auf ihren Seiten werde noch die „alte Welt“ des Traumjobs gezeigt, die vor erheblichen Änderungen stehe. Und genau um diese Änderungen geht es auch im Pilotenstreik.

DIE PILOTEN VERTEIDIGEN PRIVILEGIEN: Die Piloten im Lufthansa- Konzerntarifvertrag (KTV) gehören im nationalen wie auch im europäischen Vergleich zu den Top-Verdienern. Ihre Arbeitsbedingungen sind in zahlreichen Tarifverträgen geregelt, von denen mindestens sechs strittig sind. Hier sind Top-Gehälter von bis zu 250 000 Euro brutto, Vorruhestandsregeln mit 60 Prozent des Grundgehalts oder üppige, vom Unternehmen garantierte Betriebsrenten festgehalten.

DER WOHLFÜHLBEREICH SCHRUMPFT: Schon heute sind die 5400 KTV-Piloten die Minderheit im Lufthansa-Konzern, der in den vergangenen Jahren durch Zukäufe stark gewachsen ist. Seit drei Jahren stellt Lufthansa nicht mehr zu KTV-Bedingungen ein, sondern versetzt bei Ruhestandsabgängen nach und nach KTV-Piloten von der Tochter Germanwings zur Lufthansa-Mutter. Die freiwerdenden GW-Jets werden zur neuen Auslandstochter Eurowings Europa in Wien transferiert, bei der die deutschen Tarifbedingungen nicht greifen. Bei der Lufthansa-Mutter werden auch wegen der leicht schrumpfenden Flotte die Beförderungsstellen knapp. Die Co-Piloten müssen deutlich länger auf ihre erste Kapitänsstelle warten, was auf die Gesamtkarriere gesehen zu deutlichen Einkommensverlusten führt.

LUFTHANSA HAT EINEN LANGEN ATEM: Die letzte tarifliche Gehaltserhöhung für die Piloten datiert tatsächlich aus dem Jahr 2011, die VC spricht daher von einem massiven Kaufkraftverlust. Individuell sieht das allerdings anders aus, denn jeder KTV-Pilot kann sich sicher sein, bis zu einer Obergrenze jedes Jahr eine neue Einkommensstufe zu erreichen, auf der es im Schnitt 3 Prozent mehr Geld gibt. Mit dieser „Senioritäts-Tabelle“ soll die erworbene Erfahrung abgegolten werden.

DIE VC WILL IHREN EINFLUSS SICHERN: Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat seine Ankündigung längst wahr gemacht, dass die Lufthansa-Gruppe nur noch dort wächst, wo sie profitabel ist. Beim expandierenden Billigflieger Eurowings mit seinen zahlreichen Teilgesellschaften hat die VC deutlich weniger zu sagen, mit Ausnahme der schrumpfenden Germanwings. Die VC versucht daher, weitere Gesellschaften in den Geltungsbereich des KTV zu holen. Das aber ist kein zulässiges Streikziel, weswegen es vordergründig derzeit um Gehaltsfragen mit der deftigen Forderung nach kumuliert 22 Prozent mehr Geld für fünf Tarifjahre geht.

DER PILOTEN-ARBEITSMARKT ÄNDERT SICH: Bis vor wenigen Jahren wurden die Piloten in strengen Verfahren handverlesen und in der Ausbildung finanziell unterstützt. Nicht zuletzt private Fliegerschulen haben aber inzwischen mehr Piloten ausgebildet als der Arbeitsmarkt aufnimmt. Schätzungen der Pilotenverbände gehen trotz des steigenden Bedarfs von 10 bis 16 Prozent arbeitsloser Piloten in Europa aus. Im internationalisierten Arbeitsmarkt konkurrieren sie zunehmend mit Crews aus Asien, in deren Heimatmärkten weit geringere Gehaltsniveaus herrschen. Die Lufthansa-Konkurrenten nutzen die Kostenvorteile aus und können günstigere Tickets anbieten.

ES GIBT IMMER MEHR BILLIGPILOTEN: Bei kleineren europäischen Gesellschaften fliegen Piloten für ein Drittel der Gehälter, die bei den etablierten Airlines gezahlt werden. Bei einigen Gesellschaften müssen unerfahrene Piloten sogar bezahlen, um überhaupt ins Cockpit zu gelangen und dort die Meilen abzufliegen, die für eine Volllizenz notwendig sind. Der Billigflieger Ryanair stand wiederholt in der Kritik, weil er Geschäftsmodelle mit Leiharbeitsfirmen und möglicherweise scheinselbstständigen Piloten nutzt. Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt gegen Ryanair-Piloten wegen des Verdachts der Scheinselbstständigkeit sowie der Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben. Das Unternehmen selbst wird nicht beschuldigt.

dpa

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