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Kino Das Märchen vom Film, der alles richtig machen wollte
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23:09 17.05.2013
Im Gegensatz zu Clara (Hanna Merki) macht Quendolin (Jasmin Mairhofer, links) immer alles richtig. Quelle: Summiteer / FR Entertainment / Kerstin Stelter

In seinem ersten Kinofilm "Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte" mischt Regisseur Steffen Zacke vermeintlich unfehlbar richtige Zutaten für einen erfolgreichen Kinderfilm zusammen: Man nehme also zunächst eine originelle Buchvorlage, in dem Fall von Susanne Straßer, in der es um wichtige Themen wie Freundschaft, Familienbande und Eigenliebe geht. Dann orientiere man sich bei den Kostümen, der Ausstattung und dem Produktionsdesign an überaus erfolgreichen DEFA-Filmen wie "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Den hübsch altmodisch linear erzählten Film garniere man dann noch am Ende mit dem bedeutungsschwangeren Schlusssong "So wie Du bist" von Maite Kelly - fertig ist der zauberhafte, gelungene Kinderfilm. Wenn es doch so einfach wäre.

Einfach ist das Leben auch nicht für die tollpatschige und naturverbundene Prinzessin Clara, die von der recht hölzern wirkenden Hanna Merki gespielt wird. Ihre perfekte Schwester (Jasmin Mairhofer), die sich wie eine richtige Prinzessin benimmt, verpetzt sie ständig bei ihrem strengen Vater (Oliver Karbus), der äußerst unzufrieden mit der jüngeren Tochter ist. Nicht einmal Claras Bild hängt ordnungsgemäß in der Ahnengalerie, sondern dümpelt in einer dunklen Ecke auf dem Boden herum. Doch eines Tages findet die unglückliche Prinzessin ein altes Märchenbuch und beschließt, alles daran zu setzen, es den Heldinnen darin gleichzutun.

Dadurch hofft sie von ihrer Familie endlich die Anerkennung zu erhalten, nach der sie sich so sehr verzehrt. Doch das ganze Grimm'sche Froschgeküsse, Vom-Wolf-fressen-Lassen, Schuh-Verlieren und Haare-aus-dem-Fenster-Hängen geht trotz tatkräftiger Unterstützung von Hofnarr Michel - überzeugend gespielt von Michael Kranz ("Das weiße Band") - gründlich in die Hose. Die Kluft zwischen Clara und ihrer überkorrekten, königlichen Familie wächst.

Das klingt eigentlich ganz vielversprechend, doch der geneigte Zuschauer wird arg enttäuscht: Leider ist der Märchenfilm sehr verkrampft inzeniert und bereitet auch dramaturgisch wenig Freude. Selbst die ganz hübsch gemeinten, sehr einfach animierten Sequenzen, in denen die Originalmärchen noch einmal kurz nacherzählt werden, bewahren den erwachsenen Zuschauer kaum davor, in einen nicht ganz 100-jährigen Schlaf zu fallen. Doch zum Glück aller Erziehungsberechtigten ist der Film nur kindgerechte 75 Minuten lang und könnte wegen seiner Unaufgeregtheit und einigen plump klamaukigen Szenen zumindest den allerkleinsten Zuschauern, die zum ersten Mal ins Kino gehen, Freude bereiten.

Homepage "Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte"

Homepage Summiteer

Agenturseite Hanna Merki

Infoseite zum Film

(Flash)

(WMV)

teleschau

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