Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Brennpunkte Was die Welt von Trump als US-Präsident erwartet
Nachrichten Brennpunkte Was die Welt von Trump als US-Präsident erwartet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:32 10.11.2016
Anzeige
Berlin

Die ganze Welt hat mitgefiebert. Jetzt steht fest: Neuer US-Präsident wird Donald Trump. Im Folgenden ein Überblick über die Gefühle und Erwartungen, die sein Wahlsieg außerhalb der USA ausgelöst hat:

DEUTSCHLAND: Im politischen Berlin herrscht nach der US-Wahl Katerstimmung - ähnlich wie im Sommer nach der Brexit-Abstimmung. Das was Politiker der Bundestagsparteien zum Sieg von Trump sagen, lässt sich unter der Überschrift „Schock und Verunsicherung“ subsumieren. Nur die AfD freut sich. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lässt Trump in einer ersten Stellungnahme eine leicht verhüllte Ermahnung zukommen. Sie sagt: „Deutschland und Amerika sind durch Werte verbunden: Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung. Auf der Basis dieser Werte biete ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an.“

RUSSLAND:

In Moskau weckt Trumps Sieg Hoffnungen auf eine Annäherung. Auch wenn Kremlchef Wladimir Putin betont, „dass es kein leichter Weg wird angesichts des Verfallszustands, in dem sich die Beziehungen zwischen den USA und Russland befinden“. Ein Treffen zwischen Putin und Trump ist vorerst nicht geplant.

GROSSBRITANNIEN:

Die britischen Reaktionen sind ein weiterer Beleg dafür, wie gespalten die Brexit-Nation zur Zeit ist. Während Außenminister Boris Johnson den Sieg von Donald Trump mit großem Überschwang begrüßt, klingt Premierministerin Theresa May schon deutlich verhaltener. Sie erwartet zwar nach eigenem Bekunden, dass die USA und Großbritannien in den Bereichen Handel, Sicherheit und Verteidigung eng beieinander bleiben werden. Doch vielleicht ist da auch die Hoffnung Vater des Gedankens. Die Redaktion der Zeitung „The Guardian“ plagt sich mit düsteren Visionen. Sie schreibt: „Amerika und wir alle haben viel zu fürchten - allen voran den Mann, der jetzt an der Spitze der Welt steht.“

UNGARN:

Der rechtsnationale Ministerpräsident Viktor Orban freut sich. Denn er sieht in Trump einen Bruder im Geiste. Orban sagt: „Seine Außenpolitik ist gut für Europa und bedeutet Leben für Ungarn.“ Ähnlich wie Orban will sich auch Trump gegen Flüchtlinge abschotten. Den sogenannten „Demokratie-Export“ lehnen beide ab. Orban teilt mit Trump auch dessen prorussische Neigungen. Das unterscheidet Orban von anderen Potentaten in der osteuropäischen Region: die finden zwar auch Trumps Kurs in der Flüchtlingspolitik gut, sehen aber in seinen Avancen gegenüber Moskau eine Bedrohung für sich selbst.

ISRAEL:

Israels rechts-religiöse Regierung sieht Trumps Sieg als Gelegenheit, ihre Politik weiter voranzutreiben. Mehrere Politiker des rechten Lagers pochen jetzt darauf, dass die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt wird. Denn Trump hatte im Wahlkampf die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt angekündigt. Allerdings wird insgesamt eher erwartet, dass der außenpolitisch unerfahrene Trump sich kaum in den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern einmischen und auch keinen Baustopp in den israelischen Siedlungen erzwingen wird. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu nennt Trump einen „echten Freund Israels“. Er sagt, man werde den Pakt zwischen beiden Ländern gemeinsam zu „neuen Höhen“ bringen.

IRAN:

Präsident Hassan Ruhani hat vor der Wahl erklärt, aus iranischer Sicht gehe es ohnehin nur um eine Entscheidung zwischen „schlecht und schlechter“. Trump steht dabei aus iranischer Sicht für „schlechter, weil er mit dem Iran gar nichts zu tun haben will. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif mahnt nun, trotz seiner Wahlkampfrhetorik müsse jetzt auch Trump eine realistische Haltung zu globalen und regionalen Entwicklungen einnehmen. Dazu zählt für ihn auch die Umsetzung des Wiener Atomabkommens von 2015. Für die Hardliner in Teheran ist Trumps Erfolg eine gute Nachricht. Denn mit ihm als US-Präsidenten wird es ihnen vermutlich leichter fallen, ihr altes Feindbild zu pflegen. Denn für sie sind die USA nach wie vor der „Große Satan“, schuld an allen globalen Krisen.

MEXIKO:

Mexiko ist schockiert über den Ausgang der Wahl. Denn mit Donald Trump zieht ein Mann ins Weiße Haus ein, der aus seiner Verachtung für Latinos nie einen Hehl gemacht hat. Im Wahlkampf verunglimpfte er Mexikaner als Drogenhändler und Vergewaltiger. An der gemeinsamen Grenze will er eine Mauer errichten. Einen Bruch mit den USA kann sich Mexiko allerdings nicht leisten, der Nachbar im Norden ist wichtigster Handelspartner. Der ehemalige Innenminister Eduardo Medina Mora sagt: „Wir müssen sehr vorsichtig abwägen, wie wir reagieren.“

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach dem Brexit wird für die Deutschen der nächste politische Alptraum wahr: Der neue US-Präsident heißt Trump. Kanzlerin Merkel bietet ihm eine enge Zusammenarbeit an - und stellt dafür überraschend Bedingungen.

09.11.2016

In fünf europäischen Staaten ist die Vogelgrippe bei Wildvögeln nachgewiesen worden. Doch Vogelgrippe ist nicht gleich Vogelgrippe.

09.11.2016

Den Männern wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen: Bei einer Razzia im Rockermilieu sind in Hessen und im Saarland sieben Männer festgenommen worden. Bundesweit waren rund 1500 Polizisten im Einsatz.

10.11.2016
Anzeige