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Kino Machos, am Ende
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22:56 04.07.2013
"Ein Freitag in Barcelona" wird für acht Männer ein Tag zum Bilanz ziehen. Quelle: Camino Filmverleih
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Der Mann von heute hat es nicht leicht: Die Frauen haben sich emanzipiert, sind selbstständig und unabhängig. Sie erobern, wenn auch noch in einem überschaubaren Rahmen, Führungspositionen. Frauen erziehen Kinder und machen Karriere. Der Mann ist auf der Strecke geblieben. Die amerikanische Autorin Hanna Rosin hat es in ihrem jüngst erschienenen Buch "Das Ende der Männer" prognostiziert: Das Ende des Patriarchats sei da, die Zukunft gehöre den Frauen. Regisseur Cesc Gay haut in die gleiche Kerbe, wenn auch auf sensiblere und charmantere Weise. In seinem Episodenfilm entlarvt er die Leiden der Männer, die am Leben scheitern, während die Frauen triumphieren.

An einem Freitag in Barcelona stolpern zwei alte Freunde ineinander. Beide haben sich aus den Augen verloren; aus der zufälligen Begegnung ergibt sich ein erstaunlich ehrliches Gespräch über das Leben. J. (Leonardo Sbaraglia) müsste ein glücklicher Mann sein. Die Liebe und der Job, beides ist ihm geglückt, aber er leidet unter Depressionen. E. (Eduard Fernández) hingegen ist geschieden, dem Pechvogel ist nichts geblieben, also wohnt er wieder bei der Mutter. Das ist das männliche Dilemma: Sie geben einem keine Bedienungsanleitung für das Leben, beklagt J.

In einer anderen Episode setzt S. (Javier Cámara) seinen Sohn, den er regelmäßig sieht, bei der Ex-Frau Elena (Clara Segura) ab. Er hat sie vor Jahren betrogen und sich scheiden lassen, aber nun will er es wieder mit ihr versuchen. Eher ungeschickt unternimmt er den Versuch einer Annäherung. Doch die alte Liebe ist unwiederbringlich vorbei. Seine Ex, das erfährt er in seinem schwächsten Moment, ist glücklich geschwängert von dem neuen Mann in ihrem Leben. Auch G. (Ricardo Darin) geht es nicht besser. Mit Medikamenten ruhig gestellt sitzt er auf einen Parkbank und beobachtet das Haus, in dem sich seine Frau mit ihrem Liebhaber vergnügt. Eine demütigende Situation, zumal wenig später sein alter Bekannter L. (Luis Tosar) auftaucht, der sich auch noch als besagter Nebenbuhler zu erkennen gibt.

"Eine Pistole in jeder Hand" lautet der Originaltitel des Films wortwörtlich übersetzt und spielt ironisch an auf alte, vergangene Zeiten, in denen Männer noch echte Kerle waren: stark, sexy, unbesiegbar wie einst John Wayne. Mit großer Lust beleuchtet der Film die durch Trennungsschmerz und Neurosen angeschlagene männliche Psyche. Die einzelnen, unterschiedlich amüsanten Episoden sind Variationen männlichen Scheiterns und emotionaler Überforderung. Gleich acht Männer um die 40 teilen hier das gleiche, betrübliche Schicksal.

Regisseur Cesc Gay ist ein genauer, ja perfider Beobachter. Die Innenschau seiner namenlosen, weil paradigmatischen Figuren wirkt überaus echt, was sicherlich auch den ebenso routinierten wie prominenten Schauspielern des spanischsprachigen Kinos - darunter Ricardo Darin ("In ihren Augen", 2010), Javier Cámara ("Sprich mit ihr", 2002 ) und Candela Peña ("Princesas", 2005) - zu verdanken ist. Seine unsentimentale Inszenierung ist allerdings sehr reduziert, die einzelnen Episoden erinnern an die Akte eines Theaterstücks. Darunter leidet die Spannung des dialoglastigen Films, den der Verleih großspurig als "Woody Allen auf Spanisch" ankündigt. Das, allerdings, ist dann doch ein frommer Wunsch.

Homepage Camino Film

Homepage "Ein Freitag in Barcelona"

Homepage Eduardo Noriega

Infoseite zum Film

(Flash)

(WMV)

teleschau

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