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Brennpunkte Zahl der Erdbeben-Toten in Italien steigt auf mehr als 70
Nachrichten Brennpunkte Zahl der Erdbeben-Toten in Italien steigt auf mehr als 70
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18:14 24.08.2016
Um 3.30 Uhr in der Nacht fing die Erde an zu beben. Vor allem die kleineren Ortschaften Amatrice und Accumoli wurden getroffen.
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Rom

Sieben Jahre nach der Erdbeben-Katastrophe von L'Aquila hat ein neues schweres Beben die Region in Mittelitalien getroffen. Dutzende Menschen starben, als die Erdstöße in der Nacht auf Mittwoch ihre Häuser einstürzen ließen. Betroffen sind mehrere kleine Orte in der Nähe des Nationalparks Gran Sasso und Monti della Laga. Besonders stark sind die Verwüstungen etwa in der 2600-Einwohner-Gemeinde Amatrice in der Region Latium. Viele Häuser in der Bergregion glichen Schutthaufen, Trümmer und Staub bedeckten Autos und Straßen.

Das Deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam gab die Stärke des Hauptbebens mit 6,2 an. Es riss die Menschen in der Nacht auf Mittwoch aus dem Schlaf. Es kam zu mehreren Nachbeben. Auch im etwa 100 Kilometer Luftlinie entfernten Rom wackelte der Boden. Experten wollten dort das Kolosseum - Italiens meistbesuchtes Monument - auf Schäden untersuchen.

Die Zahl der Toten stieg bis Mittwochnachmittag auf mindestens 73, wie aus einer vorläufigen Bilanz des Zivilschutzes hervorging. Dabei seien 53 Menschen in den Orten Amatrice und Accumoli umgekommen, 20 in der Gemeinde Arquata in den Marken. Unter den Toten und Verletzten sind viele Kinder.

Helfer suchten teils mit bloßen Händen nach Verschütteten in den völlig zerstörten Häusern. „Viele sind noch unter den Trümmern“, sagte der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, laut Nachrichtenaentur Ansa. „Wir bereiten einen Ort für die Leichen vor.“ Ganze Familien wurden ausgelöscht. Einige Kinder konnten aus den Trümmern gezogen werden, erlagen dann aber später ihren Verletzungen.

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Ein schweres Erdbeben hat in Mittelitalien mehrere Menschen in den Tod gerissen und schwere Schäden angerichtet.

Für obdachlos gewordene Menschen sollten laut RaiNews24 möglicherweise Zelte in Amatrice und Accumoli aufgebaut werden. 

Nach ersten Schätzungen sind wahrscheinlich mehrere Tausend Menschen ohne Unterkunft. In der Region hielten sich auch zahlreiche Urlauber auf.

Der Bürgermeister von Accumoli, Stefano Petrucci, sprach von 2500 Menschen ohne Dach über dem Kopf allein in seinem Ort. Unter ihnen seien auch etwa 2000 Menschen, die in dem Ort in den Abruzzen Urlaub machten. Es sei kein einziges Haus mehr bewohnbar. „Wir müssen eine Zeltstadt für die gesamte Bevölkerung organisieren“, sagte Petrucci.

Italien wird auf Grund seiner geografischen Lage immer wieder von Erdbeben erschüttert, oft auch von schwerwiegenden. 2009 war bei einem Beben die mittelitalienische Stadt L'Aquila verwüstet worden. Damals starben mehr als 300 Menschen. L'Aquila liegt nur etwa 30 Kilometer Luftlinie vom jetzigen Katstrophengebiet entfernt. Die Häuser in der Region sind teils jahrhundertealt; bei einem solchen Beben fallen sie rasch in sich zusammen.

Um 3.30 Uhr in der Nacht fing die Erde diesmal an zu beben. „Die Hälfte des Ortes gibt es nicht mehr. Die Menschen sind unter den Trümmern“, sagte der Bürgermeister von Amatrice dem Nachrichtensender RaiNews24. Straßen waren blockiert, der Strom war ausgefallen. Der Bürgermeister forderte Hilfe per Hubschrauber. Ein Einwohner sagte dem Sender: „Alles ist kaputt.“

Die deutsche Bundesregierung bot Italien die Hilfe von Experten des Technischen Hilfswerks (THW) an. Nun müsse die italienische Regierung entscheiden, ob sie das Angebot annehme, teilte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) mit. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte in einem Kondolenztelegramm ihr Mitgefühl aus.

Auch Papst Franziskus zeigte sich tief betroffen. Er finde kaum Worte, seinen großen Schmerz auszudrücken, sagte er zu Beginn der wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. „Den Bürgermeister von Amatrice sagen zu hören, dass der ganze Ort nicht mehr existiert, und zu wissen, dass unter den Opfern Kinder sind, hat mich sehr berührt.“

Das schwere Beben von L'Aquila

Am 6. April 2009 um 3.32 Uhr verwüstet ein schweres Erdbeben die mittelitalienische Stadt L'Aquila. Es sterben insgesamt 309 Menschen, Tausende Häuser der Abruzzen-Stadt werden beschädigt, rund 70 000 Menschen obdachlos. Nach unterschiedlichen Messungen liegt die Stärke des Bebens zwischen 5,8 und 6,3. In der 70 000-Einwohner-Stadt, etwas mehr als 100 Kilometer von Rom entfernt, stürzen ganze Wohnblocks ein. Regierungschef Silvio Berlusconi ruft den Notstand aus.

Im historischen Stadtkern mit seinen barocken Palazzi und Kirchen bleiben von vielen Bauten nur Trümmerberge. Für wütende Proteste der Betroffenen sorgt Berlusconi bei einem Besuch in der Region. Er gibt den in Zelten untergebrachten Opfern den Rat: „Man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende.“

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