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Brennpunkte Wer war der Angreifer von Nizza?
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22:06 15.07.2016
Mit diesem Lkw tötete der Mann mehr als 80 Menschen. Quelle: dpa
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Nizza

Besonders einheitlich ist das Bild nicht. „Er hat nie mit uns geredet. Er hat mir und meinen Kindern Angst gemacht“, sagte die 40-jährige Jasmine Reportern der Zeitung „Le Figaro“ über ihren Nachbarn. Einer anderen Bewohnerin des Hauses im Osten von Nizza erschien er freundlich, aber auch eigenartig. In den Grundzügen sind sich die Nachbarn jedoch einig: Mohamed Lahouaiej-Bouhlel war ein stiller Einzelgänger, der nach außen nicht religiös wirkte.

Am späten Donnerstag wurde der Mann, der neben ihnen wohnte, zu einem der grausamsten Attentäter in der Geschichte Frankreichs. Es ist aber ein eher blasses Bild, das die Behörden und die französischen Medien am Freitag von ihm zeichneten. Demnach stammt der 31-jährige Lahouaiej-Bouhlel aus Tunesien und war tunesischer Staatsbürger. Er hatte Kinder, seine Ex-Frau wurde am Freitag in Untersuchungshaft genommen. In Nizza betrieb er einen kleinen Lieferservice und besaß dazu einen Transporter. Den weißen 19-Tonner, mit dem er auf der Promenade die Menschen tötete, hatte er vor wenigen Tagen in der Nähe von Nizza gemietet.

Der Polizei war Lahouaiej-Bouhlel durchaus bekannt – allerdings nicht als Islamist, sondern als Kleinkrimineller mit einem Hang zur Gewalt. Laut dem Pariser Staatsanwalt François Molins ist er im März zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Nach einem Verkehrsunfall soll er seinen Kontrahenten mit einer Holzpalette verprügelt haben. Von einer islamistischen Radikalisierung haben die Behörden jedoch nichts bemerkt, in der französischen Gefährderkartei „Fiche S“ taucht sein Name nicht auf.

Während seiner Amokfahrt schoss Lahouaiej-Bouhlel auf Polizisten und Passanten. Im Führerhaus wurden später auch eine defekte Handgranate und Waffenattrappen gefunden. Unklar ist, ob Lahouaiej-Bouhlel gänzlich allein handelte – oder ob es Verbindungen etwa zum IS gibt. Ein Bekennerschreiben existiert bislang nicht, auch haben die Behörden bei der Durchsuchung seiner Wohnung keine IS-Flaggen oder andere Symbole gefunden. „Die Art des Vorgehens entspricht aber weitestgehend den Mordaufrufen terroristischer Organisationen in Zeitschriften und Videos“, erklärte Molins.

Gelegenheit zur Radikalisierung bietet Nizza zuhauf. Die Touristenhochburg mit ihren vielen Maghreb-Einwanderern gilt seit Längerem als Dschihadistenhort. Die Behörden wissen von mehr als 50 Personen, die nach Syrien, in den Irak oder Libyen ausgereist sind. Bereits vor Jahren hat die Polizei Attentatspläne auf Massenansammlungen in Nizza aufgedeckt und offenbar nur knapp verhindern können. Im Februar hatte ein Mann Soldaten vor einem jüdischen Zentrum mit einem Messer angegriffen.

Von Thorsten Fuchs und Birgit Holzer

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