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Weil triumphiert, Schulz atmet durch

Landtagswahl Weil triumphiert, Schulz atmet durch

Im fünften Anlauf der erste Erfolg: Die SPD kann mit Martin Schulz doch noch gewinnen - obwohl der Sieg in Niedersachsen das alleinige Werk von Stephan Weil ist. Schulz dürfte aber stabilisiert sein.

Stephan Weil hat aber für die SPD das Unmögliche möglich gemacht.

Quelle: Christian Charisius

Berlin. Der Mann im blauen Shirt will Martin Schulz gar nicht mehr loslassen. Er umklammert ihn wie einen lange verschollenen Bruder. Dann ist Katarina Barley dran, die Familienministerin, dann Andrea Nahles, die SPD-Fraktionschefin. Alle werden geherzt und geschüttelt.

Peter Laws, 60 Jahre alt, verspiegelte Sonnenbrille im Haar, aus dem brandenburgischen Mahlow im Süden Berlins, ist wie alle anderen in der SPD-Parteizentrale aus dem Häuschen. Der Mann mit dem grauen Schnauzer ist so happy, dass er jetzt gleich in die SPD eintreten will. Parteichef Schulz erfüllt ihm den Wunsch direkt auf der Bühne. „Hiermit bist Du aufgenommen in die sozialdemokratische Partei.“ Peter weint, der Saal jubelt.

So schnell geht das in der Politik. Am 24. September lag die SPD bei der Bundestagswahl mit 20,5 Prozent zerschmettert am Boden - nun hat sie immerhin ein Mini-Comeback hingelegt. 

Drei Wochen nach der historischen Demütigung sind die Sozialdemokraten wieder da - zumindest in Niedersachsen. Dort werden sie den Hochrechnungen zufolge mit etwa 37,5 Prozent zum ersten Mal seit 1998 - seit den großen Zeiten von „Gerd“ Schröder - wieder stärkste Kraft im hannoverschen Landtag.

Schulz weiß, wem er sein seltenes Glück zu verdanken hat, nach vier Pleiten infolge endlich mal einen Erfolg verkünden zu dürfen. „Stephan, was Du in den letzten Wochen geleistet hast, ist einzigartig in der Wahlkampfgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Wir sind stolz und sehr froh.“ 

Die Einzigartigkeit sei mal dahingestellt. Stephan Weil hat aber für die SPD das Unmögliche möglich gemacht. Vor zweieinhalb Monaten lagen die Sozialdemokraten - nachdem eine Grüne zur CDU überlief, Rot-Grün in Hannover so die Macht verlor und Neuwahlen nötig wurden - noch zwölf Punkte hinter der CDU. Nun liegen sie fünf Punkte vorne.

Weil könnte eine große Koalition bilden, bei einer Ampel will die FDP nicht mitmachen. Jamaika ist rechnerisch möglich, gilt aber als sehr unwahrscheinlich. Selbst eine Sensation schien am Abend vorübergehend noch möglich: Erst spät wurde klar, dass es für eine Fortsetzung von Rot-Grün nicht reicht.

Weil überzeugte die Wähler als pragmatischer Kümmerer, als uneitler Landesvater - ein ziemlicher Kontrast zum teils polternden CDU-Herausforderer Bernd Althusmann. Weils Gewicht in der Bundespartei wird nun wachsen. Nach dem Parteivorsitz strebt er nicht. SPD-Vize könnte er werden. Weil buchte Schulz zwar nur zweimal für seinen Wahlkampf. Er stärkte dem angeschlagenen Bundeschef aber immer wieder den Rücken.

Auch Manuela Schwesig und Andrea Nahles haben ausgeschlossen, beim Parteitag Anfang Dezember in Berlin am Stuhl von Schulz zu sägen. „Martin Schulz ist und bleibt Parteivorsitzender“, sagt Nahles am Sonntag. Der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz gilt sowieso nicht als jemand, der ins Risiko geht.  

Schulz' großes Pfund trotz der verheerenden Bundespleite: Die Parteibasis liebt ihn. So lobt sich der Mann aus Würselen selbst, als er hervorhebt: „Die SPD ist zusammengeblieben, sie hat zusammengehalten. Das war der Rückenwind für die Genossen in Niedersachsen.“ 

Rückenwind. Dieses Wort sagt Schulz immer wieder. Vier Mal wurde er von den Wählern umgeblasen. Nun hat er endlich wieder Boden unter den Füßen. Abheben sollte in der SPD, die im Bundestag in die Opposition ziehen will, aber niemand. „Wir freuen uns alle, aber ab morgen gilt: Wir müssen die Herausforderungen anpacken und die SPD programmatisch und auch organisatorisch neu aufbauen“, sagt auch Schulz. Seit Januar sind immerhin fast 30 000 Deutsche in die SPD eingetreten - Peter aus Brandenburg ist nun auch dabei.  

dpa

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