Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Brennpunkte Zug-Tragödie in Bayern: Ermittlungen und Aufräumarbeiten gehen weiter
Nachrichten Brennpunkte Zug-Tragödie in Bayern: Ermittlungen und Aufräumarbeiten gehen weiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:32 10.02.2016
Rettungskräfte stehen am 09.02.2016 an der Unfallstelle eines Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling (Bayern). Bei einem schwerem Zugunglück in Oberbayern sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Quelle: Sven Hoppe/dpa
Anzeige
Bad Aibling

Nach dem schweren Zugunglück in Bayern konzentrieren sich die Ermittlungen nun auf die Suche nach der genauen Unglücksursache. Erste Ermittlungen hatten ergeben, dass die Tragödie im oberbayerischen Bad Aibling durch menschliches Versagen ausgelöst worden war. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagabend aus zuverlässiger Quelle. Bei dem Unglück waren mindestens zehn Menschen getötet worden, es gab rund 80 Verletzte. Es war das schwerste Zugunglück in Bayern seit mehr als 40 Jahren.

Bei einem Zugunglück in der Nähe von Bad Aibling (Landkreis Rosenheim) sind am Dienstagmorgen mehrere Menschen ums Leben gekommen.

Wer genau für das Unglück verantwortlich zu machen ist, war zunächst nicht bekannt. Mehr Details wurden der Deutschen Presse-Agentur nicht genannt. Zuvor hatte das RedaktionsNetzwerk Deutschland berichtet, dass menschliches Versagen das Unglück ausgelöst haben könnte.

Mit schwerem Gerät soll am Mittwoch damit begonnen werden, die Zugwracks zu entfernen. Auch die Suche nach einer an der Unfallstelle noch immer vermissten Person soll fortgesetzt werden, hatte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd am Dienstagabend mitgeteilt. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wollte am Mittwoch die Unglücksstelle besuchen und mit den Rettungskräften sprechen. Wegen des Unglücks hatten sich die Parteien entschieden, auf den Politischen Aschermittwoch in Bayern zu verzichten.

Ermittler: Menschliches Versagen im Stellwerk Bad Aibling gilt als Unglücksursache

Die verhängnisvolle Fehlentscheidung eines Fahrdienstleiters im Stellwerk von Bad Aibling ist offenbar der Grund für das Zugunglück mit mindestens zehn Toten. Dies berichten die Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland, dem neben den Lübecker Nachrichten mehr als 30 Tageszeitungen angehören, unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Danach hat ein Bahnbediensteter das automatische Signalsystem ausnahmsweise außer Kraft gesetzt, um einen verspäteten Triebwagen noch „quasi von Hand durchzuwinken“.

Der Triebwagen hätte, um dem entgegenkommenden Zug auszuweichen, rechtzeitig einen sogenannten Begegnungspunkt erreichen müssen: Dort ist die ansonsten eingleisige Strecke zweigleisig ausgebaut. Doch der Triebwagen schaffte es nicht rechtzeitig bis zu diesem Punkt. Dennoch bekam der entgegenkommende Zug grünes Licht. „Der fuhr auf Ersatzsignal“, formulierte es ein Ermittler. Das bedeute: Auf Weisung aus dem Stellwerk habe der Lokführer weiter fahren dürfen, obwohl das reguläre Signalsystem auf Rot stand.

Nichtsahnend sei der Lokführer dann aus dem zwei- wieder in den eingleisigen Streckenabschnitt gefahren – und geradewegs in die Katastrophe gesteuert.

Am Dienstagmorgen waren zwei Nahverkehrszüge auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim frontal ineinander gekracht. „Der eine Zug hat sich förmlich in den anderen hineingebohrt und die Kabine des zweiten Zuges komplett auseinandergerissen“, berichtete ein sichtlich betroffener Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). 18 Menschen wurden schwer, 63 Reisende leicht verletzt.

Die Rettungs- und Bergungsarbeiten gestalteten sich extrem schwierig, weil die Unglücksstelle in einem Waldstück an einer Hangkante neben dem Flüsschen Mangfall liegt. Rund 700 Rettungskräfte kümmerten sich um die Verletzten. Zum Teil zogen die überwiegend ehrenamtlichen Helfer die Opfer auch in Bergungssäcken mit Winden an den Hubschraubern hoch und flogen sie an das andere Ufer der Mangfall.

Die 37 Kilometer lange Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim wurde nach dem Unglück komplett gesperrt. Wann die Strecke wieder geöffnet werden kann, war zunächst unklar. Die Bergung der Trümmer wird wohl mehrere Tage dauern, da die Stelle schwer zugänglich ist.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige