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Vier Gründe, weshalb Bromans die Zukunft des Trash-TV sein könnte

Reality-Sendung „Bromans“ Vier Gründe, weshalb Bromans die Zukunft des Trash-TV sein könnte

Ave, Bruder: In der britischen Sendung „Bromans“ treten die Teilnehmer als Gladiatoren gegeneinander an. Sie entblößen dabei nicht nur ihr seichtes Gemüt, sondern auch viel nackte Haut. Vier Gründe zur Verteidigung des Formats.


Quelle: Foto: ITV

London. Ein Vergleich, fast so alt wie das Reality-Fernsehen selbst: „Das ist doch wie bei den Gladiatorenkämpfen im alten Rom.“ Verteidiger und Verächter des Fernseh-Voyeurismus ziehen die Parallele wahlweise, um den Unterhaltungswert oder das Inhumane des Trash-TV zu beschreiben. Der britische Sender ITV2 hat das Prinzip jetzt wörtlich genommen: Die Sendung „Bromans“ kombiniert im Titel die Wörter Bro (Bruder, Kumpel) und Romans (Römer). Acht Paare werden in eine Gladiatorenarena geschickt, um in verschiedenen Disziplinen wie Ringen oder Zwillenschießen gegeneinander anzutreten. Die Sendung lässt sich hierzulande per Youtube verfolgen. Noch sind keine Pläne für eine deutschsprachige Version bekannt, doch ausländische Reality-Formate werden oft über kurz oder lang adaptiert, vom Dschungelcamp bis „Adam sucht Eva“. Hier kommen vier Gründe, weshalb „Bromans“ die Zukunft des Trash-Fernsehens sein könnte:

1. Brot und Spiele

Viele Teile des öffentlichen Lebens sind heute frei einsehbar. Darunter fällt auch, dass Ereignisse wie gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Aktivisten (ob nun in den USA oder in Hamburg) von vielen Menschen live oder als Video im Internet mitverfolgt werden. Dass jetzt bei „Bromans“ testosterongeladene Bodybuilder und ihre Partnerinnen das Brot-und-Spiele-Prinzip der Antike nachstellen, kann man auch als Kommentar zur Abgestumpftheit der Gesellschaft verstehen. Bei „Bromans“ wird das Prinzip aus dem Roman „Die Tribute von Panem“ auf die Spitze getrieben, Kämpfer werden zur Belustigung der Masse in die Arena geschickt. Auch wenn bei „Bromans“ der Kampf natürlich nicht wie in der Fiktion bis zum Tod dauert.

2. Milieustudie

Das Konzept erinnert teilweise an die Dating-Sendung „Love Island“, bei der durchtrainierte und partyaffine Mittzwanziger ihren begrenzten Wortschatz offenbaren. Ein ähnliches Milieu zeigt sich bei „Bromans“. So sagt ein Pseudo-Römer: „Caesar? Ich kenn nur Caesar Salad.“ Ein anderer Neuzeit-Gladiator blamiert sich mit der Aussage: „Viele Sachen kommen von den Römern – die Zahlen, und Latein wahrscheinlich auch.“ Das klingt schon fast zu schön, um nicht geskriptet zu sein. Klar, hier werden Menschen gnadenlos vorgeführt. Das kann man geschmacklos finden. Doch die Bloßlegung von Schwächen aller Art gehört nun einmal zum Trash-TV – man denke an Zlatkos legendäres Zitat aus der ersten „Big-Brother“-Staffel: „Shakespeare? Klar, kenn ich! Weiß aber jetzt nicht, was für Filme der gemacht hat.“

3. Männlichkeit in der Krise

Nicht nur der Intellekt der Teilnehmer wird entblößt, auch viel Haut: Die Männer tragen zeitweise nur Lendenschurz, die Frauen Gold-Bikinis. Die Konzentration auf die Körper – auch dafür gibt es antike Vorbilder – kommt absurd übersteigert daher. So zeigt das Format voller testosterongesteuerter Muskelprotze, wie verzweifelt Mann darum ringt, einer überholten Vorstellung von Männlichkeit gerecht zu werden. „Bromance“ – vom Klang her sehr ähnlich zu „Bromans“ – ist eine Bezeichnung für Männerfreundschaften, die sich in erster Linie über gemeinsame Fitnessstudio-Besuche definieren. Gladiatorentrainer David McIntosh als „Doctore“ indes tritt mit dickem Kajalstrich auf und steht so für eine andere Idee von Männlichkeit. Die Frauen werden bei „Bromans“ nur als Assistentinnen präsentiert. Dabei haben sie eigentlich die härtesten Aufgaben, etwa das Ausnehmen von Tieren. Auch diese Rollenverteilung lässt tief blicken.

4. Die Moderation

Den herrlich blasierten Spielleiter gibt Comedian Tom Bell. Wie beim „Dschungelcamp“ erlauben die selbstironischen Kommentare der Moderatoren die distanzierte Betrachtung des Klamauks. „Bromans“ könnte Trash-TV auf das nächste Level heben.

Von Jan Heemann/RND

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